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Asien

Myanmar: Alles wird anders

Die Medienlandschaft in Myanmar erlebt ungeahnten Aufwind. Mittendrin: U Myint Kyaw. Der Journalist setzt sich für inhaftierte Kollegen ein, ist Mitglied des neugegründeten Presserats und Medientrainer für den Nachwuchs.

"Ich erinnere mich noch gut: Es war im Oktober 2012 und ein Journalist machte versehentlich ein Foto von einem Polizisten", erzählt U Myint Kyaw. "Eigentlich wollte er nur eine Straßenkreuzung aufnehmen, der Beamte geriet zufällig ins Bild." Doch das reichte schon - der Reporter wurde festgenommen. Aus der Haft rief er das Myanmar Journalistennetzwerk (MJN) an und bat um Hilfe. U Myint Kyaw war damals Generalsekretär des frisch gegründeten Verbandes. Zwei Stunden musste er verhandeln, dann hatte U Myint Kyaw die Polizei davon überzeugt, dass das Foto ein Versehen war. Der Journalist kam frei. "Ihm wollten die Polizisten nicht glauben", erinnert sich der heute 52-Jährige. Aber wir als Verband, wir haben in solchen Situationen mehr Gewicht."

Als U Myint Kyaw und seine Kollegen das Netzwerk gründeten, wurden Journalisten in Myanmar fast täglich festgenommen und willkürlich festgehalten. 60 Jahre lang hatte das Land unter brutaler Militärherrschaft gelitten. Eine harte Zeit - auch für die Medien. Jeder Text wurde zensiert. Allzu kritische Journalisten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 2011 wendete sich dann das Blatt: Die Militär-Herrschaft machte einer - nominell - zivilen Regierung Platz, die einen spektakulären Reformprozess in Gang setzte. Eine Gruppe Journalisten, darunter U Myint Kyaw, nutzte die Gunst der Stunde und gründeten ihr Journalistennetzwerk.

Verdeckter Journalist

Das MJN ist mittlerweile der zweitgrößte Journalistenverband Myanmars. Seine öffentlichen Kampagnen haben ihn im Land bekannt gemacht. Doch das Netzwerk leistet seinen Mitgliedern auch Rechtsbeistand und vertritt ihre Interessen gegenüber den Autoritäten der immer noch mächtigen Staatsgewalt. Wie wichtig dieser Schutz ist, weiß U Myint Kyaw aus eigener Erfahrung. Seit 13 Jahren arbeitet er als Journalist. Und anfangs war es kaum möglich, unabhängig über lokale und politische Ereignisse zu berichten. Fast immer waren nur Regierungsmedien und ausländische Korrespondenten zugelassen.

Seit 13 Jahren arbeitet Myint Kyaw als Journalist (Photo: Patrick Benning)

Seit 13 Jahren arbeitet U Myint Kyaw als Journalist, die ersten Jahre noch unter Zensur. Die wurde 2012 aufgehoben

Damals berichtete U Myint Kyaw auch undercover, schrieb unter einem Pseudonym Artikel für Exilmedien. "Sehr gefährlich das Ganze", erinnert sich Myint Kyaw. "Wir konnten nur 'low-profile' recherchierten. Keine Fotos, keine Umfragen, damit man nicht auffällt." Er sei zwar nie verhaftet worden. Nur einmal war es fast soweit: Es geschah an dem historischen Novembertag 2010. Myanmars Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sollte aus ihrem 15-jährigen Hausarrest entlassen werden. U Myint Kyaw fotografierte ein Polizeiauto, das in der Nähe des Wohnhauses von Aung San Suu Kyi Posten bezogen hatte. "Die Beamten sahen mich. Sie ahnten natürlich sofort, dass ich für ein Oppositionsmedium arbeite. Regierungsreporter hätten niemals ein Polizeiauto fotografiert", erzählt U Myint Kyaw. "Sie kamen zu mir herüber, verlangten meine Personalien. Dann rissen sie mir die Kamera weg und löschten die Bilder."

Zeiten des Aufbruchs, aber...

Myanmar Medienfreiheit Protest von Journalisten

Stiller Protest für inhaftierte Journalisten (Yangon, 2014)

Einschüchterungen, Drohungen, Gefängnis - all das soll nun Geschichte sein. Jüngst wurde U Myint Kyaw für zunächst drei Jahre in den Presserat Myanmars gewählt. Ein neues Mediengesetz verleiht dem neuen, 24-köpfigen Gremium die Vollmacht, in Streitfragen um Medienberichterstattung zu schlichten - möglichst ohne dass Journalisten verhaftet oder verurteilt werden.
Vor vier Jahren hatte Myanmars Regierung, als Ersatz für die verschwundene Zensurbehörde, einen vorläufigen Presserat als Medienregulierer eingesetzt. Seit Anfang 2014 hat die DW Akademie, die Medienentwicklungsorganisation der Deutschen Welle, dessen Transformation in ein ständiges Gremium begleitet und unterstützt.

Es sind kleine Schritte. Alles ist noch sehr neu. "Wir müssen unsere Legitimität erst erarbeiten", sagt U Myint Kyaw. Und dennoch: "Jetzt ist die Zeit, starke Institutionen und stabile rechtliche Rahmenbedingungen für die Freiheit unserer Presse zu schaffen. Und das sehe ich als meine Aufgabe!"

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