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Fokus Südosteuropa

Mutmaßlicher Top-Terrorist hielt sich in Bulgarien auf

Nach Osama bin Laden galt al-Zawahiri als Nummer Zwei der Al Kaida. Medien hatten berichtet, dass er 1995 zwei Mal Bulgarien besucht haben soll. Das haben jetzt Vertreter der Sicherheitskräfte bestätigt.

Aufnahme des Ägypters Egyptian Ayman al-Zawahiri (Foto: Al Jazeera)

Ayman al-Zawahiri als bin Ladens Nachfolger gehandelt

Nach Osama bin Laden galt al-Zawahiri als Nummer Zwei der Al Kaida. Medien hatten berichtet, dass er 1995 zwei Mal Bulgarien besucht haben soll. Das haben jetzt Vertreter der Sicherheitskräfte bestätigt.

Spekulativ und übertrieben nennt Vladimir Manolov die Medienberichte über al-Zawahiris angebliche Aktivitäten in Bulgarien. Manolov ist der ehemalige Direktor des bulgarischen Inlandsgeheimdienstes NSS in dem Balkanland und verantwortete 1995 den Fall. Manolov sagt, der aus Ägypten stammende Terrorist habe von Bulgarien aus keine Netzwerke in Bosnien aufgebaut. Zu bin Ladens Lebzeiten galt Ayman al-Zawahiri als Nummer Zwei der Al Kaida. Jetzt wird vermutet, er könnte an die Spitze des Terrornetzwerks nachrücken. Manolov bestreitet, dass al-Zawahiri in Bulgarien Elitekämpfer für den Bürgerkrieg im nahen Bosnien und Herzegowina in den 1990ern ausbilden ließ, wie etwa im Buch Allah's warriors von Milovan Drecun behauptet. Fakt sei indes, dass al-Zawahiri nach Bulgarien unter falschem Namen gekommen sei, um befreundete Muslime aufzusuchen.

"Nichts Verdächtiges, nur Moscheebesuche und so…"

Sadat spricht in der im israelischen Knesset 1977 (Foto: AP)

Ein Opfer al-Zawahiris: Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat

Manolov bestreitet den Vorwurf, die bulgarischen Behörden hätten den Ägypter beschützt. Stattdessen habe man einen Agenten in seiner Umgebung platziert, der beispielsweise 20 Tage über den Urlaubsaufenthalt von al-Zawahiri in einer bulgarischen Kleinstadt berichtet habe: "Nichts Verdächtiges, nur Moscheebesuche und so", erinnert sich Manolov. Ein zweiter Agent habe den Ägypter während seiner Reise nach Westeuropa verfolgt, dann aber seine Spur verloren, so der Geheimdienstler. Parallel dazu habe Ägypten die Auslieferung von al-Zawahiri beantragt - wegen des Mordes an Anwar al-Sadat 1981 und des versuchten Mordes an Hosni Mubarak 1995. Da aber zu diesem Zeitpunkt zwischen Bulgarien und Ägypten kein Auslieferungsabkommen bestanden habe, wurde das Ersuchen vom damaligen bulgarischen Innenminister Ljubomir Natchev abgelehnt. Manolov schildert, wie man damals gearbeitet habe: "Wir hatten das Prinzip des sogenannten 'Gentleman agreement'. Das heißt: möglichst wenig auf Papier, keine Dokumentspuren. Alles wurde professionell, aber sehr leise erledigt."

Keine Festnahme bei Zwischenstopp

Zwei Paar alter Handschellen (Foto: AP)

Bulgaren verweigerten die Festnahme al-Zawahiris

Der damalige Staatssekretär im bulgarischen Innenministerium Georgi Lambov führt aus, dass al-Zawahiri 1995 Bulgarien ein zweites Mal besucht habe. Es habe sich um einen Zwischenstopp in Sofia auf seiner Flugreise aus Wien in die Türkei gehandelt. Zu diesem Zeitpunkt hatten europäische Behörden die Festnahme al Zawahiris beantragt, die bulgarischen Behörden verweigerten sich aber. Lambov meint, eigentlich hätten bereits die Österreicher die Festnahme noch in Wien vollziehen müssen und fügt hinzu: "Die Erfahrungen aus einigen Nachbarländern zeigten damals, dass nach der Festnahme solcher Terroristen dann eine Serie von Attentate folgte. Und wir waren nicht vorbereitet, uns davor zu schützen."

Autoren: Bogdana Lazarova/ Mariya Ilcheva

Redaktion: Mirjana Dikic

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