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Deutschlehrer-Info

Muslimische Schüler verweigern Handschlag

In der Schweiz haben sich zwei muslimische Schüler aus religiösen Gründen geweigert, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Damit haben sie eine Debatte über Religionsfreiheit und deren Grenzen losgetreten.

In vielen Schweizer Schulen ist es üblich, sich nach dem Unterricht mit Handschlag zu verabschieden. Doch zwei syrische Brüder, 14 und 16 Jahre alt, lehnen das ab. „Damit zollen wir dem weiblichen Geschlecht unseren Respekt“, begründeten die beiden Schüler ihr Verhalten. „Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren.“

Religionsfreiheit oder Diskriminerung?

Die Geschwister stammen aus einer streng religiösen Familie. Sie besuchen regelmäßig die König-Faysal-Moschee in Basel, die sich strikt an den Regeln des Propheten Mohammed orientiert: „Er ist unser Vorbild. Und er hat nie Frauen berührt - außer seine eigene“, sagten sie. Niemand könne sie zu einem Handschlag zwingen. „Falls wir die Hände wieder schütteln müssten, wäre das eine Diskriminierung gegen uns.“

Die Schulleitung gab der Weigerung nach, allerdings unter der Bedingung, dass die beiden auch männlichen Lehrern nicht mehr die Hand geben dürfen. „Wir haben versucht, mit den Eltern zu reden. Aber sie haben auf einer religiösen Ebene argumentiert“, begründet Direktor Jürg Lauener die Ausnahmeregelung. „Da gab es einfach keine andere Lösung.“ Justizministerin Simonetta Sommaruga sieht das anders. Sie sprach sich vehement gegen die Sonderreglung aus. Das gehe „überhaupt nicht“ und verstoße gegen Schweizer Werte. „So stelle ich mir Integration nicht vor“, betonte sie.

Diskussionen über die Landesgrenzen hinweg

Der Fall hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern und sogar in den USA wird über die Handschlagverweigerer berichtet. „Das Ganze hat absurde Ausmaße angenommen“, sagte der 14-Jährige. Die Brüder sehen sich ungerecht behandelt und werfen Politikern und Medien vor, ihren Fall ausnutzen, um Stimmung gegen Muslime zu machen. Auf Facebook hätten sie Drohungen erhalten. „Wir respektieren die Schweizer Kultur und halten uns natürlich an die Gesetze in diesem Land“, sagten sie einer Schweizer Zeitung. Obwohl sie versuchten, sich so gut wie möglich zu integrieren, hätten sie aber auch ihre eigene Kultur. „Die können wir nicht einfach löschen, so wie man das etwa mit einer Festplatte tun kann.“

Jetzt wird rechtlich geprüft, ob man Schüler zwingen kann, ihrer Lehrerin die Hand zu geben oder ob Religionsfreiheit wichtiger ist. „Beim Verweigern des Händedrucks werden Frauen diskriminiert“, sagt Deborah Murith, Sprecherin der Schweizer Bildungsdirektion. Sogar islamische Dachverbände sind sich uneins, ob ein Händedruck zwischen Mann und Frau in Ordnung sei.

suc/mk (dpa)

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