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Fußball

Nürnberg erkämpft Remis in Frankfurt

Im Hinspiel der Relegation geht es zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg hin und her. Das Duell bleibt eng. Der an einer Tumorerkrankung leidende Marco Russ wird fast zum tragischen Helden.

Es war kein Fußballspiel wie jedes andere! Allein schon wegen der sportlichen Bedeutung: Die Relegation als letzte Chance für Eintracht Frankfurt, die Klasse zu halten, oder für den 1. FC Nürnberg, in die Bundesliga zu kommen. Umso mehr aber wegen Eintracht-Kapitän Marco Russ. Bei dem 30-Jährigen war am Mittwochabend eine

schwere Tumorerkrankung

diagnostiziert worden. Schon vor dem Anpfiff sorgte dieser Umstand für eine spezielle Atmosphäre: Als der Stadionsprecher die Aufstellung verlas, brüllten die Eintracht-Fans bei allen Spielern "Russ" als Nachnamen. Neunzig zwar nicht hochklassige aber umkämpfte und spannende Spielminuten später zeigte die Anzeigetafel ein 1:1 (0:1) an. Als Torschütze war dort auch Marco Russ aufgelistet, allerdings hatte er sein Team durch ein unglückliches Eigentor ins Hintertreffen gebracht (43. Minute). In der 65. Minute gelang Eintracht-Angreifer Mijat Gacinovic der Treffer zum 1:1-Endstand. Mit diesem Ergebnis bleibt das Duell auch beim Rückspiel am Montag (20:30 Uhr MESZ, ab 20:15uhr im DW-Liveticker) völlig offen.

Russ trifft ins falsche Tor

Vom Anpfiff weg ließen sich die Frankfurter von den stürmischen Anfeuerungen ihrer Anhänger antreiben und übernahmen sofort die Kontrolle - es war ein Spiel auf ein Tor. Nach zehn Minuten hatte die Eintracht bereits drei Eckbälle herausgeholt. Die Gastgeber drückten die Nürnberger in die eigene Hälfte, fast alle Spieler tummelten sich vor dem von Raphael Schäfer gehüteten Tor des FCN. Doch klare Torchancen sprangen nicht heraus. Zwar suchten Spielmacher Szabolcs Huszti und Flügelspieler Stefan Aigner immer wieder den wieder genesenen Eintracht-Torjäger Alexander Meier, fanden ihn aber fast nie. Schussversuche und Kopfbälle der anderen Offensivspieler wurden von den Nürnberger Verteidigern abgeblockt.

Bundesliga Relegation Eintracht Frankfurt gegen Nürnberg, Eigentor Marco Russ (Foto: picture alliance/AP Photo/M. Probst)

Marco Russ (2.v.r.) will es nicht glauben: Von seinem Fuß springt der Ball zum 1:0 für Nürnberg ins eigene Tor

Die "Cluberer" selbst blieben in der ersten Halbzeit über weite Strecken ungefährlich. Schnelle Gegenstöße in die Frankfurter Hälfte gab es kaum. Nur mit Freistößen kamen sie in die Nähe des Eintracht-Tores. So auch in der 43. Minute: Sebastian Kerk schnibbelte den Ball in den Strafraum, allerdings kam keiner seiner Mitspieler an den Ball heran.

Stattdessen behinderten sich zwei Frankfurter gegenseitig. Makoto Hasebe irritierte Marco Russ, indem er dem Ball im letzen Moment auswich, um ihn ins Toraus gehen zu lassen. Russ hielt den Fuß hin, und von dort sprang der Ball ins eigene Tor - ausgerechnet Russ als Eigentorschütze.

Gacinovic hält Eintracht im Rennen

Wenige Minuten nach Wiederanpfiff gab es den nächsten Rückschlag für Russ: Nachdem er sich einen Ball zu weit vorlegte und beim Rettungsversuch seinen Gegner traf, sah er die Gelbe Karte (56.). Damit ist der Verteidiger im Rückspiel gesperrt. Die Partie sah nun anders aus: Nürnberg spielte selbstbewusster, ließ die Frankfurter kommen und lauerte auf Konter. Nach einer Stunde erhöhte Frankfurt dann wieder den Druck. Schließlich gelangte ein Zuspiel von der rechten Seite zu Gacinovic, der den Ball am Elfmeterpunkt annahm, einen Gegenspieler ausspielte und gedankenschnell zum 1:1 abschloss (65.).

Bundesliga Relegation Eintracht Frankfurt gegen Nürnberg, Jubel Mijat Gacinovic (Foto: Reuters/K. Pfaffenbach)

Erleichterung: Torschütze Mijat Gacinovic hält die Eintracht im Rennen um den Klassenerhalt

Die Hausherren drängten nun auf das zweite Tor, aber die Nürnberger Abwehr hielt. Erneut war es Gacinovic, der Schäfer aus kurzer Distanz und spitzem Winkel prüfte (76.). Zwei Minuten später parierte der FCN-Keeper gegen Haris Seferovic. Torjäger Alex Meier, der völlig wirkungslos blieb, war da schon gar nicht mehr auf dem Platz. Eintracht-Coach Niko Kovac hatte ihn in der 70. Minute ausgewechselt. Schließlich war es Luc Castaignos, der dem Spiel aus Frankfurter Sicht in letzter Sekunde noch die Krone hätte aufsetzen können. Doch der Niederländer sprang in der 93. Spielminute wenige Meter vor dem Nürnberger Tor an einer Flanke vorbei. Schäfer hatte keine Mühe den Ball zu sichern und das 1:1 festzuhalten.

"Wir wollten ein Auswärtstor erzielen. Mit diesem Ergebnis können wir leben", sagte FCN-Trainer René Weiler im ARD-Interview, der vor allem seine Defensive lobte. "Jeder muss für den anderen kämpfen. Das haben meine Spieler gut gemacht." Ähnlich sah es sein Gegenüber Niko Kovac: "Ich glaube, wir haben heute über 90 Minuten das Spiel diktiert. Wir waren die bessere Mannschaft. Nürnberg hat gut verteidigt. Wir hatten noch zwei oder drei kleine Chance, die wir nicht genutzt haben. Dann kassiert man solch ein dummes Tor. Es ist schon ärgerlich."

Eintrachts Torjäger Alex Meier meinte: "Ich denke, wir haben heute das Spiel dominiert und müssen daran in Nürnberg anknüpfen." Ob er selbst dann auch wieder von Anfang an mitwirken wird, wusste Meier noch nicht: "Egal wer dann auf dem Platz steht, die Hauptsache ist, wir schaffen den Klassenerhalt."

Fragwürdige Aussagen von Weiler und Schäfer

Für Aufregung sorgten fragwürdige Aussagen von FCN-Trainer Weiler und dessen Torwart Raphael Schäfer zur schweren Erkrankung von Frankfurts Marco Russ. Nach dem Abpfiff sagte der Club-Keeper im Sky-Interview: "Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, dann kann er nicht Fußball spielen". Weiler hatte zuvor sein Unverständnis über den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Erkrankung zum Ausdruck gebracht, den er als "Inszenierung" bezeichnete.

Fußball Rene Weiler, Trainer des 1 FC Nürnberg (Foto: picture-alliance/dpa/T. Schamberger)

René Weiler spricht von "Inszenierung" und entschuldigt sich anschließend

Kurze Zeit später entschuldigten sich beide: "Meine Worte waren dumm. Ich habe mich voreilig geäußert, ohne Bescheid zu wissen", bekannte Schäfer. So etwas dürfe "mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung", sagte der Keeper: "Ich kann mich nur aufrichtig entschuldigen. Ich wünsche Marco das Allerbeste und bin sicher, dass er wieder gesund wird."

Auch Weiler ruderte zurück: "Meine Aussage sollte auch keinerlei Vorwurf Richtung Eintracht Frankfurt sein, sondern ging an diejenigen, die den Fußball als Bühne nutzen und mit so einer Nachricht mitten in der Nacht an die Öffentlichkeit gehen", sagte der Coach: "Mir waren die Vorgänge bei der Eintracht nicht im Detail bekannt. Ich habe meine Aussage auch bei Marco Russ sowie den Frankfurter Verantwortlichen persönlich unmittelbar klargestellt."

Hier gibt es den Liveticker der spannenden Partie noch einmal zum Nachlesen.

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