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Asien

Myanmar Journalism Institute: "Ohne Journalisten keine Demokratie!"

Myanmars boomender Medienlandschaft fehlen gut ausgebildete Journalisten. Die DW Akademie unterstützt seit 2014 das erste Journalismus-Diplomprogramm des Landes. Nun wurden dessen erste Absolventen entlassen.

Myanmar Abschlussfeier des ersten Jahrgangs der Dilpom-Journalismusstudierenden

Geschafft! Diese neunzehn Absolventen starten vom Myanmar Journalism Institute direkt ins Berufsleben. Ohne Journalisten, meint einer, erfahre man nichts über die Probleme im Land

Eine wurde vermisst im Ballsaal des Park Royal Hotel in Yangon. L Htu Mai fand keine Zeit, ihr Diplom abzuholen. Sie war bereits für ihren neuen Arbeitsgeber auf Reportagereise in Myanmars nördlichem Teilstaat Kachin. Ein "Blitzstart" in die neue Karriere und ein Erfolgsbeweis für die harte Arbeit, die 19 Studierende und ihre Trainer über die zehn Monate des ersten Diplomprogramms für Berufseinsteiger am Myanmar Journalism Institute (MJI) geleistet hatten. Die verbliebenen 18 Neu-Journalisten entließ das Institut am Donnertag, den 21. Juli in einer feierlichen Zeremonie in die Arbeitswelt.

Einer dieser Absolventen, Kyaw Ko Ko, stammt aus Myanmars tiefem Süden. "Dort wo ich herkomme, gibt es viele Geschichten, aber niemanden, der sie erzählt", sagt der 25-Jährige. Gleich nach der Zeugnisübergabe will er darum zurück in seine Heimat fahren, um über Luftverschmutzung durch den lokalen Kohleabbau zu berichten. "Ohne Journalisten erfährt niemand davon", ist Kyaw Ko Ko überzeugt. "Darum gibt es ohne Journalisten auch keine Demokratie".

Blitzstart in den Beruf

Myanmar Abschlussfeier des ersten Jahrgangs der Dilpom-Journalismusstudierenden

Shwe Paw Mya Tin weiß die neuen Freiheiten in ihrem Land zu schätzen

Die 20-jährige Shwe Paw Mya Tin trägt zur Feier des Tages ein festliches Wickelrockkostüm unter der schwarzen Diplom-Toga. "Ich will den Sprachlosen eine Stimme geben", erklärt sie. Myanmars Sexarbeitern zum Beispiel. Seit sie dreizehn ist, will Shwe Fotojournalistin werden. Damals wurde Myanmar noch vom Militär regiert, eine freie Presse war undenkbar.

Heute ist das anders. Kurz nach der demokratischen Öffnung Myanmars wurde 2012 die Zensur aufgehoben, private Tageszeitungen nach über 50 Jahren wieder zugelassen. Es entstand eine lebhafte Presselandschaft, für die jedoch gut ausgebildete Journalisten fehlten. "Das Myanmar Journalism Institute füllt diese Lücke", sagt Soe Myint, Chefredakteur von Mizzima, eines ehemaligen Exil-Mediums, das drei bis vier Absolventen einstellen möchte. Schon früher haben Mitglieder der Redaktion an Trainingsprogrammen der Schule teilgenommen. Soe Myint egangiert sich ehrenamtlich im Direktorium des MJI-Trägervereins - aus Überzeugung: "Viele Journalisten in Myanmar hatten nie die Chance zu lernen, was unabhängige Berichterstattung ist und welchen ethischen Prinzipien sie folgt. In den Diplomprogrammen des MJI können wir das nun umfassend vermitteln."

Myanmar Abschlussfeier des ersten Jahrgangs der Dilpom-Journalismusstudierenden

Stolzer Moment für Familie und Freunde der Absolventen

Auch Patrick Benning, Ländermanager der DW Akademie für Myanmar, freut sich über den Erfolg des Instituts. "MJI bietet das erste Multimedia-Ausbildungsdiplom für Journalisten in Myanmar an", erklärt er. "Damit erfüllt es wichtige Bedürfnisse des Marktes und sorgt für Nachhaltigkeit". Seit 2014 berät und finanziert die DW Akademie das MJI im Bunde mit anderen nationalen und internationalen Geldgebern.

Multimediale Ausbildung

Die Jungjournalisten des MJI stammen aus ganz Myanmar. Sie recherchierten, fotografierten, schrieben Nachrichten und Artikel, drehten und schnitten Videos, führten Radiointerviews und vertonten ihre Berichte. Sie lernten als Journalisten verantwortungsvoll über Konflikte und fair über Wahlen zu berichten. Sie thematisierten Landenteignungen durch das Militär genauso wie den Wandel der Landwirtschaft.

Myanmar Abschlussfeier des ersten Jahrgangs der Dilpom-Journalismusstudierenden

Kyaw Ko Ko möchte über Umweltverschmutzung in seiner Heimat im Süden Myanmars berichten

Auf das Ergebnis der Bemühungen ist einer ganz besonders stolz: Sein Win ist der Trainingsdirektor des MJI. Ein letztes Mal klopft er am Rande der Abschlussfeier allen Absolventen auf die Schulter. Eine Job-Messe, die im Anschluss an die Entlassungszeremonie vorgesehen war, fällt aus. "War gar nicht nötig", sagt er und lacht. Fünf der 19 Absolventen hatten schon bevor sie ihr Zeugnis erhielten einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Der Rest hat zahlreiche Einladungen zu Bewerbungsgesprächen.

Shwe Paw Mya Tin möchte zunächst einmal freiberuflich ihre Fotos verkaufen. Für die Zukunft hofft sie, dass Journalisten in Myanmar bald ein gesetzlich garantiertes Recht auf Informationen haben. "Bisher scheitern viele unserer Recherchen, weil die Behörden nicht mit uns reden. Ich wünsche mir, dass sich das ändert". An diesem Tag aber überwiegt der Stolz auf den Erfolg – auch bei Shwes Mutter, die kaum glauben kann, nun eine "echte Journalistin" in der Familie zu haben. "Unser Land braucht mehr Leute, wie meine Tochter", sagt sie.

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