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Asien

Mutmachen in der japanischen Tsunami-Region

Bundespräsident Christian Wulff hat am zweiten Tag seines Japan-Besuchs die Opfer der Erdbebenkatastrophe besucht. Unser Korrespondent Volker Witting war dabei.

Wulff (Foto: Axel Schmidt/dapd)

In der Universität in Tsukuba bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde

Von der kleinen Küstenstadt Toyama direkt am Pazifik ist nicht viel übrig geblieben. Bundespräsident Christian Wulff läuft auf einer frisch betonierten Straße entlang - rechts und links sind nur noch Fundamente von dem geblieben, was einst ein beliebter Ferien- und Fischerort war. In der Ferne sind Häuserskelette zu sehen. In der kleinen Bucht von Toyoma sind am Tag des Tsunami am 11. März 2011 bis zu 90 Menschen ums Leben gekommen - einige werden noch immer vermisst. Der Bundespräsident ist betroffen, so schlimm hatte er sich das Ausmaß der Naturkatastrophe nicht vorgestellt. "Hier ist ein beliebter Surf-Ort dem Erdboden gleich gemacht worden", sagte er am Dienstag (25.10.2011). "Es ist viel schlimmer, als ich mir das von Fotos vorgestellt hatte."

Am Straßenrand stehen einige Japaner, die ihren Ort nicht aufgeben wollen, die zurückgekommen sind. Sie winken dem Bundespräsidenten zu und wundern sich darüber, dass der oberste Repräsentant Deutschlands sie besucht.

Etwas erhöht stehen die ersten wieder aufgebauten Wohnhäuser. Das beeindruckt den Bundespräsidenten, der eine anstrengende Reise in Kauf genommen hat, um mit eigenen Augen zu sehen, mit wie viel Entschlossenheit die Japaner hier zupacken. "Ich habe großen Respekt vor dem Wiederaufbau, den ich hier schon sehe", sagt Wulff.


Takahiro Shinyo, Christian Wulff (Foto: Axel Schmidt/dapd)

Christian Wulff (r.) besichtigt mit dem japanischen Botschafter in Deutschland, Takahiro Shinyo, die Tsunami-Schäden in der Präfektur Fukushima


0,07 Mikrosievert pro Stunde

Doch rund eine halbe Million Menschen müssen sieben Monate nach der Katastrophe noch immer in Behelfswohnungen leben - zum Beispiel in Iwaki, rund 50 Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor in Fukushima. Auch dorthin reist der Bundespräsident.

"Iwaki New Town" ist eine Containersiedlung in hellgrau. Gleich auf dem zentralen Platz steht unübersehbar eine solarbetriebene Digitalanzeige - sie zeigt 0,07 Mikrosievert pro Stunde an. Die radioaktive Belastung ist also vollkommen unbedenklich. Für die rund 300 Menschen, die aus den Städten Hirono und Nahara die noch näher am Reaktor liegen, ist das beruhigend.

Das Schlimmste an der Radioaktivität, sagt Rentner Hanabusa Shigehiro, sei, dass man sie nicht riechen, schmecken oder sehen kann. Dennoch, einen Ausstieg aus der Kernkraft wie in Deutschland, das könne er sich für Japan nicht vorstellen. Der pensionierte Berufssoldat kann nicht in sein Haus zurück. Es liegt in der Region, die radioaktiv verseucht ist und dekontaminiert werden soll. Für seine Frau Michiko und ihn ist die Ungewissheit unerträglich. Zwar leben sie relativ luxuriös auf rund 25 Quadratmetern, mit neuem TV und Klima-Anlage. Doch natürlich wollen sie zurück in ihr Haus, in ihre Heimat.

Zwei Jahre können die 71- und 69-Jährigen noch in der Notunterkunft bleiben. Als das Gespräch eigentlich beendet ist, sagt Hanabusa-San noch unter Tränen: "Als Japaner möchte ich Ihnen allen danken, dass sie uns so sehr unterstützen und dass der Bundespräsident und sie uns hier besucht haben."

"Aus Steinen, die im Weg liegen, kann man Großes bauen"

Bundespräsident Wulff lobt den Gemeinsinn der Japaner, den engen Zusammenhalt, den Willen, nicht aufzugeben. Am Ende überreicht er dem kleinen Keita, der neun Jahre alt ist, noch ein Buch, mitgebracht aus Deutschland. Es ist ein Märchenkochbuch, eine deutsch-japanische Ausgabe. Und er gibt ihm noch eine alte Weisheit mit auf den Weg: "Aus Steinen, die im Weg liegen, kann man Großes bauen."

Autor: Volker Witting
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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