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Fokus Osteuropa

Mutmaßliche Kriegsverbrecher in Serbien festgenommen

Die serbische Polizei hat am 29. Mai sieben Personen festgenommen, die im Oktober 1991 in einem kroatischen Dorf Kriegsverbrechen begangen haben sollen. Bei den Ermittlungen half auch die kroatische Justiz.

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Justitia waltet nach mehr als 15 Jahren

Bei den Festgenommenen soll es sich um ehemalige Freiwillige und Angehörige paramilitärischer Einheiten handeln. Sie stehen unter Verdacht, 1991 mindestens 20 Menschen getötet und zahlreiche Zivilisten misshandelt zu haben. Am Tag nach der Festnahme erklärte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, im Gespräch mit DW-RADIO, es seien bislang über 50 Personen vernommen und viel Beweismaterial zusammengetragen worden. Die Staatsanwaltschaft habe am 30. Mai beim Ermittlungsrichter des Kriegsverbrecher-Tribunals Ermittlungen gegen zwölf Personen beantragt. "Sie stehen unter begründetem Verdacht, zwischen Oktober und November 1991 Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung im Ort Lovas in Kroatien begangen zu haben", so Vekaric. "Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, alle Personen in Untersuchungshaft zu nehmen und die Ermittlungen fortzusetzen."

Anklage schon 2003 erhoben

Im Fall Lovas wurden die Ermittlungen bereits 2005 aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen Serbiens teilte damals mit, sie arbeite mit der kroatischen Staatsanwaltschaft zusammen. In Kroatien läuft vor der Kriegsverbrecher-Strafkammer in Vukovar das 2003 eingeleitete Strafverfahren gegen Ljubljan Devetak und 17 weitere Personen, die wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung im Herbst 1991 in Lovas angeklagt sind.

Der Anklage zufolge sollen Angehörige des Corps der Jugoslawischen Volksarmee von Novi Sad, der Bürgerwehr und der paramilitärischen Gruppierung Dusan Silni am 10.10.1991 einen Artillerieangriff auf das Dorf gestartet und 30 Einwohner getötet haben. Als sie das Dorf besetzten, hätten sie an der nicht-serbischen Bevölkerung unmenschliche Handlungen begangen: Zwangsarbeit, Folter und Vergewaltigung. "Am 18. Oktober 1991 wurden etwa 30 Einwohner von Lovas in ein Minenfeld getrieben", berichtet der kroatische Journalist Drago Hedl im Gespräch mit DW-RADIO. "Dabei sind 22 Menschen getötet worden, sei es direkt oder dass sie ihren Verletzungen erlagen, auf Minen traten oder von hinten erschossen wurden." Hedl hat die Kriegsverbrechen in Slawonien untersucht.

Fall bereits in Den Haag verhandelt

Mit dem Fall Lovas befasste sich erstmals das UN-Kriegsverbrechertribunal ICTY bei der Verhandlung gegen Slobodan Milosevic. Damals wurde Aleksandar Vasiljevic, ehemaliger Leiter des militärischen Sicherheitsdienstes der Jugoslawischen Volksarmee, als Zeuge gehört. Er sagte aus, dass die Einheit von Mirko Jovic, dem Vorsitzenden der ultranationalistischen Partei der Serbischen Nationalen Erneuerung (genannt Dusan Silni) das Verbrechen in Lovas begangen habe. Hinter dieser Einheit soll aber auch der jetzt verhaftete Ljuban Devetak gestanden haben. In einem Dokumentarfilm des Belgrader Fernsehens B92 über Kriegsverbrechen in Slawonien bestritt Devetak, an diesem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Kooperation ist der wichtigste Erfolg

Drago Hedl zufolge sind die jetzigen Festnahmen in mehrfacher Hinsicht bedeutend. In Kroatien würden sie deshalb begrüßt, weil sich bislang noch niemand für die Kriegsverbrechen in Lovas zu verantworten hatte. Außerdem zeugten die Festnahmen von der Zusammenarbeit der serbischen Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen und der guten kroatischen Generalstaatsanwaltschaft. Das Wichtigste dabei sei, dass einige Fälle ohne diese Zusammenarbeit niemals hätten entwirrt werden können. "Jetzt ist die Zeit gekommen, dass sich die Personen, die in Kriegsverbrechen verwickelt waren, auch dafür verantworten müssen", sagt Hedl. "Unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze sie leben."

Zelimir Bojovic, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 30.5.2007, Fokus Ost-Südost

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