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Ines Pohl

„Mutig die richtigen Fragen stellen“

Ines Pohl berichtet als Korrespondentin aus den USA. Als designierte Chefredakteurin der DW nutzt sie ihre vielfältigen Erfahrungen, um Geschichten auf den Grund und Mächtigen auf den Nerv zu gehen.

Was mich antreibt ...
Es geht für mich immer darum, mutig zu sein. Keine Angst zu haben, Fragen zu stellen, die stören. Einschätzungen zu geben, die aufrütteln und Erklärungen anzubieten, die Allgemeinplätze in Frage stellen. Journalismus soll aber nicht nur informieren, kritisieren und über das Berichten, was nicht funktioniert. Ich arbeite auch als Journalistin, weil ich es als eine Aufgabe sehe, über Projekte, Organisationen und Einzelpersonen zu berichten, die Dinge positiv verändern – Constructive Journalism!

Mut bedeutet für mich ...
Wir denken oft viel zu groß und bombastisch, wenn wir von Mut sprechen. Für mich fängt Mut im Alltag an: Mit welcher Haltung gehe ich in Diskussionen, begegne ich meinen Chefs? Wenn ich bereit bin, für meine Überzeugungen auch mal Nachteile in Kauf zu nehmen, dann ist das der Mut, den ich mir wünsche. Das kann auch einfach nur der kleine Satz sein: „Das sehe ich anders“, oder „Das verstehe ich nicht“.

Freiheit bedeutet für mich ...
Freiheit ist ein Geschenk, das mit dem Auftrag kommt, sich für jene einzusetzen, deren Freiheit bedroht oder eingeschränkt ist. Ich glaube ich habe erst so richtig verstanden, wie privilegiert wir in Deutschland sind, als ich meine Mitstipendiaten der Nieman Foundation besser kennengelernt habe. Roza aus dem Iran, Absar aus Pakistan: Mit unserer Freiheit kommt die Verpflichtung, ihren Einsatz für die Pressefreiheit zu unterstützen.

Der Dialog und Austausch mit den Nutzern ...
Wann immer es geht, versuche ich mindestens das Büro und am besten auch gleich Washington zu verlassen. Um mit Amerikanerinnen und Amerikanern zu sprechen, zu erkunden, wie sie leben und was sie umtreibt. Social Media sind eine tolle Hilfe, Gesprächspartner zu finden und später mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Aber nichts ersetzt die direkte Begegnung, auch kein Skype oder Facetime. Ich bin da ganz traditionell: Wann immer es möglich ist, sollte ein Gespräch mit einem echten Händedruck beginnen. Der sagt meist so viel mehr als tausend Worte in diversen Emails.

Meine besondere Perspektive ...
Ich bin eine Deutsche in D.C., die für ein internationales Medienunternehmen arbeitet. Das ist die Basis meiner Perspektive. Im Idealfall stellen wir Fragen, die gut informiert sind, aber frei sind vom Alarmismus der Kleinteiligkeit. Das gibt uns die Möglichkeit, große Bögen zu zeichnen und vor allem auch immer wieder die internationale Perspektive einzubringen. Das sollte uns von der Verlockung der Dauererregung schützen, in der für jede nachhaltigere Analyse kein Raum und keine Zeit mehr ist. Die internationalen Aufgaben, die die DW erfüllen muss, werden immer wichtiger: Es geht darum, glaubwürdige Informationen und Hintergründe zu liefern in einer Welt, in der immer mehr Staaten wie Ungarn, Polen oder die Türkei die freie Presse einschränken.

Die Herausforderungen an Journalismus heute ...
Es geht für Journalismus heute immer auch darum, die Machtfrage zu stellen: wer profitiert am Ende auf wessen Kosten? Medien machen keine Politik, aber sie helfen, sie ermächtigen Menschen in Demokratien, sich eine fundierte Meinung zu bilden, informiert zu entscheiden und letztlich zu wählen. Das bedeutet aber auch, Strukturen zu entwickeln, um Menschen über digitale Medien zu erreichen, deshalb beschäftige ich mich seit Jahren sehr intensiv mit Social Media und Online-Plattformen, um neue Wege in eine informierte Zukunft zu erkunden.

Der aktuellen Wahlkampf in den Staaten ist auch ein Produkt einer zunehmend polarisierenden und kurzatmigen Medienwelt. Ohne Twitter und Facebook gäbe es keinen Donald Trump, er lebt von der Skandalisierung, von dem Hunger nach Quoten. Eine differenzierte, mutige Berichterstattung ist Gift für Politiker wie ihn.

Drei Dinge, die ich besonders an meiner Arbeit für die DW liebe
Das Privileg für Qualität und nicht für Quote arbeiten zu können
Die internationale Perspektive
Die Multimedialität und Experimentierfreudigkeit in dem ganzen Bereich Social Media.

Was mich besonders an meiner Arbeit in den USA fasziniert
Die große Offenheit und Bereitschaft der Menschen, ihre Gedanken und Gefühle zu teilen, auch den Medien gegenüber, zumindest den internationalen. Ich liebe den Mix an Menschen, die vielen Kulturen und Küchen, Musik und Klamotten, das ist wunderschön.
Es gibt ihn immer noch, den Pioniergeist der frühen Siedler: Anpacken, machen. Und wenn was schief geht, weitermachen. Frei nach dem Motto: “Vom Pferd fallen ist nicht schlimm, nur liegen bleiben.” Das passt immer noch. Und das gefällt mir gut.

Wer mich inspiriert ...
Ich mag Menschen, die widerspenstig bleiben. Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, einzelne Personen herauszustellen. Es gibt so viele. Den Busfahrer zum Beispiel, der einen Fahrgast rausschmeißt, weil er sich rassistisch oder xenophob geäußert hat. Kriegsreporterinnen, wie Anja Niedringhaus, die ihr Leben opfern, um die Welt zu informieren. Und dann gibt es da noch die Kompositionen von Johannes Brahms.

Mein Lieblingszitat
“So, und nun zurück zur Werkbank.” Flo

Wenn ich nicht gerade arbeite, trifft man mich ...
Beim Sport, mit einem Buch im Cafe oder auf dem Sofa – dann aber bitte nicht stören, bin gerade voll im Drama meiner aktuellen Netflix-Serie untergetaucht.