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Europa

Mythen über Flüchtlinge im Faktencheck

"In Europa leben die meisten Flüchtlinge, sie nehmen uns die Jobs weg, und wer vom Balkan kommt, ist sowieso ein Wirtschaftsflüchtling." Diana Hodali und Sven Pöhle räumen mit den Vorurteilen auf.

"Warum nehmen wir überhaupt Flüchtlinge auf?"

Deutschland hält sich an seine Gesetze. Denn in Artikel 16a des Grundgesetzes steht: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht". Dies betrifft Menschen, die in ihrem Staat wegen ihrer politischen Überzeugung so stark ausgegrenzt werden, dass ihre Menschenwürde verletzt ist.

"Flüchtlinge bekommen doch mehr Geld als Deutsche"

Asylsuchende, Geduldete und zum Teil auch andere Flüchtlinge haben 20 Jahre lang rund 30 Prozent weniger bekommen, als das, was in Deutschland als menschenwürdiges Existenzminimum gilt. Erst im Juli 2012 hat das Bundesverfassungsgericht die Leistungen als "evident unzureichend" kritisiert und sie angehoben. Während ein Hartz-IV-Empfänger 399 Euro pro Monat erhält, liegt der Satz für das Leistungspaket eines Asylbewerbers zwischen 281 und 352 Euro.

Nach Angaben der Organisation Pro Asyl erhalten Flüchtlinge ihre Leistungen zum Teil immer noch in Form von Einkaufsgutscheinen oder Chipkarten, mit denen man nur bestimmte Dinge in bestimmten Geschäften kaufen kann. Anspruch auf normale Sozialleistungen haben nur anerkannte Flüchtlinge.

"Die Ausländer nehmen uns Deutschen die Jobs weg"

Flüchtlinge dürfen ohne eine Arbeitserlaubnis weder arbeiten noch eine Ausbildung machen. Für Asylsuchende und Geduldete ist die Arbeit in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts verboten. Auch danach haben sie nur schlechte Chancen auf einen Job, weil es "bevorrechtigte Arbeitnehmer" gibt. Deutsche, andere EU-Bürger oder anerkannte Flüchtlinge werden bei der Jobvergabe bevorzugt behandelt. Erst nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland dürfen Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge arbeiten. Fakt ist zudem: In vielen Wirtschaftsbereichen fehlen in Deutschland heute schon die nötigen Arbeitskräfte. Und aus Kriegsgebieten kommen viele gut ausgebildete Menschen.

"Die Flüchtlinge kommen doch alle nach Europa"

Über 80 Prozent der 59 Millionen Flüchtlinge weltweit bleiben in ihrer Herkunftsregion. Zum einen, weil sie oft auf eine schnelle Rückkehr hoffen, aber auch, weil ihnen die Möglichkeiten zur Weiterflucht fehlen. Die größte Flüchtlingsgruppe aus dem Kriegsgebiet in Syrien und dem Irak wurde ebenfalls vor allem von den Nachbarstaaten im Nahen Osten aufgenommen - und nicht von Europa. Das UN-Flüchtlingswerk UNHCR beziffert allein die Zahl syrischer Flüchtlinge, die sich in einen der Nachbarstaaten gerettet haben, aktuell auf 4,08 Millionen, lediglich 348.000 haben auf der Suche nach einem sicheren Leben in Europa einen Asylantrag gestellt.

"Deutschland nimmt die meisten Flüchtlinge in Europa auf"

Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit Langem: 2014 waren es 170.000 Asylsuchende, für 2015 erwartet Innenminister Thomas de Maizière bis zu 800.000. Lediglich europaweit verzeichnet die Bundesrepublik tatsächlich aktuell die meisten Asylanträge. Setzt man die Zahl der Asylanträge ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, relativiert sich der Eindruck allerdings: 2014 rückte die Bundesrepublik mit 2,5 Asylanträgen auf 1000 Einwohner auf Platz sechs der Rangliste. Schweden liegt mit 8 Asylanträgen pro 1000 Einwohner auf Platz eins. Auch Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark stehen in der Rangliste vor Deutschland.

"Wer vom Balkan kommt, ist ein Wirtschaftsflüchtling"

Auf dem Balkan herrscht kein Bürgerkrieg, deshalb denken viele Menschen hierzulande, Asylsuchende vom Balkan seien alle Wirtschaftsflüchtlinge. Aber mitten in Europa leiden Menschen, besonders serbische und kosovarische Roma, unter Diskriminierung, Hunger und existenzieller Not. Im Unterschied zu Arbeitssuchenden aus der EU bleibt ihnen die europäische Freizügigkeit verwehrt - und dann helfen nur Asylgesuche. Länder wie Finnland und die Schweiz sehen rund 40 Prozent der Asylanträge serbischer und kosovarischer Flüchtlinge als gerechtfertigt an. Deutschland schiebt die Flüchtlinge vom Balkan zu fast 100 Prozent ab.

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