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Asien

Mutige Kämpferin für die Menschenrechte

Die afghanische Parlamentarierin Malalai Joya kämpft für Menschenrechte und für Verbesserungen für Frauen. Dafür ist sie mit dem internationalen Antidiskriminierungspreis ausgezeichnet worden.

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Die afghanische Parlamentarierin Malalai Joya

"Ich klage an! Ich klage Euch an! Warum lasst Ihr zu, dass bei dieser Versammlung Kriminelle dabei sind? Kriegsherren, die für die Situation in unserem Land verantwortlich sind. Sie haben Afghanistan zum Zentrum der nationalen und internationalen Konflikte gemacht. Sie tragen bis heute dazu bei, dass Frauen misshandelt und ihrer Rechte beraubt werden. Und sie sind es, die unser Land zu Grunde gerichtet haben. Sie müssen vor einem Kriegsgericht zur Verantwortung gezogen werden."

Mit dieser Rede wurde Malalai Joya 2003 berühmt. Sie hielt die Rede damals in der Loya Jirga, der verfassunggebenden Versammlung in Afghanistan. Seitdem schafft sie es, bei jedem Auftritt die archaische Männergesellschaft Afghanistans in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei jeder Gelegenheit verurteilt die 32jährige Joya die sogenannten Gotteskrieger, die Warlords und Drogenschmuggler. Sie wirft ihnen vor, nach dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan einen Kampf um die Macht entfacht und das Land damit in Schutt und Asche gelegt zu haben.

Vom Flüchtlingskind zur Abgeordneten

Abrüstung in Afghanistan

Freiheitskämpfer oder Kriegsgewinnler? Bewaffnete Afghanen in der Nähe von Kabul

Malalai Joya gehört zu den wenigen Menschen in Afghanistan, die öffentlich kritisieren, dass dieselben Männer heute zur Regierung des demokratisch gewählten Präsidenten Karzai zählen. Sie unterscheidet zwei Gruppen von Mujaheddin: Die, die sich im Kampf gegen die sowjetische Invasion einen Namen gemacht haben und Afghanistan befreiten. Und auf der anderen Seite diejenigen, die sich zwar als "Freiheitskämpfer" bezeichneten, dabei aber nur Folter, Qual und Trauer verbreitet hätten. Während des Krieges war Joyas Familie ständig auf der Flucht. Malalai wuchs im Iran auf und lebte einige Jahre in einem Flüchtlingslager in Pakistan. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, entschloss sich die junge Frau, nach Afghanistan zurückzukehren und sich dort für Frauen und Kinder zu engagieren. Das war 1998, während der Herrschaft der Taliban. Nach ihrer Rede vor sechs Jahren erhielt Malalai Joya Morddrohungen. Sie muss seither ständig ihren Wohnsitz wechseln und wird von zwei Dutzend Leibwächtern rund um die Uhr bewacht. Sie hat aber auch viele Unterstützer im Land, und der jungen Frau ist es sogar gelungen, von ihren traditionellen Landsleuten in der südlichen Provinz Farah als erste Frau in das Parlament gewählt zu werden.

In Europa ausgezeichnete Mahnerin

Afghanistan Präsident Hamid Karsai

Steht bald zur Wiederwahl: Afghanistans Präsident Hamid Karsai

Malalai Joya ist nicht diplomatisch und sucht auch nicht um jeden Preis nach Kompromissen. Wenn es um politisches Engagement geht, kommt sie schnell zum Punkt. "Schaut genau hin, wen ihr wählt. Versichert Euch, dass an ihren Händen kein Blut klebt," warnt Malalai Joya ihre Landsleute vor den anstehenden Wahlen in Afghanistan: "Erkundigt Euch genau, womit sie ihr Geld gemacht haben. Seid wachsam und lasst Euch nicht hinters Licht führen. "Ende März ist Malalai Joya in Rotterdam mit dem internationalen Antidiskriminierungspreis 2009 ausgezeichnet worden. Der Preis ehrt ihren Mut und ihre Ausdauer im Kampf für Freiheit und für die Rechte der Frauen in Afghanistan. In ihrer Dankesrede hat Malalai Joya einmal mehr über die dramatischen Zustände gesprochen, die auch acht Jahre nach der Intervention des Westens noch immer in Afghanistan herrschen. Sie kritisierte erneut die Politik der USA und der NATO-Länder in Afghanistan. Wie viele andere Frauen- und Menschenrechtlerinnen auch, forderte sie, die internationale Unterstützung für die afghanische Regierung an Bedingungen zu knüpfen.

Kampf gegen das neue Familiengesetz

Loja Dschirga Frauendelegierte in Afghanistan

Frauendelegierte in Afghanistans Loya Jirga

Wie wichtig ihre Arbeit ist, wurde deutlich, als beinahe zeitgleich in Afghanistan ein neues Familiengesetz verabschiedet wurde, das Frauen noch weniger Rechte einräumen soll als unter den Taliban. Es soll für die schiitische Minderheit im Land gelten und jedem Mann das Recht geben, alle vier Tage von seiner Frau Geschlechtsverkehr zu verlangen. Außerdem darf er ihr verbieten, das Haus zu verlassen. Nachdem international Protest laut wurde, soll es nun aber vor Inkrafttreten noch einmal überprüft und verändert werden. Wenn es der internationalen Gemeinschaft gelänge, das frauenfeindliche Familiengesetz zu stoppen, dann wäre das die beste Art, die Arbeit von mutigen afghanischen Frauen wie Malalai Joya zu würdigen.

Autorin: Shikiba Babori
Redaktion: Thomas Latschan