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Amerika

Mutmaßliche Folter bei VW Brasilien

Die nationale Wahrheitskommission zur Militärdiktatur in Brasilien dokumentiert die Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit dem Regime. Bei VW do Brasil sei sogar gefoltert worden.

Mindestens einmal sei ein mutmaßlicher Gegner der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) im Volkswagenwerk von São Bernardo do Campo gefoltert worden. In ihrem

nun erschienenen Abschlussbericht

zitiert die

nationale Wahrheitskommission zur Militärdiktatur in Brasilien

den damaligen VW-Mitarbeiter Lúcio Bellentani: "Ich war bei der Arbeit, als zwei Personen mit Maschinengewehren auf mich zu kamen. Sie hielten mir die Waffen in den Rücken und legten mir sofort Handschellen an. Sobald ich in der Sicherheitszentrale von Volkswagen angekommen war, begann die Folter. Ich wurde geschlagen, bekam Faustschläge und Ohrfeigen."

Deutsche Unternehmen kooperierten mit Militärs

Der Fall in dem VW-Werk nahe São Paulo habe sich im Rahmen einer Aktion im Jahr 1972 ereignet, bei der laut Wahrheitskommission insgesamt mehr als 20 Metallarbeiter verhaftet wurden. Die meisten von ihnen arbeiteten bei Volkswagen, andere bei Daimler-Benz und weiteren Industrieunternehmen.

Dem Bericht zufolge spielten Unternehmen eine aktive Rolle im Repressionsapparat des Militärregimes. Auch deutsche Großkonzerne wie Volkswagen, Daimler-Benz und Siemens hätten zum Beispiel die "Operação Bandeirante" (OBAN), eine Militäreinheit zur Bekämpfung Oppositioneller, finanziell unterstützt.

Brasiliens Staatspräsidentin in einer Reihe mit ehemaligen Politikern vor der Wahrheitskommission (Foto: picture-alliance/dpa)

2012 sagte Präsidentin Dilma Rousseff, selbst Opfer der Militärdiktatur, vor der Wahrheitskommission aus

Diverse nationale und internationale Unternehmen hätten ihre Mitarbeiter überwacht, Informationen über sie weitergegeben und sogar Personen an die "Behörde für soziale und politische Sicherheit" DOPS ausgeliefert.

Weitreichende Vorwürfe gegen VW do Brasil

Über die langjährige Kooperation von Volkswagen do Brasil mit dem Militärregime existieren laut Wahrheitskommission Berge von Dokumenten. Noch 1980 warnte ein gewisser Luis Inácio da Silva, damals Gewerkschafter, von 2003 bis 2010 Brasiliens Staatspräsident, die VW-Mitarbeiter vor der Bespitzelung durch den Leiter der Sicherheitsabteilung von VW do Brasil.

Für Nina Schneider, Lateinamerika-Historikerin an der Universität Konstanz, stellt sich die Frage, in welchem Maße der deutsche Mutterkonzern von den Vorgängen in Brasilien wusste: "Diese Frage muss geklärt werden und Volkswagen muss dazu Stellung beziehen."

Aufarbeitung angekündigt, Entschädigung nicht

Genau das werde geschehen, hieß es auf Anfrage der DW in der Wolfsburger Konzernzentrale: "Volkswagen geht allen Hinweisen auf eine mögliche Beteiligung von Mitarbeitern der Volkswagen do Brasil an Menschenrechtsverletzungen während der Zeit der Militärdiktatur nach."

Manfred Grieger, Unternehmenssprecher für "Historische Kommunikation", betonte in seiner Antwort, Volkswagen habe, etwa bezüglich des Dritten Reiches, "seine Unternehmensgeschichte anerkannt vorbildlich aufgearbeitet" und unternehme weiterhin "entsprechende Forschungsrecherchen, um die Vorgänge vorbehaltlos und restlos aufzuklären".

Der Historikerin Schneider geht das nicht weit genug. Volkswagen müsse die Opfer oder deren Angehörige entschädigen. Das fordern auch in Brasilien regionale Kommissionen zur Aufarbeitung der Militärdiktatur. Dazu, so Schneider, müsse allerdings genau geklärt werden, ob und welche Verstöße gegen die Menschenrechte VW überhaupt zu verantworten habe.

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