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Aktuell Nahost

Nach Attentat: Israel riegelt Westjordanland und Gazastreifen ab

Als Antwort auf den Terroranschlag in Tel Aviv macht Israel die Grenzen zu den Palästinensergebieten dicht. Im Westjordanland wurden hunderte zusätzliche Soldaten stationiert.

Israelische Regierung und Militär ziehen nach dem tödlichen Anschlag in Tel Aviv das gesamte Register an Vergeltungsmaßnahmen. Für drei Tage wurden jetzt die Übergange zum palästinensischen Gazastreifen und zum Westjordanland geschlossen. Wie die israelische Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf ein Kommuniqué der Streitkräfte berichtete, trat die Maßnahme um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft und soll bis Sonntag Mitternacht aufrecht erhalten werden, wenn das jüdische Shawuot-Fest endet.

Die Einreise nach Israel werde nur aus humanitären oder medizinischen Gründen erlaubt. Gläubige dürfen demnach zum Freitagsgebet auf den Tempelberg, schrieb "Haaretz" weiter. Zuvor hatte Israel die Einreisegenehmigungen für zehntausende Palästinenser zurückgenommen, die im Fastenmonat Ramadan Verwandte in Israel besuchen wollten.

Am Mittwoch hatten im Sarona-Park im Zentrum Tel Avivs zwei palästinensische Attentäter vier Israelis erschossen. Sicherheitskräfte fassten die Männer, einer von ihnen wurde dabei verletzt. Die Armee legte einen Blockadering um das Dorf Jata im südlichen Westjordanland, aus dem die Angreifer stammen. Nach Polizeiangaben sind sie Cousins.

Verstärkung auf Basis einer aktuelle Lagebeurteilung

Als erste Reaktion auf den Anschlag waren im besetzten Westjordanland hunderte zusätzliche Soldaten stationiert worden, wie die Armee bestätigte. "Auf Basis einer aktuellen Lagebeurteilung" werde die im Westjordanland stationierte Division um zwei Bataillone verstärkt, erklärte Armeesprecher Peter Lerner. Auf Nachfrage hieß es bei der Armee, es gehe um die Entsendung von mehreren hundert Soldaten.

Während ein Sprecher der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas von einer "heldenhaften" Tat sprach und weitere Anschläge im Fastenmonat Ramadan ankündigte, distanzierte sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Gewalttat. "Alle Angriffe auf Zivilisten, von welcher Seite und mit welcher Rechtfertigung auch immer, sind zurückzuweisen", erklärte sein Büro.

Aufsehen erregte am Donnerstag die Mahnung des Bürgermeisters von Tel Aviv: tiefere Ursache der Gewalt sei die im 50. Jahr anhaltende Besetzung der Palästinensergebiete. Ron Huldai sagte im Armeeradio: "Wir sind vielleicht der einzige Staat der Welt, der ein anderes Volk dauerhaft seiner Rechte beraubt." Es fehle der Mut, zu einer Übereinkunft zu gelangen, was Israel in ein Dilemma stürze.

SC/jj (afp, dpa, APE)