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Aktuell Europa

Muslime beim Trauergottesdienst für ermordeten Priester

Fünf Tage nach dem Kirchen-Anschlag in der Normandie wurde in Gottesdiensten des ermordeten Priesters Jacques Hamel gedacht. Auch viele Menschen muslimischen Glaubens gingen in die katholischen Sonntagsmessen.

Allein am Trauergottesdienst in der Kathedrale von Rouen nahmen rund 2000 Menschen teil, darunter mehr als hundert Muslime. Sie waren einem Aufruf des Französischen Rats der Muslime (CFCM) gefolgt, Solidarität und Mitgefühl mit den Christen zu zeigen. Politiker hatten nach dem Mord in der Kirche die verschiedenen Religionsgemeinden aufgerufen, sich nicht von der Gewalttat spalten zu lassen, da dies nur den Mördern in die Hände spielen würde.

"Ich glaube, das ist eine mutige Geste", sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, vor Journalisten. Er dankte während des Gottesdienstes den teilnehmenden Muslimen "im Namen aller Christen" für ihre Anwesenheit. Die Ermordung eines einfachen Priesters sei grauenhaft und gegen jede Gerechtigkeit, sagte Lebrun. "Wie wir aus ihrem Mund gehört haben, und wir halten das für ehrlich, ist das nicht der Islam." Am Schluss umarmte der Erzbischof die Repräsentanten der Muslime sowie die drei Ordensschwestern, die zum Zeitpunkt des Überfalls mit Jacques Hamel die Messe feierten.

Der Priester soll in Rouen bestattet werden. Den beiden Attentätern wird, wie französische Medien berichten, ein islamisches Begräbnis von den örtlichen Imamen verweigert.

Diskussion um die Finanzierung der Moscheen

Der 85-jährige Hamel war am Dienstag während der Morgenmesse in Saint-Étienne-du-Rouvray, einem Vorort von Rouen, von zwei 19-jährigen Islamisten ermordet worden. Die beiden Männer hatten die Kirche gestürmt, Hamel die Kehle durchgeschnitten und einen 86-jährigen Gottesdienstbesucher schwer verletzt. Sie nahmen drei Frauen als Geiseln, wurden später aber beim Verlassen der Kirche von der Polizei erschossen.

Premierminister Manuel Valls schrieb im "Journal du Dimanche", der Islam habe "seinen Platz in der Republik gefunden". Nun müsse dringend "ein echter Pakt" mit der zweitgrößten Konfessionsgemeinde in Frankreich geschlossen werden. Die Finanzierung der Moscheen aus dem Ausland müsse verringert werden, während im Inland Möglichkeiten geschaffen werden müssten, die Mittel zu diesem Zweck zu erhöhen.

Gedenken auch in Italien

Auch in Italien kamen Vertreter islamischer Gemeinden und Verbände zu Solidaritätsbezeigungen in zahlreiche katholische Kirchen. Der Vorsitzende der "Gemeinde der Arabischen Welt in Italien", Fuad Audi, sprach laut der Zeitung "Repubblica" (Onlineausgabe) von mehr als 15.000 Muslimen, die landesweit an christlichen Sonntagsgottesdiensten teilgenommen hätten.

Teilnehmer der Muslimischen Gemeinde in der italienischen Santa Maria Caravaggio- Kirche (Foto: dpa)

Teilnehmer der Muslimischen Gemeinde in der italienischen Santa Maria Caravaggio- Kirche

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, äußerte sich "sehr froh und sehr dankbar" über die Geste. Eine solche Verurteilung der Gewalt "ohne Wenn und Aber" sei von Muslimen in Italien bislang nicht immer so einhellig zu vernehmen gewesen, erklärte der Genueser Erzbischof vom Weltjugendtag in Krakau aus.

rb/cw (afp, dpa, kna)