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Kultur

Muslime wollen weiterhin Beschneidung

Das Urteil des Kölner Landgerichts, nach dem Beschneidungen von Jungen aus religiösen Gründen strafbar sind hat zu Reaktionen bei Muslimen geführt. Ali Kizilkaya vom Koordinationsrat der Muslime (KMD) im Gespräch.

Deutsche Welle: Wie beurteilt der (KMD) das Gerichtsurteil zur Beschneidung von Jungen?

Ali Kizilkaya: Das ist ein massiver Eingriff in die Religionsfreiheit und wir haben das natürlich mit großer Sorge und großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Die Tatsache, dass eine jahrtausendlange praktizierte Tradition von Gläubigen von einem Landgericht nun für verboten erklärt wird, ist erstaunlich. Bedauerlich und interessant ist es, dass es fast nur in Deutschland zu diesem Verbot gekommen ist. In der ganzen Welt, beispielsweise in Amerika, werden sogar auch nicht muslimische oder nicht jüdische Menschen beschnitten. Dort ist die Beschneidung fast schon die Regel – und hier soll es verboten werden, das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Warum ist dieses Ritual so wichtig für Muslime?

Weil es nun einmal zur muslimischen Identität gehört und weil es eine islamische Tradition ist. Die religiösen Quellen sind unterschiedlich: Das Beschneidungsritual ist eine abrahamitische Tradition, die es schon vor der Entstehung des Islams gab, bei anderen Religionen, etwa beim Judentum. Und dieses Ritual ist auch eine unserer Gemeinsamkeiten, die der Islam mit dem Judentum hat.

Käme der Verzicht auf eine Beschneidung einer religiösen Sünde gleich?

Die Menschen werden so auf jeden Fall mit einem Gewissenskonflikt konfrontiert, weil sie einer religiösen Verpflichtung nicht nachkommen können.

Wie hat die muslimische Community auf den Richterspruch reagiert?

Es herrscht ein sehr großes Unverständnis, das können die Menschen nicht nachvollziehen. Es ist ein Thema, das fast alle männlichen Muslime angeht, ob nun säkular, religiös oder nicht fromm. Insofern gibt es eine große Bestürztheit und Enttäuschung unter deutschen Muslimen.

Welche Schritte erwägt der Koordinationsrat der Muslime nun?

Ich hoffe und gehe davon aus, dass der Gesetzgeber für Rechtssicherheit und Klarheit sorgen wird und der Religionsfreiheit wieder Geltung verschaffen wird. Es teilen ja auch nicht alle Rechtsexperten und Fachleute dieses Urteil. Insofern, so glaube ich, hat sich dieses Gericht eher für eine Meinung der Minderheiten entschieden. Klärungsbedarf ist nötig, weil diese Situation eine massive Einschränkung ist und ein großer Gewissenskonflikt für gläubige Menschen bedeuten würde.

Wie reagieren Muslime im Ausland, etwa in der Türkei, auf das Urteil?

Mit ganz großem Unverständnis, kann ich nur sagen. Es steht Deutschland nicht gut zu Gesichte; einem Land, dem die freiheitlichen Rechte sehr wichtig sind und gerade die Religionsfreiheit ist ja ein hohes Gut in Deutschland.

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