1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Nach allen Seiten offen

"Wir sollten die Achse Paris-Berlin nach Moskau verlängern" schrieb die "Iswestija" vor kurzem und meinte die Irak-Politik des Kreml. Aber der russische Präsident Putin lässt sich nur ungerne in die Karten blicken.

default

Es ist schon richtig, Russland ist nicht mehr die Supermacht wie in Zeiten des Kalten Krieges. Auch richtig ist aber, dass Russland nach wie vor eine Vetomacht im UN-Sicherheitsrat ist. Ohne Moskau läuft, zumindest innerhalb der Vereinten Nationen, gar nichts. Der Kreml ist sich seiner Position wohl bewusst.

Eisen im irakischen Feuer

Mit neuem Selbstbewusstsein spricht sich Präsident Putin gegen die Kriegspläne der USA aus, unterstützt dabei Frankreich und Deutschland. Außenminister Iwanow, das Sprachrohr des Präsidenten, betont immer wieder, dass Russland und die Europäische Union in der Irak-Krise noch enger zusammenarbeiten wollen. Und es gibt Gründe, warum das so ist.

Im Irak hat Moskau noch einige Eisen im Feuer. So z.B. Milliardeninvestitionen russischer Ölfirmen, Altschulden Bagdads in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar, die Moskau nicht aufs Spiel setzen will oder das neue Wirtschaftsabkommen mit dem Irak über 40 Milliarden Dollar. Moskau will zwar die internationale Anti-Terror-Allianz unterstützen, zugleich aber will es sich nicht mit dem langjährigen Handelspartner und früherem Freund Irak verscherzen.

Auch ein militärische Lösung ist denkbar

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn der Anti-Kriegskurs ist so eindeutig nicht. Moskau überprüft genau, welche Entscheidung mehr Vorteile bringt, Krieg oder Frieden. In fast jeder offiziellen Erklärung hält sich der Kreml die Hintertür nach Washington offen. Eine militärische Lösung schließt Präsident Putin nicht endgültig aus. Und so vermag heute keiner zu sagen, welchen Kurs die frühere Supermacht in der Irak-Krise weiter steuern wird.

Nur eins steht fest. Die Angestellten russischer Firmen im Irak schicken ihre Frauen und Kinder nach Hause. Ihr Vertrauen in die weltweite Friedensdiplomatie scheint begrenzt.