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Kultur

Nach Berlin-Anschlag: Gehört der Terror-Lkw ins Museum?

Das Haus der Geschichte in Bonn überlegt, Teile des Lkw in seine Sammlung aufzunehmen, mit dem im Dezember der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verübt worden ist. Ist das nur konsequent oder geschmacklos?

Der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt zeigt, dass der IS-Terror in Deutschland angekommen ist. Damit ist er auch ein Teil der deutschen Geschichte geworden. Das Haus der Geschichte in Bonn hat die Aufgabe, diese darzustellen. Die Sammlung des Hauses umfasst nach eigenen Angaben rund 900.000 Objekte der Zeitgeschichte von 1945 bis in die Gegenwart. 

Nun könnte der Lkw des Terroranschlags am Breitscheidplatz ein Teil davon werden. Das Museum hat noch nicht darüber entschieden, so der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Walter Hütter, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Es ist noch zu früh, um darauf eine abschließende Antwort geben zu können."

Berliner Anschlag ist Teil deutscher Geschichte

Um die richtige Entscheidung zu treffen, bedürfe es eines zeitlichen Abstands zu der Tat. Auf keinen Fall dürfe das Geschehen später nur aus Sicht des Täters dargestellt werden, sagte Hütter. "Aber wenn ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz ist, und das ist in diesem Fall ja in der Tat so, dann gehört es zu unserer Geschichte, ob wir das wollen oder nicht."


Bildergalerie 20 Jahre Haus der Geschichte in Bonn (DW/H. Mund)

"Geschichte erleben" ist das Motto des Hauses der Geschichte in Bonn. Dieser Teil der Ausstellung thematisiert den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953

Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt unter anderem eine Waffe von RAF-Terroristen. Die Terroranschläge der linksextremistischen Roten Armee Fraktion erreichten in Deutschland 1977 mit der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, des Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank Jürgen Ponto und dem Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer ihren Höhepunkt.

Auch der Terrorismus der Gegenwart werde bereits in der Ausstellung thematisiert, so Hütter im dpa-Interview. So habe das Museum die Nagelbombe in seiner Sammlung, mit der die rechtsradikale Gruppe NSU 2004 in Köln einen Anschlag verübte. Über 20 Menschen wurden dabei verletzt, mehrere davon schwer. "Und wir haben jetzt auch Teile der Twin Towers aus New York bekommen, einige durch den Terrorangriff am 11. September brutal verbogene Metallträger und Teile der Fassade, die diese schiere Gewalt zeigen. Aber auch eine kleine ID-Card eines Mitarbeiters der Deutschen Bank, der dort zu Tode gekommen ist. Sie steht für das menschliche Leid dieses Terrorverbrechens", so Hütter.

Wie den Terror im Museum darstellen?

Bei der Überlegung, wie der IS-Terror im Museum abgebildet werden kann, müsse man verschiedene Aspekte berücksichtigen, sagte Hütter: "Die Tat selbst, die Täter und das Tatwerkzeug, die Opfer, deren Angehörige und die gesellschaftlichen Folgen. Man braucht also ein ganzes Konvolut von aussagekräftigen Objekten, Dokumenten, Fotos, Ton- und Filmbeiträgen."

Bei dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt waren am 19. Dezember zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Der Täter soll der 24-jährige Tunesier Anis Amri gewesen sein. Er wurde wenige Tage nach dem Attentat in Italien von der Polizei erschossen.

ld/rey (dpa, hdg.de)

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