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Politik

Nach Bombay: Kooperation oder Konfrontation?

Vor dem Terrorangriff auf die indische Metropole lag eine Zeit des Tauwetters zwischen Indien und Pakistan. Droht nun eine neue Eiszeit?

Indische und pakistanische Flagge getrennt durch einen Eiszapfen. Quelle: DW - Olof Pock

Neue Eiszeit zwischen Indien und Pakistan?

Drei Kriege haben die beiden Nuklearmächte Indien und Pakistan seit ihrer Unabhängigkeit 1947 geführt. 2001, nach dem Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi, standen sie kurz vor einem vierten Krieg. Bis heute ist unklar, ob nicht auch Kräfte aus Indien an dem Anschlag beteiligt waren. Wie auch immer: Danach setzte ein Entspannungsprozess zwischen beiden Seiten ein. Versucht wurde, grenzüberschreitende Probleme wie Terrorismus und Territorialkonflikte kooperativer als früher anzugehen.

Dieser Fortschritt wird durch den Terrorangriff auf Bombay in Frage gestellt. In Pakistan wird das mit Sorge gesehen: "Es sind aufgeladene, emotionale Stunden. Natürlich ist die Situation ernst", sagte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi. Und der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari betonte, Indien solle nicht "überreagieren".

Indiens Premier Singh unter Druck

Auch der pakistanische Politikwissenschaftler und Autor Hasan Askari fürchtet nach den Anschuldigungen aus Indien um das zarte Pflänzchen Friedensprozess. Die Lage würde noch verschärft durch innenpolitische Aspekte in Indien. In einigen Bundesstaaten finden derzeit Wahlen statt. Für 2009 sind Parlamentswahlen geplant.

Indiens Premier Singh. Quelle: DPA

Indiens Premier Singh: Zu lasch im Umgang mit Terrorbekämpfung?

Die Opposition hat im Wahlkampf bereits wiederholt den ihrer Meinung nach zu nachlässig von Premier Manmohan Singh geführten Kampf gegen den Terrorismus aufgegriffen. Dies, so Askari, spiegele nur den Druck wider, der auf der indischen Führung nun liege und den Friedensprozess zusätzlich belaste.

In den vergangenen vier Jahren nach Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Ländern hatte es einige bemerkenswerte Fortschritte gegeben. Bus- und Zugverbindungen wurden in Betrieb genommen. Erst kürzlich wurde der Handel über die so genannte "Line of Control" hinweg im geteilten und von beiden Ländern beanspruchten Kaschmir erlaubt. Als Geste des guten Willens wurden zudem mehrfach Gefangene ausgetauscht. Auch in der Terrorismusbekämpfung versprach man, enger zusammenzuarbeiten.

Enttäuschung in Pakistan

Aber auch in der Bevölkerung herrschte eine gewisse Hoffnung auf eine Verbesserung des Verhältnisses. In Pakistan sehen viele mit Bedauern, dass die Schuldzuweisungen wie so oft einen Keil zwischen die beiden Nachbarn treibt. Ein Mann auf einem Markt in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sagt: "Beide Länder sind Opfer. Beide müssen gegen den Terrorismus zusammenarbeiten. Sie sollten sich nicht gegenseitig beschuldigen." Eine Frau meint, dass Terrorismus nichts mit Religion zu tun habe: "Im Islam gibt es keine Rechtfertigung dafür, das Leben von Unschuldigen zu gefährden oder auszulöschen. Es ist falsch und hätte nie passieren dürfen."

Vergiftetes politisches Klima

Der pakistanische Verteidigungsexperte Sajjad Naseer ist dagegen der Meinung, das politische Klima zwischen den Erzrivalen sei seit seit längerem schon vergiftet: "Wie es um die Beziehungen steht, sieht man daran, dass der Friedensprozess seit etwa einem Jahr nicht richtig vorankommt. Man wollte ihn wiederbeleben, aber das hat seit einem Jahr nicht funktioniert." Erst eine zweifelsfreie Klärung, dass Pakistan nicht in die Terroranschläge verwickelt war, und das richtige politische Klima könnten eine Wiederaufnahme und die Geschwindigkeit des Prozesses beeinflussen, so Naseer.

Grenzöffnung in Kaschmir 2005: Menschen auf einem Weg im Vordergrund. Quelle: AP

Vertrauensbildende Maßnahmen wie hier die Grenzöffnung 2005 in Kaschmir haben das Misstrauen nicht beseitigt

Während die Politik in Pakistan vor einer Eskalation der Lage warnt, werden in den pakistanischen Medien bereits alle möglichen politischen und militärischen Optionen als Reaktion durchgespielt. Es heißt, dass unter Umständen – falls Indien seinerseits seine Grenzkräfte aufstocken sollte - möglicherweise pakistanische Truppen von der Grenze zu Afghanistan an die indische Grenze verlegt werden sollen. Derzeit sind etwa 100.000 Soldaten an der porösen Grenze zu Afghanistan stationiert, als Unterstützung für die Anti-Terror-Kräfte der USA und ihrer Verbündeten.

Eine solche Truppenverlegung würde nicht nur die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan in eine neue Eiszeit führen, sondern auch die anderen Nachbarländer und somit die ganze Region politisch und wirtschaftlich destabilisieren. Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi formulierte die Haltung seiner Regierung in seiner Pressekonferenz am Samstag (29.11.) mit diesen Worten: „Lassen Sie uns das Beste hoffen, aber lassen Sie uns zugleich für das Schlimmste planen."

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