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Fokus Osteuropa

Nüchterne Reaktionen in Kroatien auf EU-Beitrittsgespräche

Lange musste Zagreb warten auf die Eröffnung der Beitrittsgespräche mit der EU. Die Entscheidung der EU-Außenminister wurde mit Freude aufgenommen, aber Euphorie ist in Kroatien nicht ausgebrochen.

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Schon ein gefragter Mann in der EU? - Ivo Sanader, Ministerpräsident Kroatiens

Nachdem die UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte der Regierung in Zagreb eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien bescheinigt hatte, haben die EU-Außenminister nach langem Gerangel die Beitrittsverhandlungen mit dem Balkanstaat begonnen. Die Begeisterung im Land hält sich in Grenzen.

"Kroatien wird mit den Beitrittsgesprächen beginnen und jetzt erwartet uns alle viel Arbeit, denn wir müssen auch unsere nationalen und staatlichen Interessen schützen." Dies sagte der kroatische Präsident Stipe Mesic in einer Fernsehsendung, unmittelbar nachdem die gute Nachricht aus Luxemburg eingetroffen war. Er betonte erneut, dass es zur pro-europäischen Politik keine Alternative gebe und fügte hinzu, dass Kroatien jetzt mit einem Beitritt zur EU im Jahre 2008 rechnen könne.

Kein Grund zur Euphorie

Die kroatische Öffentlichkeit hat mit großer Aufmerksamkeit die Nachrichten aus Luxemburg verfolgt, zunächst den Bericht von Chefanklägerin Carla del Ponte, dann die Entscheidung des EU-Ministerrates. Zu den ersten, die zur guten Nachricht gratulierten, gehörte auf dem Empfang zum 15. Jahrestag der deutschen Einheit der deutsche Botschafter in Zagreb, Jürgen Staks.

Wichtige Vertreter der Opposition machten dagegen darauf aufmerksam, dass es nun darum gehe, einen kühlen Kopf zu bewahren. Der SDP-Vorsitzende Ivica Racan sagte, man dürfe jetzt nicht in Euphorie verfallen, denn:" jetzt erwartet uns die allerschwerste Etappe: die Verhandlungen. Die Gespräche müssen von hoher Qualität sein, so zügig wie möglich, und in den Verhandlungen müssen sowohl Wissen als auch Geschicklichkeit in der Verteidigung nationaler Interessen bewiesen werden."

Ist Kroatien wirklich bereit für Verhandlungen?

Der Vorsitzende der HSS (Kroatische Bauernpartei), Zlatko Tomcic mahnte an, dass dieses für Kroatien große Datum nicht für tagespolitische Spiele benutzt werden dürfe:" Ob die Verhandlungen einen Monat früher oder später beginnen, ist letztlich egal. Man muss hier die Frage stellen, ob wir überhaupt bereit sind für diese Verhandlungen. Daher entspricht das momentane Insistieren auf einen Zeitpunkt für den Beginn der Gespräche, das Insistieren darauf, dass wir sofort den Beginn der Gespräche bekommen müssen, meiner Meinung nach genau dem tagespolitischen Bedürfnis der aktuellen Regierung."

Qualität der Gespräche entscheidend

Die HSP (Kroatische Partei des Rechts), bekannt für ihre eher reservierten Beziehungen zur EU, wird nach den Worten von Pero Kovacevic darauf bestehen, dass die Gespräche gut vorbereitet sind:" Wir als Euro-Realisten haben immer gesagt, dass die Geschwindigkeit der Verhandlungen nicht wichtig ist, sondern deren Qualität. Danach müssen wir uns auch in den Vorgesprächen richten. Denn je schneller wir in die Verhandlungen gehen wollen, desto eher wird es uns passieren, dass wir gute Diener schlechter Herren sein werden."

Alle politischen Kräfte in Kroatien fordern, das sich der nationale Ausschuss für die Verhandlungen so bald als möglich zusammenfindet, damit das Land sich gut auf die Verhandlungen vorbereitet und damit eine bessere Zukunft für seine Bürger sicherstellt.

Gordana Simonovic, Zagreb,
DW-RADIO/Kroatisch, 4.10.2005, Fokus Ost-Südost

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