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Aktuell Welt

Myanmar rettet mehr als 200 Bootsflüchtlinge

In der Flüchtlingskrise in Südostasien beugt sich Myanmar dem internationalen Druck: Die Marine des Landes rückte zu einem ersten Rettungseinsatz aus und brachte mehr als 200 Flüchtlinge an Land.

Die Marine Myanmars hat nach Regierungsangaben 219 Bootsflüchtlinge gerettet. Ein Patrouillenschiff habe zwei Schiffe vor der myanmarischen Küste entdeckt, sagte ein Behördenvertreter aus dem westlichen Bundesstaat Rakhine. Eines der Schiffe hatte demnach über 200 Menschen an Bord, das andere war leer. Das Boot mit den Flüchtlingen wurde in den Hafen von Maungdaw gebracht, wo die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt und in einem provisorischen Flüchtlingslager untergebracht wurden. Demnächst sollen sie in ihre Heimat zurückgebracht werden. Es handele sich ausschließlich um Menschen aus Bangladesch, teilte das Informationsministerium mit.

Die Angaben zur Nationalität der geretteten Bootsinsassen sind problematisch. Noch ist unklar, ob die jetzt geretteten Menschen sich selbst als Bangladescher bezeichneten oder die Zuordnung von den myanmarischen Behörden stammt. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass von den aktuell geretteten Menschen etwa 120 der in Myanmar lebenden Volksgruppe der Rohingya angehören. Diese Rohingya seien zunächst aus Myanmar geflüchtet, hätten aber aufgrund der ausweglosen Lage auf hoher See wieder umkehren müssen. Die restlichen Menschen stammten aus Bangladesch, sagte der UNHCR-Sprecher Adrian Edwards in Genf.

Ungeklärtes Herkunftsland

Auch auf allen anderen Flüchtlingsbooten, die in den vergangenen Wochen in Malaysia und Indonesien die Küsten erreichten, waren überwiegend muslimische Rohingya aus Myanmar. Das Land erkennt sie als ethnische Minderheit nicht an und sagt, es handele sich um illegale Migranten aus dem Nachbarland Bangladesch.

#big#Die Vereinten Nationen haben die Rettungsaktion Myanmars begrüßt. Myanmars Entscheidung sei ebenso positiv zu bewerten wie die neue Bereitschaft Indonesiens, Malaysias und Thailands, Bootsflüchtlingen zu helfen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks treiben kurz vor dem Monsun aber immer noch bis zu 2000 Flüchtlinge in Booten auf dem Meer. Der Monsun, der heftigen Regen und schwere Stürme mit sich bringt, führt in Südostasien normalerweise zu sinkenden Flüchtlingszahlen.

Kehrtwende im Flüchtlingsdrama

Nach Angaben von Menschenrechtlern sind allein in den ersten drei Monaten des Jahres fast 30.000 Menschen mit Booten aus Myanmar geflohen. Weil Thailand seit einigen Wochen verstärkt gegen Menschenschmuggler vorgeht, haben viele Schleuser die Flüchtlinge auf den Booten allein gelassen. Die meisten sind völlig überfüllt und die Menschen vegetieren darauf teils seit Wochen unter katastrophalen Zuständen vor sich hin. Die Nachbarländer haben die Flüchtlingsboote lange abgewehrt. Diese Woche kam die Kehrtwende: Malaysia und Indonesien erklärten sich bereit, die Menschen vorübergehend aufzunehmen. Für den 29. Mai ist in Thailand ein internationaler Flüchtlingsgipfel geplant, an dem auch Vertreter des UNHCR teilnehmen werden.

Die USA forderten Myanmar auf, den staatenlosen Rohingya die myanmarische Staatsbürgerschaft zu geben. Ihre "Hoffnungslosigkeit" verleite viele Rohingya zur Flucht, sagte Vize-Außenminister Antony Blinken in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw, wo am Donnerstag auch die Außenminister aus Malaysia und Indonesien Gesprächen über die Flüchtlingskrise geführt hatten. Eine weitere "Wurzel des Problems" sei die "politische und soziale Lage" im Bundesstaat Rakhine, sagte Blinken.

pab/stu (dpa, epd, afp)