Nach Attentat auf Skripal: London weist russische Diplomaten aus | Aktuell Europa | DW | 14.03.2018
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Der Giftanschlag von Salisbury

Nach Attentat auf Skripal: London weist russische Diplomaten aus

Es ist die größte britisch-russische Konfrontation seit dem Kalten Krieg: London legt die Beziehungen zu Moskau auf Eis. 23 russische Diplomaten müssen Großbritannien verlassen - binnen einer Woche.

Großbritannien London - Theresa May (picture-alliance/dpa/AP/F. Augstein)

Die britische Premierministerin Theresa May

Großbritannien wird wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal die diplomatischen Kontakte mit Russland deutlich reduzieren. Insgesamt 23 russische Diplomaten werden ausgewiesen. "Der russische Staat ist des versuchten Mordes schuldig", sagte Premierministerin Theresa May vor dem Unterhaus in London. Der Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien stelle "einen rechtswidrigen Einsatz von Gewalt gegen das Vereinigte Königreich durch den russischen Staat dar."

Die Diplomaten hätten eine Woche Zeit, um das Land zu verlassen. Es handle sich um die "größte Ausweisung seit mehr als 30 Jahren", sagte May. Insgesamt waren zuletzt 59 Russen als Diplomaten in Großbritannien akkreditiert.

Die Prinzen dürfen nicht zur WM

London stoppt zudem bilaterale Kontakte "auf hoher Ebene" mit Russland. Aus diesem Grund wurde eine Einladung des russischen Außenministers Sergej Lawrow nach London zurückgezogen. Regierungsvertreter und Mitglieder des Königshauses werden nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer nach Russland reisen.

May kündigte außerdem an, alle staatlichen russischen Vermögen im Land einzufrieren, falls diese nachweislich dazu eingesetzt würden, Leben und Eigentum von Bürgern in Großbritannien zu bedrohen.

Für den morgigen Donnerstag kündigte die Premierministerin eine Sitzung des NATO-Rates in Brüssel an. Großbritannien hat auch eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen beantragt.

Der Kreml beteuert: Wir waren's nicht

Zuvor hatte Russland ein britisches Ultimatum zur Aufklärung des Attentats verstreichen lassen; Moskau erklärt sich zu unrecht beschuldigt. May hatte gefordert, dass sich Moskau bis heute, 1 Uhr MEZ, zur Herkunft des bei dem Attentat verwendeten Nervengifts Nowitschok äußern müsse. Die Substanz war einst in der Sowjetunion entwickelt worden und gehört zu den gefährlichsten Nervengiften.

Russland lasse nicht in der Sprache von Ultimaten mit sich reden, hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Vormittag in Moskau gesagt. Man habe London über diplomatische Kanäle mitgeteilt, dass Russland an dem Anschlag unschuldig sei.

Großbritannien Salisbury Krankenhaus Sergei Skripal, vergifteter russischer Ex-Spion (Imago/i Images)

Seit Tagen praktisch im Ausnahmezustand: das englische Städtchen Salisbury

Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich immer noch in einem kritischen Zustand. Skripal hatte als Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU für die Briten spioniert. Er wurde in Russland verurteilt und 2010 bei einem großen Agenten-Austausch nach Großbritannien entlassen.

Das Attentat erinnert an den Fall des Ex-Agenten und Kremlkritikers Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten auch nach Moskau.

rb/sam (afp, ap, dpa, rtr)