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Politik

Muslime in Großbritannien

Etwa 1,6 Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben in Großbritannien. Aus der kulturellen Vielfalt von London sind sie nicht mehr wegzudenken, aber anderswo sind die Muslime oft nur schlecht integriert.

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Knapp drei Prozent aller Briten sind Muslime


Die meisten britischen Muslime stammen aus Indien, Pakistan und Bangladesch. Viele sind aber auch Nachkommen von Glaubensbrüdern aus anderen ehemaligen britischen Kolonien. Der überwiegende Teil lebt in England, nur etwa 60.000 in Schottland, Wales und Nordirland. In manchen nordenglischen Städten ist der Islam bereits die bedeutendste Religion.

Jeder zehnte Londoner ein Muslim

In London sind die Muslime untrennbarer Teil der Gesellschaft und der kulturellen Vielfalt der britischen Hauptstadt - vom Nobelkaufhaus Harrod's bis zu den Kebab-Ständen in den ärmeren Stadtteilen. Dennoch bleibt bei vielen Muslimen die Unsicherheit. Nach den Anschlägen wurden derart viele Hass-Mails an den "Rat der Britischen Muslime" geschickt, dass der Server zusammenbrach, berichtete ein Sprecher der Dachorganisation. Der Londoner Polizeichef Ian Blair sagte, die Polizei sei mit den Führern der muslimischen Gemeinden im Gespräch. Besondere Sicherheitsvorkehrungen an den Moscheen wurden nicht getroffen.

"Wir sind alle Londoner"

8000 Menschen versammelten sich am Tag nach dem Terror in der Ost London Moschee. Scheich Abdul Qayyum rief seinen Glaubensbrüdern zu, mit Zuversicht darauf zu vertrauen, dass sie "ihren Platz in der großen Vielfalt des britischen Lebens" hätten. Premierminister Tony Blair hatte unmittelbar nach den Explosionen betont, dass die überwältigende Mehrheit der britischen Muslime gesetzestreue Bürger seien, die den Anschlag genau wie alle anderen Bürger verurteilten. Solche Worte sind für Muhamad Abdul Bari wichtig. Er sei zuversichtlich, dass die gegenwärtige Phase der Unsicherheit überwunden werden könne. "In London leben die Menschen eng zusammen", sagt Bari. "Wir sind alle Londoner."

Wenig integrierte Minderheit

Die ersten muslimische Gemeinden wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Einwanderern aus dem Jemen gegründet. Als Folge des Commonwealth Immigration Act von 1962, der für die Einreise nach Großbritannien eine berufliche Qualifikation und einen Arbeitsplatz vorschrieb, siedelten sich viele Inder und Pakistaner mit überdurchschnittlichen Berufsqualifikationen in Großbritannien an. Nun zogen auch vermehrt Familienangehörige nach.

Lange Zeit führten die britischen Muslime eine eher unauffällige Existenz. Erst die Affäre um den Roman "Die Satanische Verse" des Schriftstellers Salman Rushdie im Jahre 1989 lenkte die Aufmerksamkeit auf diese Minderheit. Heute sind die Muslime die insgesamt am wenigsten integrierte und wirtschaftlich am schlechtesten gestellte Minderheit des Landes. Sie leben weitgehend unter sich. Eine Umfrage im Jahr 2002 ergab, dass unter Muslimen die Arbeitslosigkeit zweieinhalb Mal so hoch ist wie unter Nicht-Muslimen. Fast ein Drittel besitzt keine verwertbare Ausbildung.

Generationenkonflikt

Eine zunehmende Kluft herrscht offenbar zwischen den Generationen. Während sich ältere Muslime bereit zeigen, stärker als bisher an der britischen Gesellschaft teilzuhaben, sind die jüngeren zunehmend an der Bewahrung einer separaten, muslimisch geprägten Identität interessiert. Im Jahr 2004 sagten 41 Prozent der jungen Muslime in einer Umfrage, sie wollten nicht weiter in die Gesellschaft integriert werden. Die stärkere Bedeutung religiöser Traditionen zeigt sich auch daran, dass sich eine zunehmende Zahl der Muslime durch ihre Kleidung bewusst von den anderen Briten absetzt. (arn)

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