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Aktuell Afrika

Mutmaßlicher Drahtzieher des Ruanda-Völkermords festgenommen

Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für den Tod fast 800.000 Menschen: Ladislas Ntaganzwa. Mehr als 20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda wurde er nun nach UN-Angaben im Kongo gefasst.

Fotos der Opfer des Genozids von Ruanda in der Gedenkstätte in Kigali (Foto: ap)

Völkermord an 800.000 Menschen - Fotos von Opfern in der Gedenkstätte in Ruandas Hauptstadt Kigali

Nach jahrzehntelanger Suche hat die Polizei einen der meistgesuchten Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Völkermord in Ruanda von 1994 festgesetzt. Ladislas Ntaganzwa wird bezichtigt, Massaker mit Tausenden Opfern und Massenvergewaltigungen organisiert zu haben. Ihm werde außerdem vorgeworfen, Waffen an Hutu-Milizen verteilt zu haben, die damals Hunderttausende Angehörige der Volksgruppe der Tutsi verfolgten und ermordeten, sagte Ruandas Generalstaatsanwalt Richard Muhumuza.

21 Jahre lang von Interpol gesucht

Der heute 53-jährige Ntaganzwa war zum Zeitpunkt des Genozids 1994 Bürgermeister der Gemeinde Nyakizu im Süden Ruandas und soll sein Amt dazu genutzt haben, zur Vernichtung der Tutsi aufzurufen.

Er gehört zu einer Gruppe von neun Hauptverdächtigen, die für den Genozid in Ruanda verantwortlich sein sollen, und wurde 21 Jahre lang von Interpol gesucht. Er wird nun in der ostkongolesischen Stadt Goma festgehalten und soll in seine Heimat ausgeliefert werden. Dort soll ihm von einem Sondergericht der Prozess gemacht werden.

Kopfgeld auf Ntaganzwa ausgesetzt

Ehemalige Kampfgefährten hätten Ntaganzwa am 3. Dezember in Kiyeye nördlich der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma festgenommen und der kongolesischen Polizei übergeben, berichtete das von den UN unterstützte Radio Okapi im Kongo.

Auf dem Bildschirm eines Computers sieht man das US-Fahndungsfoto zu Ladislas Ntaganzwa und anderen (Foto: AFP)

Ladislas Ntaganzwa auf dem Fahndungsfoto der US-Justiz

Die USA hatten auf Ntaganzwas Festnahme eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Laut US-Justiz soll Ntaganzwa außerdem dabei geholfen haben, die Hutu-Miliz Interahamwe "aufzubauen, zu trainieren, zu bewaffnen und zu lenken".

Fast 800.000 Opfer in 100 Tagen

Die regierungsnahen Milizen hatten von April bis Juli 1994 Jagd auf Tutsis und gemäßigte Hutus gemacht und diese mit Macheten, Äxten, Speeren und Knüppeln niedergemetzelt. In nur 100 Tagen wurden etwa 800.000 Menschen getötet. Der Völkermord gilt als eines der schwersten Verbrechen des 20. Jahrhunderts

Die ruandische Regierung will nun weiter mit anderen ostafrikanischen und europäischen Staaten zusammenarbeiten, um auch die letzten acht Flüchtigen zu fassen, die bei dem Genozid eine entscheidende Rolle gespielt haben sollen.

cw/uh (dpa, epd, afp)