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Fußball

Nürnberg - Der vergessene Rekordmeister

Einst war der 1. FC Nürnberg Deutscher Rekordmeister mit neun Titeln zwischen 1920 bis 1968. Heute machen die Franken fast nur Schlagzeilen nach gewonnen Relegationsspielen. Der Club im Porträt.

Die Nürnberger Meisterelf von 1968: Hintere Reihe (v.l.): Trainer Max Merkel, Heinz Strehl, Ludwig Müller, Hans Küppers, Amend Theis, Ferdinand Wenauer, Theo Homann, Horst Blankenburg, Georg Volkert, Co-Trainer Robert Koerner. Mittlere Reihe (v.l.): Hans Rigotti, Horst Leupold, Dieter Nüssing, Peter Czernotzky, Fritz Popp, Hans-Jürgen Lehr, Klaus Zaczyk.; Vordere Reihe (v.l.): Johnny Hansen, Erich Beer, Sdrjan Cebinac, Roland Wabra, Jürgen Rynio, Walter Pradt, Heinz Müller, Franz Zimmert (Foto: pa/dpa)

Wer war bis 1987 Deutscher Rekordmeister? Nein, nicht der FC Bayern! Von 1924 bis 1987 war der 1. FC Nürnberg an der Fußballmacht. Neun Titel holten die Nürnberger, damals waren sie auf dem Gipfel - und stürzten ab. Erstmals stieg ein Verein, der soeben die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, in die Zweite Liga ab, bis heute ist das nicht wiederholt worden. Was folgte, waren Jahrzehnte ohne fußballerische Glanzpunkte: Sechs Abstiege, der bitterste 1999. Als Tabellen-Zwölfter scheinbar gerettet, stürzte Nürnberg auf Platz 16 ab, wegen der weniger erzielten Tore.

Pokalgewinn 2007: Die Legende ist zurück

Hans Meyer und der DFB-Pokal (Foto: AP)

Der vorerst letzte Triumph

39 lange Jahre mussten die Club-Fans auf einen Titel warten, und als der 1. FC Nürnberg 2007 den Deutschen Meister VfB Stuttgart bezwang, gab es kein Halten mehr. "Wenn ich weiß, dass alle echten Clubberer so lang gelitten haben mit den zum Teil sehr wechselhaften und dubiosen Leistungen der letzten Jahrzehnte, dann ist das doch eine richtig schöne Sache", freute sich der damalige Trainer Hans Meyer, und der Verein brachte ein Buch heraus mit dem Titel: "Die Legende ist zurück." Nur - wie lange? Erneut brachte es der Verein fertig, nach einem Titelgewinn abzusteigen. Kaum ein anderer Bundesligaverein hat so viele Rückschlage hinnehmen müssen wie der 1. FC Nürnberg.

Der "ewige" Präsident

Michael A. Roth (Foto: DW-TV)

Michael A. Roth: Ein Leben für den Club

Es gibt viele Namen, die eng mit dem 1. FC Nürnberg verknüpft sind: Dieter Eckstein, Bernd Hobsch, Max Morlock, Martin Driller, Andreas Köpke oder Marek Mintal, der 2005 sogar Torschützenkönig wurde. Doch vor allem Ex-Präsident Michael A. Roth erlebte viele Höhe- und Tiefpunkte seines Vereins mit. Roth war zum ersten Mal zwischen 1979 und 1983 Präsident, schließlich von 1994 bis 2009. Unter ihm arbeiteten Trainer wie Klaus Augenthaler, Thomas von Heesen und Felix Magath.

Roth lebte für den Club. "Die Motivation ist natürlich der Erfolg. Ich hasse nichts mehr als den Misserfolg", war sein Credo. "Und deshalb ist man ständig motiviert, dass man, egal wo man hinfährt, die Spiele gewinnt und dadurch natürlich automatisch vorwärtskommt." Der Patriach, wie er oft genannt wurde, hatte den Verein mehrfach vor dem Ruin gerettet, der Teppich-Großhändler erlebte fünf Abstiege und den bislang letzten Triumph, den DFB-Pokalsieg von 2007, mit.

Rekord-Absteiger und Relegationsspezialist

Nürnberger Spieler feiern die gewonnene Relegation gegen Augsburg (Foto: AP)

Relegation - für Nürnberg schon Routine

Mit sieben Abstiegen sicherten sich die Nürnberger 2008 auch den Titel des Rekordabsteigers. Seit der letzten Saison darf man sie aber auch Meister der Relegation nennen: 2009 setzten sich die Nürnberger gegen Energie Cottbus durch und stiegen wieder in die Erste Liga auf, ein Jahr später sicherten sie sich mit dem Erfolg über Augsburg die Klassenzugehörigkeit. Dort wollen sie langfristig bleiben, so Trainer Dieter Hecking: "Aber wir müssen, um wirklich dauerhaft und stabil in der Bundesliga zu bleiben, auch versuchen, Qualität hinzuzukriegen."

In der aktuellen Saison muss Hecking aber auf Andreas Ottl und Eric Maxim Choupo-Moting verzichten. Beide Spieler waren ausgeliehen und kehren zu ihren Vereinen (Bayern München und Hamburger SV) zurück. Verstärkt hat sich der Club unter anderem mit Julian Schieber vom VfB Stuttgart und dem Hoffenheimer Per Nilsson. 9000 Mitglieder meldet der Verein auf seiner Homepage. Das Saisonziel lautet Klassenerhalt - am besten dieses Mal ohne die nervenaufreibende Relegation.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Wolfgang van Kann

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