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Aktuell Welt

Mutmaßlicher Boston-Attentäter ist ansprechbar

Der festgenommene mutmaßliche Attentäter von Boston ist nach Medienberichten bei Bewusstsein und reagiert auf Fragen der Ermittler. Hinweise auf einen möglichen islamistischen Hintergrund des Anschlags verdichten sich.

Der schwerverletzt auf der Intensvistation eines Bostoner Krankenhauses (Artikelbild) liegende Dschochar Zarnajew reagiere sporadisch, berichtete der US-Fernsehsender ABC über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Fahnder verhören ihn demnach unter Medikamenteneinsatz zu möglichen Komplizen und noch nicht explodierten Sprengsätzen. Dem Sender NBC zufolge antwortet der Verdächtige schriftlich auf Fragen der Ermittler.Offiziell bestätigt wurden diese Berichte bislang nicht. Zuvor hatte es geheißen, der 19- Jährige schwebe noch in Lebensgefahr, werde künstlich beatmet und erhalte Schmerzmittel.

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Boston: Zarnajew wird verhört

Wegen einer großen Schusswunde am Hals kann Zarnajew nicht sprechen. Die US-Ermittler vermuten, dass der gebürtige Tschetschene sich auf der Flucht vor der Polizei durch einen Schuss in den Mund selbst töten wollte. Am Freitagabend hatte ihn die Polizei nach einer 24-stündigen Verfolgungsjagd gefasst. Sein 26 Jahre alter Bruder und mutmaßlicher Komplize Tamerlan Zarnajew war in der Nacht zum Freitag nach einem Schusswechsel mit der Polizei gestorben. Die Brüder sind dringend verdächtig, am Montag (05.04.2013) mit zwei Bomben einen Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt zu haben. Dabei wurden drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen sie einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verletzt haben.

Die Bomben explodierten im Zieleinlauf des Marathons (Foto: AP)

Die Bomben explodierten im Zieleinlauf des Marathons

Hinweise auf mögliche weitere Beteiligte an den Anschlägen gibt es nach Angaben aus Ermittlerkreisen nicht. Der Bostoner Polizeichef Ed Davis erklärte in einem Fernsehinterview, die tatverdächtigen Brüder hätten womöglich noch weitere Attentate geplant. Die Beamten hätten im Rahmen der Fahndung ein ganzes Arsenal hausgemachter Bomben und Materialien sichergestellt. "Wir haben auf Basis der gefundenen Beweise allen Grund zu der Annahme (...), dass sie noch weitere Menschen attackiert hätten", erklärte Davis.

Strafmaß noch unklar

Zarnajew, könnte nach Aussagen der Ermittler noch an diesem Montag von einem Bundesrichter angeklagt werden. Da er sich in einem derart kritischen Zustand befinde, werde der Richter oder ein Vertreter ihn an seinem Krankenbett über die Anklagepunkte informieren. Die Anklageverlesung werde dann später erfolgen.

Der Verdächtige muss mit der Todesstrafe rechnen. Massachusetts hat sie zwar abgeschafft, die USA als Staat aber nicht. Der TV-Sender CNN zitierte einen Beamten aus dem Justizministerium mit den Worten, Zarnajew müsse sich wohl nach Bundesrecht wegen Terrorismus verantworten und nach Landesrecht wegen Mordes. Streitpunkt war auch, ob Zarnajew bei seiner ersten Anhörung ein Recht zu schweigen oder auf einen Anwalt hatte. Das Justizministerium hatte vorläufig entschieden, ihn ohne diese sogenannten "Miranda-Rechte" zu vernehmen. Eine Ausnahmeregelung macht dies möglich, wenn unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht und der Festgenommene als "feindlicher Kämpfer" identifiziert ist.

FBI in der Kritik

Unterdessen wächst die Kritik am FBI, es habe Indizien für eine Hinwendung Tamerlan Zarnajews zum radikalen Islam nicht ernst genug genommen. Im Jahre 2011 hatte eine ausländische Regierung - wie jetzt bekannt wurde: die russische - darum gebeten, den jungen Mann wegen mutmaßlicher radikalislamischer Ansichten zu überprüfen. Bei der Befragung von Tamerlan Zarnajew hätten die Ermittler aber keinen Verdacht geschöpft.

Die Bundespolizei nahm ihre Untersuchungen allerdings nicht wieder auf, als der ältere Bruder im Sommer 2012 von einer sechsmonatigen Reise in die russischen Kaukasus-Republiken Dagestan und Tschetschenien, in denen islamistische Rebellen gegen die Moskau-treuen Regierungen kämpfen, in die USA zurückkehrte, wie Mitarbeiter einräumten.

Nach Recherchen des Reporternetzwerks "Pro Publica" und der Zeitung "New York Times" hatte sich Zarnajew nach seiner Rückkehr sichtbar radikalisiert. Auf der Internetplattform Youtube stellte er demnach islamistische Videos ein. Er habe sich auch Seiten angesehen, auf denen sich Anleitungen zum Bombenbau finden. Die Brüder Zarnajew sind tschetschenischer Herkunft, lebten aber mit ihrer Familie bereits seit 2002 in den USA. Beide Söhne sind laut FBI in Kirgistan geboren. Dschochar sei in den USA eingebürgert, Tamerlan habe eine ständige Aufenthaltserlaubnis gehabt.

wl/as/kis (dpa, afp, rtr)

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