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Welt

Muslime aus Nahost boykottieren Trump

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump will Muslime nicht mehr in die USA einreisen lassen. Doch damit schadet sich der Republikaner wirtschaftlich. Er verdient gut mit Geschäftspartnern aus Nahost.

Prinz Al-Walid Bin Talal macht aus seiner Empörung über den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump keinen Hehl: "Du bist eine Schande - nicht nur für die Republikanische Partei, sondern für ganz Amerika", schimpft der laut "Forbes"-Magazin reichste Araber auf Twitter. "Zieh dich aus dem Präsidentschaftswahlkampf zurück, denn du wirst niemals gewinnen", rät das Mitglied der saudischen Königsfamilie. Trumps Aufforderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten, stößt überall im Orient auf Unverständnis und Wut. Der US-amerikanische Milliardär, der mit seinen ruppigen Äußerungen die republikanische Kandidatenkür prägt, hatte auf das Blutbad eines Islamistenpaares reagiert. Die beiden Terroristen hatten am 2. Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen getötet.

Bei seinen Auftritten feuert der 69-jährige Trump immer wieder rhetorische Salven gegen politische Gegner, illegale Einwanderer oder missliebige Journalisten ab. Diesmal scheint er sich jedoch ins eigene Bein geschossen zu haben, denn sein Wirtschaftsimperium ist im Orient sehr aktiv. In Indonesien, der Türkei, Aserbaidschan, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten verdient er eine Menge Geld. Exquisite Golfclubs, teure Hotels und Immobilienprojekte für Superreiche tragen in der Region seinen Namen. Er ist an Unternehmen beteiligt oder kassiert Lizenzgebühren dafür, dass Geschäftspartner die Marke Trump verwenden.

Trump-Produkte nicht mehr im Laden

Doch der Name ist in vielen Ländern nun zum Problem geworden. Die Landmark-Gruppe mit Hauptsitz in Dubai nahm laut der britischen Zeitung "The Guardian" Trump-Einrichtungsprodukte aus dem Sortiment ihrer 180 Lifestyle-Läden. Zur Begründung hieß es, dass das Unternehmen die Wertvorstellungen und Gefühle der Kunden respektiere. Diese Gefühle hat der umtriebige Firmengründer und US-amerikanische Politiker massiv verletzt.

Der Trump International Gulf Club ist Teil einer Luxus-Anlage in Dubai (Foto: Getty Images)

Luxus-Anlagen und Golfplätze werben in den Emiraten mit dem Namen Trump

Die Immobilienfirma Damac, die in der Golfregion für mehrere Milliarden US-Dollar Luxusanlagen errichtet, wollte sich "Gulf News" zufolge nicht öffentlich äußern. Doch Damac ließ laut Medienberichten ein riesiges Werbeplakat mit einem Bild des umstrittenen Milliardärs von einem ihrer Großprojekte entfernen.

Milliarden anderswo investieren

Khalaf al-Habtoor, ein schwerreicher Großunternehmer aus den Emiraten, der zuvor Trump öffentlich unterstützt hatte, rückte von ihm ab. "Wenn er zu meinem Büro kommen würde, würde ich ihn abweisen", schimpfte al-Habtoor. "Wenn Stärke mit Unwissenheit und Täuschung zusammenkommt, gibt das eine giftige Mischung, die die USA und uns bedroht", schrieb er bereits vor den Schüssen von San Bernardino in der Zeitung "The National" aus Abu Dhabi. Trump hatte nicht zum ersten Mal über den Islam geschimpft. In einem Interview legte al-Habtoor nun nach: "Muslime haben hunderte Milliarden Dollar investiert und Jobs in Amerika geschaffen. Sie können das Geld auch anderswo investieren."

In Istanbul steht einer von mehreren Trump Towers, die es auf der Welt gibt. Das Hochhaus im Stadtteil Mecidiyeköy beherbergt hochpreisige Apartments und Geschäfte. Es ist vor allem dem Namen nach mit dem Amerikaner verbunden. Der Manager der Anlage, Bülent Kural, urteilte über die Trump-Äußerungen: "Solche Bemerkungen sind bedeutungslos und zeugen von einem Geist, der den Islam als friedliebende Religion nicht im geringsten versteht." In einer Erklärung kündigte Kural an, die rechtlichen Beziehungen zu dem US-Präsidentschaftsbewerber zu überprüfen.

Die Trump Towers in Istanbul (Foto: Reuters)

In den Trump Towers Istanbul sind Apartments, Büros und Geschäfte für Kunden mit viel Geld

Eigentlich hat Trump den Nahen Osten als Wachstumsmarkt für seine Finanzinteressen eingestuft. Seine Tochter Ivanka, die eine hohe Position in seinem Wirtschaftsimperium bekleidet, hatte dem Magazin "Hotelier Middle East" vor einigen Monaten gesagt, dass Dubai für sie oberste Priorität habe. Außerdem seien Investitionen in Katar, Saudi-Arabien und Abu Dhabi denkbar.

Partnerschaft überdenken

Das könnte in nächster Zeit schwieriger werden. Ein Kommentator des Wirtschaftsmagazins "Arabian Business" mahnte: "Der Zeitpunkt naht, an dem jedes hiesige Unternehmen in Verbindung mit der Trump-Marke seine Strategie ernsthaft überdenken sollte." Zwar hätten muslimische Kunden in Nahost bei der US-Wahl im kommenden Jahr keine Stimme, sie könnten jedoch mit ihrer Brieftasche abstimmen.

Trump ficht das nicht an. In einem TV-Interview mit "Fox News Channel" gab sich der Gescholtene gelassen: "Wenn ich einige Geschäftspartner in der Region verliere, trifft mich das überhaupt nicht." Was er derzeit tue, sei viel wichtiger als jedes seiner Unternehmen. Auf die Kritik des saudischen Prinzen, der in den USA ein- und ausgeht, reagierte er scharf: "Prinz Talal will unsere amerikanischen Politiker mit Papas Geld kontrollieren. Das kann er nicht mehr, wenn ich gewählt werde."

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