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Amerika

Mysteriöse Mordserie in El Salvador

Eine Mordserie im Norden El Salvadors sorgt für Unruhe bei sozialen Bewegungen, katholischer Kirche und Regierungspartei FMLN. Alle Opfer waren engagierte Gegner von Goldminenprojekten - Aufklärung ist nicht in Sicht.

Rauchschwaden über dem Vulkan Santa Ana im Westen El Salvadors, Aufnahme von 2005 (Foto: AP)

"Grüner" Bergbau? Umweltschützer fürchten Verschmutzungen

Im Juni 2009 war der Gemeindeaktivist Marcelo Rivera gefoltert und ermordet worden. Im August letzten Jahres wurde ein weiterer Umweltschützer, Ramiro Rivera Gómez Opfer eines Mordanschlags. Er überlebte schwer verletzt und identifizierte den als gewalttätig bekannten Oscar Menjívar als einen der Angreifer. Menjívar kam in Haft; Ramiro Rivera erhielt Polizeischutz. Dennoch wurde er am 20. Dezember von einem Mordkommando erschossen, genauso wie eine weitere Umweltaktivistin, Dora Sorto sechs Tage später. Alle waren engagierte Vertreter der landesweiten "Koalition gegen den Bergbau".

Minenfirma verprach "grünen Bergbau"

(Foto: ADES)

Zwei Finger bei Angriff verloren - Aktivist José Santos

Angefangen hatte alles mit dem Goldminenprojekt El Dorado in Cabañas. Die kanadische Firma Pacific Rim führte dort seit dem Jahr 2002 Erkundungen durch, verhandelte mit lokalen Bürgermeistern von der rechten ARENA-Partei und erwarb Lizenzen für Probebohrungen. Das Unternehmen warb damit, hunderte Arbeitsplätze in der armen Region zu schaffen und versprach einen "grünen Bergbau".

Doch Umweltschützer fürchteten die Verschmutzung von Wasser und Land und die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. In zahlreichen Veranstaltungen und Protestaktionen machten sie gegen die Minenpläne mobil – sehr zum Ärger des Bürgermeisters und anderer Gemeindemitglieder, die von den Investitionen profitierten. Unter dem öffentlichen Druck machte noch Salvadors alte Regierung unter Antonio Saca einen Rückzieher und entzog Pacific Rim die Schürflizenz. Daraufhin verklagte die Firma den Staat El Salvador auf immerhin 100 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Gemeinde wurde gespalten; Drohungen und Angriffe auf Gegner der Mine folgten.

Familien-Fehde?

"Die Mitarbeiter der Firma begannen die Umweltaktivisten zu erpressen und zu bedrohen", erzählt Antonio Pacheco, Vorsitzender der Nichtregierungs-Organisation ADES. Die Firma Pacific Rim bestreitet jedoch in einem Statement auf ihrer Homepage, in die Morde verwickelt zu sein: "PacRim weiß über die Morde nichts anderes als das, was in der salvadorianischen Mainstream-Presse zu lesen war, nämlich dass diese tragischen Vorfälle offensichtlich mit einer langen Fehde zwischen zwei lokalen Familien zusammen hängt."

Demonstrationszug von Minen-Gegner in der salvadorianischen Provinz Cabañas (Foto: ADES)

Protest gegen Pacific Rim: Die "Koalition gegen den Bergbau"

Menjívar, dessen Eltern 2009 ebenfalls Mordanschlägen zum Opfer gefallen sind, wurde am 16. März vom Landgericht freigesprochen. Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass er tatsächlich im August auf Rivera Gómez geschossen und diesen lebensgefährlich verletzt habe. Denn der Hauptbelastungszeuge war Rivera Gómez selbst gewesen – und der wurde im Dezember beseitigt.

So bleiben die Morde ungeklärt. Immerhin erkannte das Gericht erstmalig eine Verantwortung von Pacific Rim für die Vorfälle an. Auch die Koalition gegen den Bergbau macht Pacific Rim für den Konflikt innerhalb der Gemeinde verantwortlich. Beweisen läßt sich das jedoch nicht - die Auftraggeber der Morde wurden von den Behörden weder gesucht noch gefunden. Und so bleibt auch das Leben der Umweltaktivisten in Cabañas weiterhin in Gefahr.

Autor: Darius Ossami

Redaktion: Sven Töniges