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Aktuell Nahost

Nach Anschlag: Israel verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Vier Menschen wurden bei dem Anschlag in Tel Aviv getötet. Israel schickt Soldaten ins Westjordanland und legt Einreisegenehmigungen für Palästinenser auf Eis. Die Hamas droht mit weiteren Anschlägen.

Nach dem tödlichen Anschlag in Tel Aviv hat Israels Polizei die Sicherheitsmaßnahmen in der Küstenmetropole verschärft. Im Großraum Tel Aviv sei die Polizeipräsenz vor allem im Bereich von Schulen und Kindergärten verstärkt worden, berichteten israelische Medien.

Die israelische Armee schickte mehrere hundert weitere Soldaten ins besetzte Westjordanland. "Auf Basis einer akuellen Lagebewertung wird die Division von Judäa-Samaria um zwei Bataillone verstärkt", erklärte ein Armeesprecher unter Verwendung der Bezeichnung der israelischen Behörden für das Westjordanland. Bataillone haben unterschiedliche Truppenstärken; auf Anfrage hieß es bei der Armee, es gehe um die Entsendung von mehreren hundert Soldaten.

Keine Einreise für Palästinenser

Israel setzte zudem die Einreisegenehmigungen für rund 83.000 Palästinenser aus, die wegen des Fastenmonats Ramadan erteilt worden waren. Die Erlaubnis für Familienbesuche für Palästinenser aus dem Westjordanland sei "eingefroren" worden, erklärte die dem Verteidigungsministerium unterstellte Zivilverwaltung für die besetzten Gebiete. Auch 200 Bewohner des Gazastreifens, die während des Ramadans Verwandte in Israel sowie heilige Stätten besuchen wollten, dürften vorerst nicht einreisen, hieß es.

Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Reaktion auf den Anschlag neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Diese würden "offensiver und defensiver" Natur sein, sagte der Regierungschef in der Nacht bei einem Besuch am Ort des Angriffs. Begleitet wurde er dabei vom ultrarechten Verteidigungsminister Avigdor Lieberman und Polizeiminister Gilad Erdan. Zuvor hatte Netanjahu mit ihnen eine Dringlichkeitsberatung im Militärhauptquartier abgehalten. Das Gebäude liegt direkt gegenüber dem Anschlagsort.

"Kaltblütiger Mord"

Der Anschlag sei ein "kaltblütiger Mord durch verabscheuungswürdige Terroristen", hieß es in einer von Netanjahus Büro veröffentlichen Mitteilung. "Dies ist eine Herausforderung und wir werden ihr gerecht werden."

Am Mittwochabend hatten zwei palästinensische Attentäter in einem belebten Freizeitpark im Zentrum Tel Avivs vier Israelis erschossen. Sechs weitere Besucher des ehemaligen deutschen Templerdorfs Sarona wurden bei dem Anschlag verletzt. Sicherheitskräfte fassten die Attentäter, einer davon wurde dabei verletzt.

Es war der erste tödliche Anschlag in Israel seit der Ernennung Liebermans zum Verteidigungsminister. Hardliner Lieberman hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für ein härteres Vorgehen gegen die Palästinenser stark gemacht und Netanjahus Sicherheitspolitik als "zu lasch" kritisiert. Nach Polizeiangaben stammten die Attentäter aus einem Dorf bei Hebron im südlichen Westjordanland. Es handele sich um Cousins. Sie hätten sich ohne Genehmigung in Israel aufgehalten. Nach Medienberichten trugen sie auch Taschen mit Messern bei sich. Noch in der Nacht umstellten die israelischen Streitkräfte den Heimatort der Attentäter, wie die Zeitung "Times of Israel" berichtete.

Anschlagsort in Tel Aviv (Foto: AFP)

Bei dem Anschlag wurden vier Menschen getötet

Hamas lobt den Anschlag

Die im Gazastreifen herrschende Hamas kündigte unterdessen weitere Anschläge im muslimischen Fastenmonat Ramadan an. Der Führer der Hamas im Gazastreifen lobte den tödlichen Anschlag. "Ruhm und Glückwünsche den Einwohnern Hebrons", schrieb Ismail Hanija bei Twitter. Nach dem Satz fügte er ein Siegeszeichen ein. Ein Hamas-Sprecher in Gaza erklärte, der Anschlag sei eine Antwort auf die "israelischen Verbrechen" gegen die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen.

cr/sti (dpa, rtr)