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Nahost

Muslime protestieren gegen Koranverbrennung

In aller Welt verurteilen Gegner die geplante Koranverbrennung in den USA. Religiöse und politische Führer lehnen die Pläne strikt ab und befürchten neue gewaltsame Ausschreitungen in muslimischen Ländern.

Terry Jones posiert vor einem Plakat, das zur Koranverbrennung aufruft (Foto: AP)

Noch ist unklar, ob Pastor Terry Jones tatsächlich einen Koran verbrennen wird

Unmittelbar vor dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 werden die Forderungen immer lauter, die in Florida geplante Verbrennung des Korans zu stoppen. So sprach die Regierung des Golfemirat Bahrain von einer "schändlichen Tat, die mit den Prinzipien von Toleranz und Koexistenz unvereinbar ist." Auch der frühere britische Premierminister und jetzige Nahost-Vermittler Tony Blair hat den radikalen US-Pastor Terry Jones aufgefordert, von seinen Plänen Abstand zu nehmen: "Ich verurteile die Aktion, den Koran zu verbrennen", erklärte Blair am Donnerstag (09.09.2010) vor Journalisten. "Sie ist respektlos, falsch und sie wird von Menschen mit oder ohne Glauben abgelehnt."

"Abscheuliche Geste"

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair (Foto: dpa)

"Respektlos": Tony Blair, Nahost-Vermittler, verurteilt die Koranverbrennung

Ähnlich äußerten sich Vertreten der Vatikan, die beiden großen Kirchen, sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Gewaltakte des 11. September rechtfertigten nicht eine "abscheuliche und schwerwiegende Geste gegen ein Buch, das einer religiösen Gemeinschaft heilig ist" heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte die Sorge, die Koranverbrennung könne das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen massiv belasten.

Als "schrecklich und abstoßend" bezeichnete die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, die geplante Koranverbrennung und erinnerte an die Bücherverbrennung von 1933 durch die Nationalsozialisten. Scheinbar unbeeindruckt von den weltweiten Warnungen und Aufrufen wiederholte der Pastor der kleinen evangelikalen Gemeinde in Florida seine Absichten. Es soll bereits mehr als 100 Todesdrohungen gegen ihn geben.

Ausschreitungen befürchtet

Die US-Regierung befürchtet, dass die Aktion des Pastors in muslimischen Ländern zu Ausschreitungen führt. Im pakistanischen Multan verbrannten rund 200 Anwälte und Bürgerrechtler eine amerikanische Flagge und riefen in Sprechchören: "Nieder mit Amerika!" Länder, in denen weitere antiamerikanische Proteste zu erwarten sind, sollen auf Anweisung des US-Außenministeriums Warnhinweise an US-Bürger ausgeben. Außerdem überprüfen US-Botschaften weltweit ihre Sicherheitsmaßnahmen.

Die evangelikale Kirchengemeinde - das Dove World Outreach Center in Gainesville - die das heilige Buch der Muslime am Jahrestag der von der Al-Kaida verübten Terroranschläge von New York verbrennen will, ließ sich davon bisher auch nicht von US-Außenministerin Hillary Clinton und US-Generälen abbringen. Beide warnten, die Verbrennung würde amerikanische Soldaten, Diplomaten und Reisende gefährden.

Autorin: Stephanie Gebert

Redaktion: Thomas Kohlmann

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