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Asien

Myanmar: "Ideen für ein neues Mediensystem"

Nach fast 50 Jahren Diktatur hat sich Myanmar auf den Weg der Demokratie begeben. Ein Feld besonders intensiven Wandels ist dabei die Medienlandschaft. In Yangon diskutierten Experten über Chancen und Herausforderungen.

Der Wegfall der Zensur im Sommer 2012 markierte für Journalisten in Myanmar und Experten in aller Welt den Beginn einer neuen Medienzukunft. Doch wie geht diese weiter? Auf einer Konferenz in Yangon diskutierten rund 260 Medienmacher und Politiker sowie Vertreter internationaler Medienentwicklungsorganisationen und der Zivilgesellschaft Myanmars Strategien für ein neues Mediensystem.

Als Teilnehmerin der Konferenz wurde Gerda Meuer, Direktorin der DW Akademie, Zeugin eines tiefgreifenden Bewusstseinswandels: "Medien werden in Myanmar inzwischen als Teil der Gesellschaft betrachtet und wollen im Dienst der Gesellschaft arbeiten. Dafür braucht es neue Konzepte."

So begann die DW Akademie im Mai dieses Jahres ein Beratungsprojekt bei der staatlichen Radio- und Fernsehanstalt MRTV. Das Ziel ist der Umbau des Senders hin zu einer öffentlich-rechtlichen Anstalt. Während Experten der DW Akademie das Management beraten und die Organisationsentwicklung vorantreiben, organisieren die britische BBC Media Action und die dänische Organisation International Media Support (IMS) Trainingsmaßnahmen für die TV- und Hörfunkjournalisten der früheren Staatsprogramme – ein gutes Beispiel für die Koordination der Unterstützung durch die internationalen Organisationen, die in Myanmar beispielhaft funktioniert.

"Der Wunsch nach redaktioneller Unabhängigkeit ist deutlich spürbar - bei Journalisten wie auch im Management", bestätigt Patrick Benning, Projektleiter und Länderkoordinator der DW Akademie in Myanmar. "Wir erleben eine hohe Bereitschaft, Reformen anzupacken – selbst wenn unsere Ideen neu und die Auswirkungen einschneidend sind." Gerda Meuer mahnt dennoch zur Geduld: "Natürlich kann sich nach 50 Jahren Diktatur nicht alles von heute auf morgen ändern." Auch könne es nicht nur darum gehen, westliche Rezepte zu exportieren: "Myanmar muss seinen eigenen Weg finden. Und wir müssen das Land dabei unterstützen."

Gründung einer Journalistenakademie

Erstmals seit Jahrzehnten erscheinen seit dem 1. April 2013 wieder private Tageszeitungen in Myanmar. Die Verlage suchen dringend neue Journalisten – derzeit meist ohne Erfolg. Es fehlt an Nachwuchs und Ausbildungsmöglichkeiten. So treibt die DW Akademie deshalb die Gründung einer nationalen Journalistenakademie voran. Diese könne, erklärt Gerda Meuer, aus dem derzeit danieder liegenden Journalismus-Institut der Universität von Yangon hervorgehen, oder auch völlig neu entstehen: "Noch ist nichts entschieden, aber die Zeit für eine solche Initiative ist einfach reif."

Gerda Meuer, Direktorin der DW Akademie zu Besuche bei der Conference on Media Development in Rangun, Myanmar. Mai 2013. (Foto: Patrick Benning/ DW Akademie).

Gerda Meuer, Direktorin der DW Akademie

Ein anderes Zukunftsfeld für die Medienentwickler der DW Akademie findet sich in einem Gesetzesentwurf für Radio- und Fernsehmedien (Broadcast Law) beschrieben. Hier ist ausdrücklich vorgesehen, Sendelizenzen an lokale Medien – so genannte "Community Radios" - zu vergeben. Eine spannende Perspektive, die den Journalisten im von ethnischen Konflikten geplagten Vielvölkerstaat Myanmar hohes Verantwortungsbewusstsein abverlangt. Die DW Akademie will die demokratische Entwicklung dieses Mediensegment mit ihrer Arbeit fördern.

Alle wichtigen internationalen Geber-Organisationen haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre in Myanmar eingefunden. Kein Wunder: Aufgrund seiner Lage zu China ist das Land für den Westen geopolitisch von großer Bedeutung. "Dazu kommt", so Gerda Meuer, "dass Myanmar einer der seltenen Fälle ist, in dem Demokratie quasi von oben 'verordnet' wurde. Das macht die Sache besonders faszinierend."

Kritiker bezichtigen die Regierung Myanmars immer wieder, bewusst nur solche Reformen zu beschließen, die schnell wieder rückgängig zu machen sind. Solche Vorwürfe hält die Direktorin der DW Akademie allerdings für unbegründet: "Im Augenblick", so betont Gerda Meuer, "sehe ich für einen Rückfall in alte, diktatorische Zeiten keine Anzeichen."

Die DW Akademie ist seit 2006 in Myanmar tätig.

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