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Europa

Nach Anschlag in Russland rollen Züge wieder

Nach dem blutigen Terroranschlag auf einen voll besetzten Schnellzug von Moskau nach St. Petersburg ist Russlands meistbefahrene Bahnverbindung wieder hergestellt. Die Suche nach den Drahtziehern läuft auf Hochtouren.

Entgleiste Waggons (Foto: AP)

Entgleist: Waggons des Schnellzuges "Newski Express"

Die Strecke sei am Sonntagmorgen (29.11.2009) für den Passagierverkehr freigegeben worden, teilte die russische Staatsbahn auf ihrer Internetseite mit.

Bei dem Bombenanschlag am Freitagabend auf den mit 661 Passagieren besetzten "Newski Express" starben mindestens 25 Menschen. Das Schicksal von 26 weiteren Passagieren ist noch unklar. Mehr als 80 Verletzte wurden am Sonntag noch in Krankenhäusern behandelt.

Geheimdienst bestätigt: Es war ein Terroranschlag

Der russische Geheimdienst ist sich sicher: das verheerende Zugunglück im Nordwesten des Landes hatte einen terroristischen Hintergrund.

Am Unfallort zwischen Moskau und Sankt Petersburg - wo mehrere Waggons des "Newski Express" entgleisten - seien Splitter eines Sprengkörpers sowie ein mehr als ein Meter tiefer Bombentrichter entdeckt worden, teilte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, mit. Nach Erkenntnissen des Inlandgeheimdienstes FSB hatte der selbst gebaute Sprengkörper eine Wucht von sieben Kilogramm TNT.

Während der Bergungsarbeiten detonierte am Samstag am Unglücksort ein weiterer Sprengsatz. Dabei sei allerdings niemand verletzt worden, berichtete Staatsbahn-Chef Wladimir Jakunin.

Täter unbekannt

Dmitri Medwedew (Foto: AP)

Bestürzt: Dmitri Medwedew

Ein Bekennerschreiben einer rechtsradikalen Gruppierung im Internet wird als nicht authentisch eingestuft. Nach Auskunft von Innenminister Raschid Nurgalijew wurden am Tatort jedoch Spuren gesichert, die bei der Suche nach den Hintermännern helfen könnten.

Die Behörden hätten ein Täterprofil entworfen und setzten nun auf die Unterstützung der Bevölkerung. Staatspräsident Dmitri Medwedew forderte eine schnelle Bestrafung der Täter und versprach den Angehörigen der Opfer unbürokratische Hilfe.

Bahnchef Jakunin sprach von "Parallelen zu 2007". Der Vorfall weise viele Ähnlichkeiten zu einem Anschlag auf den "Newski Express" auf derselben Strecke im August vor zwei Jahren auf. Damals waren etwa 30 Menschen verletzt worden. Die Spur führte seinerzeit in den Nordkaukasus. In den dortigen Teilrepubliken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien sind bei Konflikten zwischen Rebellen und kremltreuen Einheiten in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen getötet worden - längst zählt keiner mehr die Opfer. Immer wieder hatten die Aufständischen mit Attentaten außerhalb der Unruheregion gedroht.

In Russland ging schon seit langem die Angst um, Rebellen aus dem Kaukakus könnten auch im Kernland selbst zuschlagen. Zuletzt hatten Extremisten im Jahr 2004 eine Reihe von Selbstmordanschlägen in Moskau verübt.

Bergungs- und Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle (Foto: AP)

Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle bei Uglowka sind mittlerweile abgeschlossen

Neue staatliche Repressalien?

Der mutmaßliche Terroranschlag auf die wichtigste Zugverbindung Russlands wirft erneut ein Schlaglicht auf die instabile Sicherheitslage im größten Land der Erde. Politische Beobachter rechnen damit, dass der Staat als Reaktion auf das Attentat die Kontrolle der Gesellschaft weiter verschärfen wird. Schon jetzt haben sich die Bewohner auch kleinerer Städte daran gewöhnt, bei Restaurant- oder Kino-Besuchen durch eine Sicherheitsschleuse zu gehen und ihre Taschen durchsuchen zu lassen. Sogar Leibesvisitationen sind längst keine Seltenheit mehr.

Autor: Christian Walz, Annamaria Sigrist (dpa, rtr, afp, ap)
Redaktion: Rolf Breuch, Susanne Eickenfonder

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