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Nahost

My Gran Amigo

Wegen seiner treuen Gefolgschaft zu Bush und seinem Kriegskurs gastierte der spanische Ministerpräsident sogar schon auf dessen Ranch. Zuhause erntet Aznar dagegen Buhrufe für diese Politik.

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Männerfreundschaft: Aznar und Bush

Die Chemie zwischen dem mächtigen Texaner und dem schmächtigen Kastillier stimmte von Anfang an. US-Präsident George Bush hatte im Sommer 2001 persönlich darauf bestanden, seine erste Europa-Reise in Spanien und mit seinem dortigen Amtskollegen José Maria Aznar zu beginnen. Auf einer idyllischen Finca bei Toledo, bei einem guten Glas Rotwein, kamen sich die Politiker schnell näher. Nur mit der Aussprache klappte es bei Bush nicht so richtig. Den Zungenbrecher "Aznar" brachte Bush, der in seinem Wahlkampf den Latinos in den USA versprochen hatte, Spanisch zu büffeln, einfach nicht über die Lippen: So dankte er Herrn "Ansar" für den freundlichen Empfang auf seiner "Ranch".

Spanien als transatlantischer Brückenkopf

Damals war Spaniens Staatschef noch ein No-Name in den USA. Das hat sich geändert. Die Zeitung "New York Times" widmete vor kurzem der Beziehung zwischen den Staatsmänner eine halbe Seite. Und Aznars Außenministerin Ana Palacio, die treu zu ihrem Chef steht, brüstete sich noch kürzlich damit, dass Spanien dank Aznar jetzt in der obersten Liga der internationalen Politik mitspiele. Auch Bush ist voll des Lobes für den schnauzbärtigen Spanier, der von "Ansar" zum "Gran Amigo José María" aufgestiegen ist. Aznar gilt in den USA neben dem britischen Premierminister Tony Blair als einziger Europäer, der Bushs Kriegskurs ohne wenn und aber stützt.

ETA-Bombe in Spanien

Anschlag der ETA in Spanien

Auf seiner Ranch in Crawford feilten der US-Präsident und Aznar Ende Februar am Entwurf einer zweiten Resolution, die zu einem Krieg gegen den Irak ermächtigt. Aznar teilt die Überzeugung Bushs, dass Saddam Husseins Regime die Weltsicherheit bedroht und den internationalen Terrorismus unterstützt. Auch der Spanier hat im eigenen Land mit der Separatistenorganisation ETA ein Terrorismusproblem, gegen das er künftig mit mehr Unterstützung aus Washington kämpfen will. Doch die spanisch-amerikanischen Übereinstimmungen reichen viel weiter.

Unterkühltes Verhältnis zu Deutschland

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 1996 setzt der Spanier auf die Beziehung zur Supermacht und nimmt dabei eine Abkühlung zum so genannten alten Europa, vor allem also zu Deutschland und Frankreich, in Kauf. Walter Haubrich, seit 1969 Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Madrid, glaubt, dass dies Bush gerade recht komme. "Die Amerikanische Regierung, die ja nicht an einer starken Einheit Europas interessiert ist, sieht in dem lauen Europäer Aznar einen besonders guten Kandidaten für eine Freundschaft", sagt Haubrich im Gespräch mit DW-WORLD.

Gerhard Schröder und Jose Maria Aznar

Unterkühltes Verhältnis beim deutsch-spanischen Gipfel

Große Kompensationen habe man Aznar versprochen, so Haubrich. Es könne sein, dass man den Spaniern einen Platz im exklusiven Club der G-8-Staaten - den sieben wichtigsten Industriestaaten plus Russland - versprochen hat. Aznars Kurs scheint klar: Madrid setzt künftig weniger auf Paris und Berlin. Noch ist Spanien größter Nettoempfänger von Strukturhilfen in der Europäischen Union (EU). Das wird in der erweiterten EU nicht mehr so sein. Damit wird aber auch die Abhängigkeit von Deutschland geringer. Die Beziehung zu Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac ist nach dem "Brief der Acht", in dem acht europäische Länder auf Initiative von Aznar ihre Solidarität mit Bush bekundeten, sowieso unterkühlt. Das hat sich auch auf dem letzten deutsch-spanischen Gipfel auf Lanzarote gezeigt.

Kein Kurswechsel trotz Protest

Kalenderblatt 19.11.2002 Prestige gesunken

Verunglückter Ötanker "Prestige"

Eisiger Wind bläst Aznar im eigenen Land entgegen. Die Opposition wirft ihm vor, die Einheit Europas gebrochen zu haben. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung - so viel wie in keinem anderen Land - sind gegen einen Irak-Krieg. Aznars Ansehen ist stark beschädigt, auch wegen des katastrophalen Krisenmanagements der Regierung nach dem Unglück des Öltankers "Prestige". Selbst in den eigenen Reihen rege sich Kritik an Aznars eigenwilligem Regierungsstil - wenn auch noch hinter vorgehaltener Hand, sagt Spanien-Experte Haubrich. Aznars konservative Volkspartei "Partido Popular" liegt erstmals in Umfragen hinter den Sozialisten. Im Mai stehen Regional- und Kommunalwahlen an, und im nächsten Jahr Parlamentswahlen, zu denen Aznar nicht mehr antreten wird.

Die renommierte spanische Zeitung "El País" sieht durch Aznars uneingeschränkte Unterstützung der USA auch die traditionell guten Beziehungen zu Lateinamerika gefährdet, das ein starkes Europa als ausgleichendes Bollwerk zur Supermacht USA befürwortet. Doch der ehemalige Finanzinspektor Aznar bleibt bei seiner starren Haltung: "Ich glaube, Europa braucht die Vereinigten Staaten mehr als viele denken."

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