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Deutschland

Muslime in Deutschland spenden für Flutopfer

Gerade im Ramadan fordern islamische Verbände, für die Flutopfer in Pakistan zu spenden. Muslimische Hilfsorganisationen haben Spendenaktionen ins Leben gerufen.

Mann im Wasser, der sich an an Seil festhält (Foto: dpa)

Die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan sind auf Spenden angewiesen

Unter den Muslimen in Deutschland herrsche große Betroffenheit angesichts der Flutkatastrophe in Pakistan, berichtet Ayyub Axel Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). Er habe dies auf seinen zahlreichen Besuchen in muslimischen Gemeinden festgestellt. "Wir Muslime fühlen uns verantwortlich", sagt er. Köhler stellt deshalb den diesjährigen Ramadan bei allen Veranstaltungen, die er besucht, unter das Motto: "Fasten, Beten, Spenden". Der Ramadan sei immer, neben einer Zeit der inneren Einkehr, auch eine Zeit des besonderen sozialen Engagements, in welcher jeder Muslim zum Spenden für Hilfsbedürftige angewiesen sei. In diesem Jahr hätten die Muslime die Opfer in Pakistan besonders vor Augen und wollten helfen. Köhler begrüßt diese Spendenbereitschaft als "positives Zeichen der muslimischen Minderheit in Deutschland".

Muslime in einer Moschee (Foto: DPA)

Beten, Fasten, auf andere schauen: Im Ramadan wird auch soziales Engagement groß geschrieben

Verbände wie der ZMD appellieren an das religiöse Gewissen der Gläubigen. Muslime müssen jährlich 2,5 Prozent ihres Jahreseinkommens an Hilfsbedürftige spenden. Im Freitagsgebet rufen die Imame jetzt zu zusätzlichen Spenden auf.

Es gäbe auf der anderen Seite auch viele direkte Anfragen an die muslimischen Verbände von Muslimen, die spenden möchten, berichtet Manahnut Askar vom ZMD. Ob die Spenden von einem Beauftragten persönlich nach Pakistan gebracht werden oder man mit einer Hilfsorganisation wie dem Roten Halbmond zusammenarbeiten wird, darüber werde derzeit beraten. "Das hängt auch von der Spendensumme ab", so Askar.

Muslime in Deutschland spenden bei vielfältigen Organisationen, etwa dem Roten Kreuz, nicht nur bei muslimischen Verbänden. Den Gläubigen sei es, laut ZMD-Chef Köhler, zunächst egal, wo sie spenden. "Denn das Leid der Betroffenen steht im Vordergrund".

Um schnelle Hilfe bemühen

Inzwischen gibt es auch eigene muslimische Hilfsorganisationen in Deutschland, die Spendenaktionen für die Flutopfer in Pakistan durchführen. Sie wissen, dass jeder Tag zählt.

Der deutsche Zweig des Hilfswerks "Islamic Relief" hat eine große Aktion organisiert. Auf den Spendenaufruf im Internet gab es eine hohe Resonanz. Nuri Köseli, Sprecher von "Islamic Relief Deutschland" in Köln erzählt, dass in der ersten Woche der Spendenaktion 100.000 Euro gesammelt wurden. "Islamic Relief" hat Mitarbeiter in Pakistan. Deshalb sei gewährleistet, dass die Spenden auch bei den Opfern ankämen. "Islamic Relief" spricht außerdem derzeit mit Verantwortlichen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Man möchte zusammenarbeiten und gemeinsam in Pakistan helfen.

Auch die Organisation "Muslime Helfen" in Ludwigshafen hilft. Sie unterstützt eine Notunterkunft für 2000 Menschen. Die Katastrophenhilfe muslimischer Organisationen in Europa unterscheide sich kaum von der Arbeit christlicher oder nichtreligiöser Helfer, sagt Rüstü Aslandur, Spendenwerber von "Muslime Helfen". Das bestätigt Köseli von "Islamic Relief Deutschland". Dass die große Mehrzahl der Flutopfer in Pakistan Muslime sind, trage zur Spendenbereitschaft der Muslime in Deutschland bei. Andererseits könnten Spender für Notfallfonds nicht ausschließlich Pakistan als Ziel nennen, so Köseli. Der Großteil der Gelder ginge jedoch nach Südasien, sei doch "die Not in Pakistan viel größer und drastischer".

Spenden mit dem Handy

Der deutsch-türkische Verein "Time To Help" in Offenbach hat eine gezielte Spendenaktion für Pakistan ins Leben gerufen. Man kann direkt auf das Spendenkonto Geld überweisen oder auch eine SMS mit Kennwort schicken und auf diese Weise fünf Euro spenden. Seit Beginn der Spendenaktion vor vier Tagen sind schon 20.000 Euro gespendet worden, sagt Geschäftsführer Burhanettin Demir.

Handy (Foto: AP)

Spenden per Handy - beim deutsch-türkischen Verein "Time to Help" möglich

Der Verein ist vor allem unter Türken sehr bekannt, weil er in den türkischen Medien präsent ist. Das nutzt der Verein. Auf großflächigen Zeitungsanzeigen und TV-Werbespots wird auf die Not der Menschen in Pakistan hingewiesen und um Spenden gebeten. Deshalb sind türkische Muslime derzeit die Hauptspender bei "Time to Help".

Generell sei die Hilfsbereitschaft unter den Muslimen immer sehr groß, wenn es um Pakistan ginge. "Denn es ist ein sehr armes Land und den Menschen wird von der Regierung nicht geholfen", sagt Demir von "Time to Help".

"Time to Help" hat eine Partnerstiftung in Pakistan, die "PakTurk Foundation", die dort schon sehr lange vertreten ist und Vertrauen in der Bevölkerung genieße, versichert Demir. Die Stiftung nimmt die Spenden von "Time to Help" wie schon 2005 für die Erdbebenopfer entgegen.

Autorin: Lena Retterath

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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