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Aktuell Nahost

Nächtliche Angriffe gegen Hamas

Die Hamas schießt wieder Raketen auf Israel ab, die israelische Regierung reagiert mit Luftangriffen gegen vermutete Stellungen der Islamisten in Gaza.

Nachdem die Hamas die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe abgelehnt hat, setzt die israelische Regierung wie angekündigt auf weitere Militärschläge gegen die Islamisten im Gazastreifen. In der Nacht zum Mittwoch griff die israelische Luftwaffe Wohnhäuser führender Mitglieder der radikalislamischen Organisation an. Laut Augenzeugen wurden unter anderem die Häuser der Hamas-Anführer Mahmud al-Sahar und Bassem Naim getroffen, außerdem die Häuser von Ex-Gesundheitsminister Fathi Hammad und des Abgeordneten Ismail al-Aschkar.

Warnung an Bevölkerung

Zuvor hatte die israelische Armee die Bewohner des nördlichen Gazastreifens aufgefordert, "zu ihrer eigenen Sicherheit" ihre Häuser zu räumen. Auf diese Weise sollten zivile Opfer vermieden werden, hieß es. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung "Haaretz" sind 100.000 Menschen davon betroffen. Die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, bestätigten die Warnung.

Die Zahl der Toten bei den israelischen Luftangriffen stieg derweil auf über 200, wie der Sprecher der örtlichen Rettungsdkräfte, Aschraf al-Kidra, über Twitter mitteite. 1520 Menschen seien seit Beginn der Offensive verletzt worden.

Die Hamas, die den Gazastreifen beherrscht, hatte am Dienstag anders als die israelische Regierung den ägyptischen Vorschlag für eine Waffenruhe abgelehnt und die Raketenangriffe auf Israel fortgesetzt. Bis zum Abend zählte das israelische Militär 125 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen. Auch Israel flog daraufhin wieder Luftangriffe, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die Militäroperationen im Gazastreifen noch auszuweiten. "Die Hamas lässt uns keine andere Wahl", sagte er in einer Fernsehansprache. "Sie hat es vorgezogen, weiter (auf uns) zu schießen, und sie wird einen hohen Preis dafür bezahlen."

Waffenruhe bleibt Thema

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gibt die Waffenruhe aber noch nicht verloren. "Der Generalsekretär hat die Hamas aufgefordert, mit der ägyptischen Initiative zu kooperieren und ruft alle Seiten auf, diesen diplomatischen Kanal zu nutzen", sagte sein Sprecher. Auch die US-Regierung sprach sich für eine baldige Waffenruhe aus. Zwar hätten die USA keinen direkten Kontakt zur Hamas, die sie als Terrororganisation einstufen. Aber es gebe "Länder in der Region", die Kontakt hätten. In diesem Sinne werde Außenminister John Kerry weiterhin auf beide Seiten einwirken, sagte seine Sprecherin Jen Psaki.

Angesichts der fortgesetzten Raketenangriffe auf Israel haben die USA dem Land Hilfe beim Ausbau seines Raketenabwehrsystems "Iron Dome" (Eiserne Kuppel) in Aussicht gestellt. Ein Ausschuss des US-Senats stimmte für eine Aufstockung der Hilfsgelder um die Hälfte. Im Haushaltsjahr 2015 wären das 351 Millionen Dollar (knapp 258 Millionen Euro) statt bisher 235 Millionen Dollar.

Streit im Likud

Unterdessen sind in der israelischen Regierung Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit der Hamas offen ausgebrochen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entließ den stellvertretenden Verteidigungsminister Danny Danon. Laut "Jerusalem Post" hatte dieser die am Dienstag einseitig verkündete Waffenruhe einen "Schlag ins Gesicht" aller israelischen Bürger genannt. Danon gehört wie Netanjahu der rechten Likud-Partei an.

Der frühere israelische Geheimdienstchef Efraim Halevy hat sich derweil für Verhandlungen mit der Hamas ausgesprochen. "Die Hamas ist zweifellos eine sehr schlechte Option", sagte er dem US-Sender CNN. "Aber es gibt schlimmere Optionen als Hamas." Namentlich nannte der Ex-Mossad-Chef die sunnitischen IS-Milizen, die in Syrien und im Irak einen islamischen Staat errichten wollen. Diese "strecken ihre Fühler nach dem Gazastreifen aus", warnte er.

det/jj (afp, dpa, rtr)