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Fokus Osteuropa

Mutmaßungen nach Sprengstoffanschlägen im Osten Kroatiens

Vergangenes Wochenende erschütterten drei Sprengstoff-Anschläge Kroatiens Nordosten. Ziel der Anschläge waren Rathäuser und das Parteibüro einer Serben-Partei. Die Täter sind unbekannt, die Mutmaßungen indes vielfältig.

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Wer verübte den Anschlag auf Sanaders Koalitionspartner SDSS?

In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai gab es zunächst eine Explosion vor den Eingangstüren des Rathauses von Borovo Selo, danach explodierte eine Bombe vor den Türen des Rathauses in Trpinja. Bereits in der Vornacht war eine Wohnung zerstört worden, die nur durch eine Wand vom Sitz der Partei der Donau-Serben getrennt war. In allen drei Fällen gab es großen materiellen Schaden, glücklicherweise wurde aber niemand verletzt. Die Polizei, die eine umfassende Untersuchung begonnen hat, kann bisher weder bestätigen noch dementieren, dass die drei Fälle zusammenhängen.

"Anschlag auf die Grundfesten der Demokratie"

Der Vorsitzende der Unabhängigen Demokratischen Serbischen Partei, SDSS, Vojslav Stanimirovic, meint, es handele sich nicht nur um ethnisch motivierte Gewalt, sondern auch um einen Angriff auf die Politik von Ministerpräsident Ivo Sanader. Der Zupan, also der Leiter der Gespanschaft, Nikola Safer, befürchtet, dass diese Explosionen alle Anstrengungen um eine Normalisierung des Lebens in diesem Teil Kroatiens zerstören könnten. "Glücklicherweise handelt es sich nur um materiellen Schaden, aber dies sind leider sehr schlechte Botschaften". Dies sei ein Schlag gegen die Grundlagen der Demokratie, die Grundlagen der lokalen Verwaltung, ohne Rücksicht darauf, wer an der Macht sei und wessen Gebäude es sei. "Aber das ist unseres, das sind unsere Gemeinden, die die kroatische Regierung anerkennen und hochhalten und es ist schwer, den Leuten jetzt zu sagen: seid ruhig, seid besonnen, Leute, jetzt bitte keine radikalen Maßnahmen. Ich rufe daher jetzt alle Menschen guten Willens auf, alle Menschen, die auf dem Gebiet unserer Gemeinde leben, dass sie an unsere Regierung glauben, unserer Polizei glauben und auch mir als Zupan und meinen lokalen Vertretern glauben, dass wir die Täter finden und uns auf der anderen Seite weiterhin für Toleranz einsetzen werden, für das Zusammenleben, denn nur das bleibt uns", so Safer.

Lokalwahlen als Motiv für die Attentate?

Die Vertreter der serbischen Gemeinschaft in Kroatien, die geglaubt hatten, dass es nach den kürzlich erfolgten Lokalwahlen zu einer größeren Integration der Serben in die kroatische Gesellschaft kommen werde, betonen, dass die Explosionen erfolgten, nachdem die SDSS bei den Wahlen gute Ergebnisse erzielt hatte, aber auch nach der Behauptung, dass für diese Wahlen ungefähr 10.000 Menschen organisiert aus Serbien-Montenegro nach Kroatien gebracht worden seien. Dies und der Mord an Dusan Vidic, einem 84jährigen Serben aus Karin verbinde sich, so die Aussage, mit Versuchen, die Integration der Serben in Kroatien zu verhindern.

Die Regierung in Zagreb hat die Bombenattacken scharf verurteilt und sie als sinnlose Aktionen bewertet, die sich gegen die Sicherheit aller Bürger wenden. Während man inoffiziell behauptet, dass alle diese Ereignisse die Taten ein und derselben Gruppe von Leuten seien, sind die politischen Vertreter der Serben nach eigenen Worten besorgt über die Leichtfertigkeit, mit der sich die kroatische Politik gegenüber diesen Vorgängen verhalte.

Während die Polizei nun ermittelt, sagen Serben aus Trpinje und Borovo Selo unter vorgehaltener Hand, dass die Bombenattentate von kroatischen "Vaterlandsverteidigern" begangen worden seien, die vergangenes Wochenende den Wahlsieg der HDZ feierten oder sogar von extremen Befürwortern der 'reinen kroatischen Option', nach denen es für die serbische Minderheit bei der Regierungsbildung keinen Platz gibt in einem vom Krieg betroffen gewesenen Gebiet.

Auswirkungen auf die Landespolitik nicht ausgeschlossen

SDSS-Vizepräsident und Parlamentsabgeordneter Milorad Pupovac hält Äußerungen von HDZ- und SDP-Vertretern für beunruhigend, in denen die (nationalistisch gefärbte) HSP als koalitionsfähig bezeichnet wurde. Denn diese Partei, so Pupovac, rede offen über eine Segregation der serbischen Gemeinschaft. Während von der HSP solche Vorwürfe zurückgewiesen werden, fragt sich Pupovac, ob es den kroatischen Serben gegenüber zwei Arten von Politik gebe: "Ich hätte gern, dass in Kroatien jemand offen sagt - mein Herr, Ihr seid gut für Europa, Ihr serbischen Vertreter aber nicht gut für Kroatien."

Die HDZ bezeichnete Pupvacs These als verdreht und erinnerte daran, dass die Parteispitze den lokalen Gremien nicht vorschreiben wolle, mit wem sie koalierten. Die HSP übermittelte Pupovac und der SDSS die Botschaft, sie werde bis zum letzten Buchstaben das Verfassungsgesetz über die Minderheiten durchführen und eine Vertretung der Serben in der Regierung sicherstellen, was aber nicht bedeute, das dies alles Vertreter der SDSS sein müssten.

Die SDSS ist bisher Koalitionspartner in der Regierung Ivo Sanader, aber Pupovac kündigte eine Überprüfung dieser Beziehungen an, vor allem für den Fall, dass bei der Bildung der Lokalregierungen die Vertreter der serbischen Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollten.

Gordana Simonovic, Zagreb
DW-RADIO/Kroatisch, 24.5.2005, Fokus Ost-Südost

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