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Afrika

Nach Anschlag: Elfenbeinküste unter Schock

Der Anschlag auf einen ivorischen Badeort ist ein weiterer Schlag des Terrors gegen ein "weiches Ziel". Er trifft ein Land, das bisher vom Terror verschont war - und eine Symbolfunktion im Anti-Terror-Kampf hat.

Der Terror schien weit weg von Grand Bassam, dem Strandparadies und UN-Weltkulturerbe im Südosten der Elfenbeinküste. Umso tiefer sitzt der Schock bei denen, die am Sonntag Augenzeugen des Angriffs wurden, bei dem Islamisten am Strand und in drei Hotels insgesamt 21 Menschen töteten. "Der eine, der geschossen hat, war fast noch ein Kind. Er ist zu einer jungen Frau gegangen, die telefonierte, und hat ihr in den Kopf geschossen. Dabei hat er 'Allahu akbar' geschrieen", berichtet ein Augenzeuge der DW. Die islamistische Miliz Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQIM) bekannte sich zu dem Attentat.

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Terror in der Elfenbeinküste: drei Fragen an Fréjus Quenum

Es ist der dritte große Anschlag, der die Region innerhalb weniger Monaten erschüttert: Im November starben 20 Menschen bei einer Geiselnahme in einem malischen Luxushotel; im Januar töteten Islamisten insgesamt 26 Menschen in einem Hotel und einem Restaurant in Burkina Faso. Seitdem sind die westafrikanischen Staaten in Alarmbereitschaft. Die Sicherheitsvorkehrungen seien auch in Hotels und an Stränden in der Elfenbeinküste verschärft worden, berichtet Inge Herbert, die für die Friedrich-Naumann-Stiftung unter anderem in der ivorischen Metropole Abidjan arbeitet. Es habe aber keine offizielle Warnung gegeben, dass das Risiko eines Anschlags in der Elfenbeinküste erhöht sei.

Neues Vorgehen der Islamisten

Der Anschlag in Grand Bassam führe vor Augen, dass sich die Sicherheitslage in Westafrika nicht verbessert habe - trotz erhöhter Vorkehrungen durch Geheimdienste, sagt Lori-Anne Théroux-Bénoni. Sie arbeitet für das Institut für Sicherheitsstudien (ISS) in Senegals Hauptstadt Dakar. "Die Gebiete, in denen diese Gruppe operiert, nehmen zu", sagt Théroux-Bénoni im DW-Gespräch.

Burkina Faso - Anschlag auf Splendid Hotel in Ouagadougou Foto: Reuters/Reuters TV

In Burkina Faso töteten Islamisten vor zwei Monaten bei Anschlägen 26 Menschen

Sie sieht im jüngsten Anschlag auch einen Beleg dafür, dass die Islamisten ihre Vorgehensweise den Sicherheitsvorkehrungen der westafrikanischen Länder anpassten. Nach den Angriffen auf die Hotels in den Hauptstädten von Mali und Burkina Faso seien vergleichbare Ziele besser gesichert gewesen, so die Expertin: "Es ist viel einfacher, einen Strand anzugreifen, an dem zahlreiche verschiedene Betriebe angesiedelt sind."

Die Elfenbeinküste hatte sich in den vergangenen Jahren gerade erst von einem Konflikt erholt. Nach umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2010 kam es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des damaligen Präsidenten Laurent Gbagbo und dessen Herausforderer Alassane Ouattara,bei denen sich eine christliche und eine muslimische Bevölkerung gegenüberstanden. Diese Konflikt wollten die Islamisten nun wieder aktivieren, sagt Ayo Johnson, Gründer der Medienplattform Viewpoint Africa: "Al-Kaida versucht, einen Keil zwischen die überwiegend muslimische Bevölkerung im Norden und die christliche Bevölkerung im Süden des Landes zu treiben."

Alte Konfliktlinien reaktivieren

Der Anschlag in Grand Bassam ist ein Angriff auf ein Land, dem es gelungen ist, den eigenen Konflikt weitgehend hinter sich zu lassen - und das sich zunehmend dem Westen angenähert hat. Die Rolle als Verbündeter im internationalen Kampf gegen den Terror ist für ISS-Expertin Théroux-Bénoni der Hauptgrund, warum die Elfenbeinküste nun selbst zur Zielscheibe wurde: "Die Elfenbeinküste beherbergt einen französischen Militärstützpunkt, die die Operation Barkhane im Sahel logistisch unterstützt." Diese französische Militäroperation hat zum Ziel, die Islamisten in der Sahelzone über Staatsgrenzen hinweg zu bekämpfen.

Mali Gao Operation Barkhane Kinder und französische Soldaten Foto: PHILIPPE DESMAZES/AFP/Getty Images

Die französische Barkhane-Mission ist länderübergreifend im Einsatz

Nun versucht die Regierung von Präsident Alassane Ouattara, Stärke zu demonstrieren. "Diese schändlichen Anschläge der Terroristen werden in der Elfenbeinküste nicht toleriert", sagte Ouattara bei seinem Besuch in Grand Bassam. Doch mit ihrer Strategie, immer neue Ziele in Ländern anzugreifen, die bisher nicht im Fokus standen, scheinen die Islamisten eines erreicht zu haben: Die Regierungen sind gezwungen, zu reagieren, weil es nicht gelingt, Anschlägen effektiv vorzubeugen. Und die Reaktionszeit hätte am Sonntag durchaus kürzer sein können, heißt es von Insidern. "Ein Helikopter hätte gereicht, um schneller zu sein", sagte ein Mitglied der Spezialeinheit, die die Terroristen in Grand Bassam bekämpfte, der DW.

Dem Terror den Nährboden entziehen

"Wir sind nun in einer Situation, in der wir gleichzeitig auf die Bedrohung reagieren und ihr vorbeugen müssen", sagt Sicherheitsexpertin Théroux-Bénoni. Ein Blick auf die Selbstdarstellung und die Biografien der Menschen, die sich von den Islamisten rekrutieren lassen, zeige: "Hier geht es vor allem um Fragen sozialer Ausgrenzung und einer fehlenden Lebensgrundlage dieser Menschen." Dort müssten Regierungen ansetzen, um den Terrornetzwerken den Boden zu entziehen.

Deutsche Organisationen vor Ort - etwa politische Stiftungen oder auch das Goethe-Institut - versuchen genau dies. Doch der Terror trifft auch sie. Henrike Grohs, die Leiterin des Goethe-Instituts in der Elfenbeinküste, gehört zu den Opfern des Anschlags. Inge Herbert von der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt sich sehr betroffen - nicht nur, weil sie jahrelang mit Grohs zusammengearbeitet hat. "Wir alle hielten uns sehr oft in Grand Bassam auf - privat und beruflich. Die Hotels haben wir für Seminare benutzt."

Um dem Terror zu begegnen, beschwört die Elfenbeinküste erneut alte Allianzen: Für Dienstag haben sich Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault und Innenminister Bernard Cazeneuve in Abidjan angekündigt.

Mitarbeit: Julien Adayé, Carole Assignon, Mark Caldwell

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