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Nahost

"Muslimische Weltliga" trifft sich in Mekka

Die "Muslimische Weltliga" kam an diesem Wochenende in Mekka zusammen, um ihren 50. Geburtstag zu feiern - nach islamischem Kalender. Der saudische Einfluss auf die Organisation ist unübersehbar.

Blick von der Großen Moschee in Haram Scharif nahe Mekka in Saudi-Arabien auf den Gebel Nour, den Berg des Lichts (Foto: dpa)

Die "Muslimische Weltliga" wurde 1962 in Mekka gegründet

Offiziell stellt sich die "Muslimische Weltliga"oder "Rabitah" als Nichtregierungsorganisation dar, längst wird sie aber als "GONGO" bezeichnet – eine "regierungsbetriebene Nichtregierungs-Organisation". Denn der Generalsekretär der Liga, die 1962 im saudischen Mekka gegründet wurde, muss Saudi sein; außerdem wird die Organisation in überwiegendem Maße von Saudi-Arabien finanziert. Mit nicht gerade wenig Geld.

Inoffiziellen Schätzungen zufolge sind es weit über 100 Milliarde Dollar weltweit, die in die Förderung islamischer Wissenschaft, Bildung und Erziehung gesteckt wurden, aber auch für den Bau von Moscheen, für humanitäre Projekte und zur Förderung von größerem Zusammenhalt in der islamischen Welt verwendet werden.

"Konferenz der Gelehrten"

Nadeem Elyas, ehemaliger Vorsitzender des 'Zentralrats der Muslime' (Foto: AP)

Der ehemalige Vorsitzende des "Zentralrats der Muslime" Nadeem Elyas

Die Dringlichkeit von mehr Einheit in der islamischen Welt sei unverändert groß, meint der ehemalige Vorsitzende des "Zentralrats der Muslime", Nadeem Elyas, der aus Saudi-Arabien stammt. Dass die "Muslimische Weltliga" ein Instrument Saudi-Arabiens sei, wie Kritiker ihr vorwerfen – und zwar zur Förderung der konservativen wahhabitischen Ausrichtung des Islam – lässt Elyas nicht gelten. Zusammenarbeit sei sehr wichtig - und einer habe nun einmal den Anfang machen müssen.

"Man muss dazu sagen, dass die 'Rabitah' keine Konferenz der Staatsoberhäupter, sondern der Gelehrten aus der islamischen Welt ist", betont Elyas. "Das heißt, ihre Entscheidungen haben nur einen empfehlenden Charakter und keine Durchsetzungskraft. Trotzdem war es sehr wichtig, dass so etwas zustande gekommen ist."

"Dialog der Religionen"

Der größte Erfolg in der Arbeit der vergangenen Jahre liege zweifellos in den Bemühungen um Dialog und Verständigung zwischen der islamischen Welt und anderen Religionen. Zunächst traf man sich im Frühjahr 2008 in Mekka, um sich auf muslimischer Ebene auf diese Linie zu einigen und die Bereitschaft des Islam zum Dialog hervorzuheben.

"Der zweite Schritt folgte direkt danach, indem man dann die anderen Religionen - unter der der Federführung der 'Rabitah' - nach Madrid eingeladen hat", sagt Elyas. "Man hat auch einen weiteren Erfolg erzielen können, indem der Dialog der Religionen und Nationen und Kulturen auch auf die Tagesordnung der UN gesetzt wurde, wo auch Staatsoberhäupter dies mitdiskutiert haben."

Natürlich habe man auch Misserfolge erlebt. Etwa, wenn Hilfsprojekte der Liga für notleidende Muslime – zum Beispiel Kriegsopfer – nicht von allen muslimischen Staaten unterstützt wurden oder wenn einzelne muslimische Staaten sich nicht an die Empfehlungen der Gelehrten in Mekka hielten. Aber dies sei nun einmal auch ein Bestandteil des Islam: Dass die Empfehlungen der Gelehrten erst dann gültig sind, wenn sie von den Regierungen umgesetzt werden.

"Bemühung um inner-muslimische Einheit"

Symbolbild Islam (Grafik: DW)

Die "Muslimische Weltliga" fördert unter anderem islamische Bildung und Wissenschaft

Bei den Bemühungen um eine inner-muslimische Einheit schließe man im Übrigen auch die Schiiten mit ein. So tage seit Jahren in Teheran eine Konferenz der "Muslimischen Weltliga", deren Aufgabe es ist, die Arbeit der religiösen Rechtsschulen untereinander zu koordinieren. Gegenüber anderen, kleineren Richtungen aber hat die "Rabitah" sich in der Vergangenheit durchaus auch unnachgiebig gezeigt. So wurde die "Ahmadiya"-Bewegung ausgeschlossen und die Islam-Ideologie Muamer al-Gaddafis als Unglaube abgelehnt und verurteilt.

Manchmal, sagt Nadeem Elyas, erwarte man aber auch zu viel von der Liga: Sie solle weit mehr Projekte unterstützen, als ihr finanziell möglich sei. Er hoffe, dass sich dies in Zukunft bessere und man mehr tun könne - besonders auf dem Bildungssektor. Genauso hoffe er, dass sich die heute noch sehr auf Saudi-Arabien konzentrierte Ausrichtung künftig gleichmäßiger auf mehrere Schultern verteile.

Sorgen bereite schließlich aber auch, dass der Organisation immer wieder Misstrauen entgegengebracht werde, besonders seit dem 11. September 2001: "Man hat alles, was islamisch ist, nach dem 11. September in Frage gestellt. Auch die 'Rabitah', obwohl die 'Rabitah' ein Beobachtungsmitglied der UN ist und erhaben über Unterstützung von Terrorismus. Aber dieses Misstrauen besteht und die 'Rabitah' muss daran arbeiten, ihr Image jetzt zu verbessern und Kontakte verstärkt in der nicht-islamischen Welt zu pflegen und zu initiieren."

Autor: Peter Philipp
Redaktion: Anne Allmeling