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Sprachbar

Na denn Prost!

In der Kneipe bestellt man einen Kurzen und ein kühles Blondes, im feinen Restaurant wohl eher ein gutes Glas Wein. Bei Problemen heißt es "Abwarten und Teetrinken". Ganz trunken wird man auch aus Liebe.

"Iss, was gar ist; trink, was klar ist; sprich, was wahr ist": Diese Aufforderung wird Martin Luther zugeschrieben. Und er ist nicht der einzige, der etwas über das Trinken sagt und Leibliches mit Geistigem verbindet.

Durstige Menschen und Autos

Ein Auto und ein Tankschlauch

Davon wird das Auto nicht besoffen

Massenweise finden sich Sprüche über das Trinken in der deutschen Literatur und in Sammlungen alter Volksweisheiten. Meistens geht es dabei um Alkohol – vor allem um sogenannte geistige Getränke, also um Hochprozentiges. Schuld an dieser Bezeichnung ist der oder besser das lateinische spiritus, was in der Übersetzung sowohl Alkohol als auch Geist bedeutet. Die Abkürzung Sprit benutzt man übrigens auch für einen anderen Brennstoff, nämlich fürs Benzin, das in den Fahrzeugtank kommt – das Auto will ja auch trinken!

Die wohl berühmteste und meist zitierte Volksweisheit bringt es auf eine einfache Formel: "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen". Sinnlicher Genuss ist also auch gut für den Geist. Das muss nicht unbedingt mit Alkohol verbunden sein, obwohl der sonst eine große Rolle spielt – umgangssprachlich betrachtet.

Allerlei Zustände

Ein Glas Schnaps

Ein Kurzer

Die verschiedenen Stadien und Formen des Alkoholgenusses sind durch eine Vielfalt sprachlicher Wendungen detailliert beschrieben – Wertung inbegriffen. Wer ein wenig getrunken hat, gilt als angeheitert, angeschickert, oder hat einen kleinen Schwips. Wer ein bisschen mehr Alkohol zu sich nimmt, der hat einen sitzen. Und wer noch weitergeht und vielleicht schon etwas ins Wanken gerät, der hat – wohlwollend beschrieben – ordentlich einen über den Durst getrunken oder zu tief ins Glas geschaut.

In der Kneipe kann man natürlich Schnaps und Bier bestellen. Aber meistens werden hier andere Ausdrücke benutzt: ein Kurzer für den Schnaps, ein Helles, eine Halbe, eine Maß, ein Kölsch oder Alt für das Bier – je nachdem, in welcher Region man sich gerade aufhält. Ob Sie den ortsüblichen Ausdruck kennen, ist der Bedienung aber vermutlich nicht wichtig, eher schon das Trinkgeld. Ein paar Cent oder sogar Euro zusätzlich sind immer gern gesehen.

Feiern und Trinken

Mehrer Jugendliche mit Sektgläsern prosten sich zu

Bevor man Sekt trinkt, prostet man sich zu

Auf ex sollte man am besten – wenn man nicht trinkfest ist – nur ein einziges Getränk zu sich nehmen. Es sei denn, es handelt sich um Wasser. Denn Auf ex bedeutet, ein Glas in einem Zug auszuleeren. Der Begriff stammt übrigens aus dem Lateinischen, von ex wie aus.

Nicht nur die Art und Weise, auch die Atmosphäre und die Motive des Trinkens werden durch viele Ausdrücke widergespiegelt. Ein neuer Job, ein Geburtstag, eine überwundene Krise – alles Gründe, auf die man einen trinken oder anstoßen kann. Wer besonders ausgelassen feiert, der lässt die Korken knallen. Gemeint sind die Sektkorken – aus Kork oder Plastik –, denn Sekt gibt es nur zu festlichen Anlässen.

Kräftemessen

Ein Mann und eine Frau halten Gläser in den Händen und trinken Brüderschaft

Brüderschaft können auch Mann und Frau trinken

Wer nicht aus Genuss zu Wein, Bier oder Stärkerem greift, sondern damit seine Hemmungen überwinden will, der trinkt sich Mut an. Und wem der Geschmack ziemlich egal ist, dafür aber der Rausch umso wichtiger, der gießt sich einen hinter die Binde oder auf die Lampe. Beides führt leider manchmal zu einem Zustand, den man als sinnlos betrunken bezeichnet.

Dann gibt es natürlich noch das unsinnige Stärkemessen. Einen anderen unter den Tisch trinken zu können, gilt manchem als Leistung. Die Redewendung bedeutet, dass man soviel Alkohol zu sich nimmt, bis der andere nicht mehr weiter trinken kann und im Extremfall unter den Tisch sinkt. Sehr viel harmloser sieht auf jeden Fall das Brüderschaft trinken aus. Es besteht darin, dass zwei Personen auf ihre Duzfreundschaft anstoßen.

Rausch ohne Alkohol

Symboldbild: Schmetterlinge

Liebestrunkene haben Schmetterlinge im Bauch

Die Sprache kümmert sich aber nicht nur um den Alkohol und seine Wirkung. Auch Verliebtheit kann die Menschen berauschen und sie liebestrunken machen. Und wer allzu früh seinen Tag beginnt, der begibt sich häufig müde und schlaftrunken auf den Weg zur Arbeit.

Wenn die immer schwieriger wird und die täglichen Aufgaben kaum noch zu schaffen sind, trotz größter Anstrengung und Überstunden, dann droht man in Arbeit zu ertrinken. Aber keine Panik! Auch hier gilt es, die Situation erst einmal in Ruhe zu überdenken, um die richtige Entscheidung zu finden. Anders ausgedrückt: "Abwarten und Tee trinken", was gute Freunde in solchen Situationen gerne empfehlen.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Haushaltsdebatte im Bundestag

Wein predigen und Wasser trinken?

Wenn gute Ratschläge von mächtigen Politikern kommen, sollte man sich das allerdings genauer ansehen. Hier hat man schon allzu oft feststellen müssen, "sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser". Der berühmte Spruch stammt vom deutschen Dichter Heinrich Heine. Er kritisierte im 19. Jahrhundert damit das Verhalten der Kirche. Doch das Sprichwort wird inzwischen für alle gerne verwendet, die in machtvoller Position Bescheidenheit von anderen fordern, es sich selber aber gut gehen lassen.

Zu den Erfahrungen mit äußerst karriereorientierten Menschen gehört auch, dass viele Ideen, die als neu gepriesen werden, so neu gar nicht sind. "Alter Wein in neuen Schläuchen" nennt man das – und der wird leider allzu oft serviert.

Na denn Prost!

Begonnen haben wir mit einem moralischen Trinkspruch von Martin Luther, enden möchten wir mit einem munteren von Dichter Joachim Ringelnatz: "Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt sind jene, aus denen man trinkt." Na denn Prost!

Fragen zum Text

Nicht trunken sein kann man …

1. vor Glück.

2. vor Geld.

3. vor Liebe.

Wenn Personen Brüderschaft trinken, dann sagen sie … zueinander.

1. Sie

2. Du

3. Ihr

Abwarten und Tee trinken bedeutet, dass …

1. man sich für etwas Zeit lässt.

2. man in einem Café auf jemanden wartet und einen Tee trinkt.

3. man wartet, bis jemand seinen Tee getrunken hat.


Arbeitsauftrag

"Sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser", lautet ein bekannter Satz von Heinrich Heine. Bringen Sie einige Beispiele aus der Politik, der Wirtschaft oder aus Ihrem persönlichen Umfeld, auf die man diesen Spruch anwenden kann.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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