Muss Yücels Anwalt ins Gefängnis? | Aktuell Welt | DW | 06.05.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Türkei

Muss Yücels Anwalt ins Gefängnis?

Veysel Ok soll die türkische Justiz beleidigt haben. Nun drohen dem Verteidiger des bis vor kurzem in der Türkei inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel selbst zwei Jahre Haft, wie es heißt.

Das Verfahren gegen Veysel Ok (Artikelbild) wegen Beleidigung der Justiz sei im vergangenen Jahr nach einer Beschwerde aus dem Büro des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eröffnet worden, erfuhr die Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS) von Oks Verteidigerteam. Am kommenden Mittwoch solle von einem Gericht in Istanbul nun das Urteil gesprochen werden.

Der Anwalt des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel hatte im Dezember 2015 in einem Interview mit der mittlerweile eingestellten Zeitung "Özgür Düsünce" unter anderem gesagt, die türkische Justiz sei "durchgängig gleich gefärbt" und spreche "mit einer Stimme". Angeklagt wurde auch der Reporter Cihan Acar, der das Gespräch mit Ok damals führte.

"Lediglich meine Erfahrung"

In seiner Stellungnahme zur Anklage hatte Ok erklärt: "Ich habe schon sehr viele türkische Journalisten vor Gericht verteidigt. Und fast alle wurden inhaftiert. Ich habe lediglich meine Erfahrung als Rechtsanwalt mitgeteilt. Ich glaube nicht, dass die Untersuchungsgerichte unabhängig sind." Er sei "selbst Teil des Justizsystems. Ich hatte nicht die Absicht, es zu beleidigen. Aber ich bin berechtigt, das Justizsystem zu kritisieren."

Deniz Yücel (picture-alliance/dpa/S. Stache)

Wieder in Berlin: Deniz Yücel im März

Ok verteidigt Yücel, tätig für die Tageszeitung "Die Welt", seit dessen Festnahme wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda und Volksverhetzung im Frühjahr des vergangenen Jahres. Er ist noch immer Yücels Anwalt in dessen fortdauernden Verfahren vor dem Strafgericht in Istanbul und vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Yücel war im Februar 2018 vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden, woraufhin er die Türkei umgehend verließ.

wa/jv (afp, WamS)

Die Redaktion empfiehlt