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Politik

Nüchtern und ambitionsfrei: Interims-Premier Jan Fischer

Jan Fischer soll Tschechiens EU-Ratspräsidentschaft zu einem glimpflichen Ende führen - und das heimische Polit-Chaos interimsweise moderieren.

Der frisch gekürte Interims-Premier Tschechiens, Jan Fischer (Foto: AP Photo/Petr David Josek)

Der künftige Premier Tschechiens, Jan Fischer, sieht Mammutaufgaben entgegen

Begeisterung klingt anders. Gerade zum Interims-Premier von Tschechien ernannt, betont Jan Fischer vor allem, dass sein Gastspiel in der Politik nur ein kurzes sein werde. "Ich nehme das schlicht als fünfmonatigen Dienst, nichts sonst", zitiert ihn die "Süddeutsche Zeitung". Nach den vorgezogenen Neuwahlen im Oktober will er wieder zurück in sein bisheriges Metier, in die Welt der Zahlen.

Seit sechs Jahren leitet der studierte Wirtschaftswissenschaftler das staatliche tschechische Statistikamt. Damit setzt der 58-Jährige eine Familientradition fort: Schon seine Eltern waren Mathematik-Experten. Und auch das älteste von Fischers drei Kindern, Sohn Jakub, hat sich auf Statistik spezialisiert.

Besonnener Mann im Hintergrund

Hinter den nüchternen Zahlen trat der künftige Premier nur selten vor Publikum in Erscheinung, in Prag war er bisher nur Fachleuten bekannt. Das wird sich nun, als Ministerpräsident und Kopf der EU-Ratspräsidentschaft ändern. Auf dem internationalen Parkett verfügt Fischer Berichten der österreichischen Zeitung "Standard" zufolge bereits über Erfahrung: Neben Studienaufenthalten in Ungarn, den USA und Belgien war er 2001 Mitglied einer Mission des Internationalen Währungsfonds in Ost-Timor. Fünf Jahre lang war er Mitglied des Leitungsausschusses der Regierungsagentur CzechInvest, die für die Gewinnung von Auslandsinvestoren für Tschechien verantwortlich ist.

Fischer ist Mitglied der Internationalen Organisation für offizielle Statistik, spricht fließend Englisch und Russisch und verfügt auch über Deutsch- und Französisch-Kenntnisse. Er wird als besonnener, vorsichtiger und ernster Charakter beschrieben, der von radikalen Positionen Abstand nehme.

"Ich bin kein Politiker"

Fischer selbst erklärt, seine Behörde, das Statistikamt, stets vor politischem Einfluss geschützt zu haben. Dass er diesen Abstand zur Politik hielt, hat biografische Gründe: In den 1980er Jahren, während der sozialistischen Tschechoslowakei, gehörte er der Kommunistischen Partei an - bis mit der "Samtenen Revolution" der Systemwechsel kam. Wie viele andere realisierte er damals das Scheitern der Planwirtschaft und die Menschenrechtsverletzungen der kommunistischen Führungen in Osteuropa. Heute betont der nunmehr parteilose Fischer: "Ich bin kein Politiker."

Was für sein künftiges Amt unmotiviert klingt, kann in der zerstrittenen politischen Landschaft Tschechiens zum Vorteil gereichen. Wer langfristig keine politischen Ambitionen verfolgt, braucht auf parteipolitische Befindlichkeiten keine Rücksicht zu nehmen. Fischer selbst beschreibt sein neues Amt gleichermaßen nüchtern und pathetisch als "Dienst für das Heimatland". (aco/gri/dpa)