1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Nach Biografie-Lüge: Hinz gibt Mandat ab

Abitur? Jurastudium? Alles nur ausgedacht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat mit ihrem gefälschten Lebenslauf viele Menschen über viele Jahre getäuscht. Jetzt verlässt sie den Bundestag.

Sie galt als forsche Volksvertreterin und für sie zu arbeiten, soll anstrengend gewesen sein. Die Mitarbeiter in ihrem Bundestagsbüro wechselten häufig. Petra Hinz galt also als schwierig. Aber was nun herausgekommen ist, hätte dann doch keiner gedacht: Die 54 Jahre alte Volksvertreterin der SPD aus Essen ist weder Juristin, noch hat sie das Abitur. Genau das aber hatte sie stets behauptet, auch auf der Internetseite des Deutschen Bundestages.

Als das bekannt wurde, dauerte es nicht lange, bis auch die Politikerin selbst einsah, dass es so nicht mehr weiterging: Am Mittwochnachmittag hat Petra Hinz ihr Mandat niedergelegt. Seit elf Jahren saß sie für die Sozialdemokraten im Bundestag. Vor einiger Zeit hatte sie angekündigt, bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr nicht mehr antreten zu wollen - das hatte bereits für Verwunderung gesorgt.

Anwaltserklärung statt Lebenslauf

Auf ihrer eigenen Internetseite findet sich nun statt ihres gefälschten Lebenslaufs eine Erklärung ihrer Anwälte, in der es unter anderem heißt: "In der Rückschau vermag Frau Hinz nicht zu erkennen, welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen über ihre juristische Ausbildung und Tätigkeit."

Aber das half auch nichts mehr: Zunächst hatte ihr eigener SPD-Unterbezirk in Essen Hinz zum Mandatsverzicht aufgefordert. Der Vorsitzende der SPD-Gruppe, Thomas Kutschaty, sagte: "Wir alle sind schockiert, dass Petra Hinz uns 30 Jahre lang eine falsche Biografie aufgetischt hat." Auch wenn sie eine hochengagierte und bürgernahe Abgeordnete in Essen gewesen sei, habe sie das Vertrauen zerstört. Und danach äußerte sich auch die parlamentarische Geschäftsführerin der Sozialdemokraten im Bundestag, Christine Lambrecht, "enttäuscht". Zwar forderte auch sie Konsequenzen, vermied aber zunächst eine ausdrückliche Aufforderung, Hinz solle auf ihr Mandat verzichten. Das hatte diese offenbar auch so verstanden.

"Bitte von Herzen um Entschuldigung"

Auf ihrer Internetseite lässt sie ihre Anwälte noch dieses ausrichten: "Das politische Engagement von Frau Hinz war und ist von Aufrichtigkeit und Integrität geprägt. Sie ist daher sehr bestürzt, nicht die Courage aufgebracht zu haben, für ihr Fehlverhalten geradezustehen. Sie bittet ihre Wegbegleiter, ihre Mitarbeiter, ihre Freunde und Familie, all die Menschen, die ihr vertraut haben, und auch die allgemeine Öffentlichkeit von ganzem Herzen um Entschuldigung."

Und in ihrem Wikipedia-Eintrag heißt es nun: "Petra Hinz wuchs in Essen auf und schloss 1983 ihre Schullaufbahn am heutigen Erich-Brost-Berufskolleg der Stadt Essen mit der Fachhochschulreife ab." Klingt nicht so spektakulär wie Abitur und Jurastudium, ist aber die Wahrheit.

Die Redaktion empfiehlt