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Deutschland

Muss das sein? - Deutschland und der Karikaturenstreit

Die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen war auch in Deutschland lange umstritten. Seit dem Anschlag von Paris hat sich das geändert: "Charlie-Hebdo"-Karikaturen sind jetzt in allen Medien zu sehen.

Unter dem Schock der Tat sind sich die deutschen Medien einig. Am Tag nach dem Attentat ziert die knollennasige Prophetendarstellung aus der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" zahlreiche Titelblätter. Deutsche Tageszeitungen drucken die satirischen Mohammed-Karikaturen nach, zeigen Fotos, auf denen Stéphane Charbonnier alias Charb, der bei dem Anschlag ermordete Chefredakteur von "Charlie Hebdo", seine provokanten Titelblätter in die Luft hält. Darf Satire solche Bilder zeigen? Die deutschen Medien - und auch die Politik - beantworten nach dem Attentat diese Frage eindeutig mit "Ja".

"Nicht anständig, Menschen zu beleidigen"

So einmütig hat sich die deutsche Öffentlichkeit bisher selten auf die Seite der Karikaturisten gestellt. 2013 berichtete beispielsweise "Die Zeit" ausführlich über Charbs Comic "La Vie de Mahomet". In den abgedruckten Bildern Charbs schwärzte die Wochenzeitung den Propheten. "Gewiss, auch das soll im Namen der Freiheit gestattet bleiben. Aber eine Rohheit bleibt es gleichwohl. Es ist nicht anständig, Menschen zu beleidigen", begründet die Zeitung ihre Entscheidung im Text. Die "Berliner Zeitung" hatte ein Jahr zuvor die Karikaturen des Satireblattes sogar als "primitive Provokation" bezeichnet.

Damals war die islamische Welt in Aufruhr über ein antiislamisches Video, das im Internet kursierte. "Wenn man die These vom Zusammenprall der Zivilisationen ablehnt, muss man deshalb auch diese Karikaturen ablehnen", schrieb die eher liberale "Berliner Zeitung". Und auch aus der deutschen Politik kamen Warnungen. "Wenn wir im Westen nicht bald ein Gefühl dafür entwickeln, dass man mit dem Allerheiligsten von Menschen nicht spielen kann, wird der Konflikt wieder eskalieren", sagte Günter Nooke (CDU), der damalige Afrika-Beauftragte der Bundesregierung.

Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen (2008) - Foto: Str (dpa)

Nachdruck von Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen: Andere Medien hielten sich zurück

Seit 2006, als die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" Proteste und Ausschreitungen in vielen muslimischen Ländern provozierten, ist die deutsche Öffentlichkeit verunsichert über den Umgang mit islamkritischem Spott. Damals entschied sich nur die konservative Zeitung "Die Welt" dafür, die Karikaturen des Zeichners Kurt Westergaard nachzudrucken.

Die meisten anderen Medien hielten sich zurück. Sie verwiesen zwar auf die Pressefreiheit, verzichteten aber auf einen Abdruck. "Besonnenheit ist keine Selbstzensur", sagte der Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks, Jörg Schönenborn. Die Unsicherheit zeigte sich noch Jahre später, als das "Zweite Deutsche Fernsehen" (ZDF) Westergaard erst zu einer Talkshow einlud, dann wieder auslud und nach Protesten dann doch wieder einlud.

Öl ins Feuer?

Karikaturist Kurt Westergaard - Foto: Johannes Eisele (AP)

Karikaturist Westergaard: Seit Jahren unter Polizeischutz

Als der Karikaturist 2010

in Potsdam mit einem Medienpreis ausgezeichnet

wurde, hielt Angela Merkel eine Rede auf der Veranstaltung. "Es geht darum, ob er in einer westlichen Gesellschaft mit ihren Werten seine Mohammed-Karikaturen einer Zeitung veröffentlichen darf - egal, ob wir seine Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig und hilfreich halten oder eben nicht", sagte die Kanzlerin und schloss: "Darf er das? Ja, er darf."

Neben Zustimmung musste Merkel damals auch viel Kritik einstecken. Muslimische Verbände warfen ihr damals vor, "Öl ins Feuer zu gießen". Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast befand, die Bundeskanzlerin "verschärfe den Ton" im Konflikt zwischen Muslimen und dem Westen.

Offensichtlich hat sich nach dem Anschlag von Paris die Haltung in Deutschland, was Mohammen-Karikaturen angeht, geändert.

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