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Kultur

... na und?!

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Boris Becker in einem Werbespot für AOL mit naiver Technikbegeisterung Sympathiepunkte sammeln konnte. Doch damit ist es inzwischen vorbei.

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"Ich bin drin"

Da staunte er nicht schlecht, der Herr Becker im Jahre 1999, als sich die Welt des Internets wie von Geisterhand vor ihm aufbaute. Doch mittlerweile hat es sich ausgestaunt. "Heute könnte er damit nicht mehr werben", sagt Stefan Kaiser vom Zürcher Gottlieb Duttweiler Institut (GDI). Die Lust auf Internet, Handys und andere Technik scheint einen neuen Tiefpunkt erreicht zu haben.

Was soll mir das?

Die Konsumenten wollen nicht nur drin und bei der jeweils neusten Entwicklung dabei sein, sondern auch wissen wozu. Der Nimbus des Neuen alleine genügt nicht mehr. Vorbei sind die Zeiten, in denen Familienväter mit Hingabe ihre Samstage dafür opferten, ihr Homebanking zu optimieren. "Heute will man wissen, was mir das bringt, wenn ich der Bank die Arbeit abnehme", sagt Kaiser, der auch Chefredakteur des Management-Magazins "GDI_IMPULS" ist.

Von den jüngsten Technikwellen seien viele derart enttäuscht, dass ihnen der Spaß an den technischen Spielereien verloren gegangen ist. Seien es nun die plug&play-Technologie, ISDN-Anlagen oder netzfähige Handys - wegen der Kompliziertheit weicht die Freude an den Maschinchen zu Hause oft dem Frust. "Früher wollten alle die neuste Version eines Computerprogramms haben", sagt Kaiser, "heute wartet man solange, bis das neue Programm auch wirklich funktioniert." Anstatt die Kunden mit wenigen ausgereiften Produkte in langsameren Abständen zu verwöhnen, würden "in sinnloser Dynamik" Geräte und Programme auf den Markt geworfen.

Technik ... oh Graus!

Techniksoziologen wie Günter Voß von der Technischen Universität Chemnitz gehen von einer wohl längerfristigen Stagnation beim Interesse an der Apparatewelt aus. "Die Euphorie, die mit der Expansion der IT-Industrie und des Internets einherging, schwächt sich ab", sagt Voß. Nach den optimistischen 80er und 90er Jahren wenden sich viele Menschen von Technik ab, meint der Soziologe.

Wenn Harald Schmidt und Manuel Andrack in ihrer Show betonen, keinen DVD-Player zu haben, dürften sie dieses "Ich auch nicht"-Gefühl mit vielen Zuschauern teilen. Die jungen Männer, die sich einst den ganzen Nachmittag mit ihren Handys und deren Tönen vergnügen konnten, werden in den Cafés der Städte allmählich rar. Gespräche drehen sich mehr um Jobsorgen als um die neuesten Technik-Gags. Die auf den Tischen herumliegenden Handys dienen nicht mehr so sehr als Statussymbol, sondern zum Telefonieren.