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Welt

Mysteriöser Tod des Rebellenchefs

Die libyschen Rebellen verlieren ihren Militärchef durch einen Mordanschlag. Waren es Gaddafis Leute oder Mörder aus den eigenen Reihen? Der mysteriöse Tod wirft ein Schlaglicht auf das Milieu der Aufständischen.

Rebellen-General Abdel Fattah Junes auf einem Archivbild (Foto: AP)

"Held" oder "Verräter"? Rebellen-General Abdel Fattah Junis

Die Leiche des erschossenen Militärchefs der libyschen Rebellen ist nach Bengasi gebracht worden. Zahlreiche Trauernde hätten den Sarg von General Abdel Fattah Junes auf den zentralen Platz der Rebellenhochburg begleitet, sagte Junes' Neffe Abdel Hakim am Freitag (29.07.2011) der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben seine Leiche gestern hergebracht, er wurde von Kugeln getroffen und hat Verbrennungen erlitten", sagte Hakim, während er dem Sarg seines Onkels folgte. Junes habe noch am Donnerstagmorgen angerufen, um mitzuteilen, dass er auf dem Weg nach Bengasi sei.

"Größter Held der Revolution"

Nach wie vor ist unklar, ob die Mörder zum Umfeld von Machthaber Muammar al-Gaddafi gehören oder gar aus den Reihen der Rebellen stammen. Der frühere libysche Innenminister Junis war am Donnerstag auf dem Weg von der Front nach Bengasi, dem Sitz des Übergangsrates der Aufständischen, zusammen mit zwei anderen hohen Offizieren erschossen worden. Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, bezeichnete Junis als "einen der größten Helden der Revolution".

Rebellen der Anti-Gaddafi-Koalition feuern eine Rakete von einem Lastwagen ab (Foto: AP)

Militärische Erfolge der Aufständischen werden seltener

Der Ermordete war früher ein enger Verbündeter von Gaddafi gewesen und hatte ihm lange Jahre als Innenminister gedient. Als im Februar der Aufstand gegen Gaddafi ausbrach, schloss Junis sich den Rebellen an. Mit seinen intimen Kenntnissen über den inneren Machtzirkel des Diktators stellte er für die Aufständischen einen großen Gewinn dar. Zugleich verstummten aber auch nie die Stimmen, die seine Loyalität wegen der langen Bindung an das totalitäre Regime infrage stellten.

Flügelkämpfe unter den Rebellen

So wirft die mysteriöse Ermordung des Stabschefs ein Schlaglicht auf das Milieu der Milizen und Freischärler. Sie sollten eigentlich an einem Strang ziehen, um den Gaddafi aus seinem Amt und aus dem Land zu jagen. Doch es ist - wie häufig in spontanen Aufstands- und Bürgerkriegssituationen - eine bunt zusammengewürfelte Allianz, die seit mehr als fünf Monaten dem Diktator in Tripolis trotz indirekter Nato-Unterstützung nur schleppend Boden abringt. Junis und andere Militärführer der Bengasi-Armee mussten zu allererst für grundlegende Disziplin und Ordnung sorgen. Aber auch die Militärführung mit ihren undurchsichtigen Verstrickungen und bitteren Rivalitäten war von Anfang an zerstritten.

Rebellen-General Abdel Fattah Junes bei einem Besuch an der Front in Brega (Foto: AP)

Junes war nach seinem Seitenwechsel in ständiger Gefahr

Nun wachsen die Befürchtungen, dass sich die Konflikte zwischen Fraktionen und Stämmen noch verschärfen könnten.

Als Anstifter des Mordes an Junis und seinen zwei Begleitoffizieren kommen viele Kreise in Frage. Gaddafi hatte mehrere Millionen Kopfgeld auf den "Verräter" ausgesetzt. Das spräche für die Version des Übergangsrates in Bengasi, wonach ein Gaddafi-Kommando hinter der Tat stecken würde. Es kann aber auch sein, dass ihn die eigenen Leute als Doppelagenten des Gaddafi-Regimes entlarvten. Oder dass ihn gerade deshalb Gaddafi-Agenten schnell zur Strecke brachten, bevor er "plaudern" konnte. Oder dass die eigenen Leute eine Entlarvung konstruierten, um ihn aus anderen, der Öffentlichkeit unbekannten Gründen zu eliminieren.

Der Westen ist in Sorge

Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Bengasi vor dem Schild des deutschen Verbindungsbüros (Foto: dpa)

Auch Deutschland unterhält in Bengasi ein Verbindungsbüro

Der Übergangsrat schweigt zu allen Spekulationen. Dessen Vorsitzender Dschalil verlas auf der Pressekonferenz am späten Donnerstagabend, als er die Ermordung von Junis bekanntgab, lediglich eine Erklärung, ohne Journalistenfragen zu beantworten. Nach seiner Darstellung war Junis unterwegs zu einem Treffen nach Bengasi, um ein Komitee des Übergangsrates über "militärische Fragen" zu informieren.

Ein Szenario, wonach sich misstrauische Rebellen untereinander bekämpfen, würde die internationale Gemeinschaft vor erhebliche Probleme stellen. Zahlreiche westliche Länder haben den Nationalen Übergangsrat der Aufständischen bereits als einzigen legitimen Vertreter des libyschen Volkes anerkannt.

Autor: Rolf Breuch (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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