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Welt

Muslimbrüder sehen sich bei Wahl vorn

Die ägyptische Muslimbruderschaft ist zuversichtlich, mit ihrer "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" bei den Parlamentswahlen in Ägypten die meisten Stimmen zu holen. Bei der ersten Runde liegen sie angeblich vorn.

Wahlplakate in Kairo (Foto: dpa)

Die Partei der Muslimbrüder gilt als Favorit

Die ersten Ergebnisse der Auszählung bei der ägyptischen Parlamentswahl zeigten, dass ihre "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" (FJP) den ersten Platz belege, erklärten die Muslimbrüder am Mittwoch (30.11.2011). Sie gingen von mindestens 30 Prozent der Stimmen aus. Zuvor hatten bereits die regierungsnahe Zeitung "El Ahram" und andere Blätter berichtet, dass die Muslimbrüder in sechs von neun Verwaltungseinheiten in Führung lägen, gefolgt von der fundamentalistischen Salafisten-Partei Al-Nur. Erst danach komme die säkulare Ägyptische Allianz, ein Zusammenschluss liberaler und sozialdemokratischer Parteien.

Auch nach Informationen des Fernsehsenders Al-Dschasira haben die Muslimbrüder die erste Runde der Parlamentswahl mit Vorsprung gewonnnen. Der Sender meldete am Mittwoch, die Listenkandidaten der FJP hätten rund 40 Prozent der Stimmen erhalten. Die Ägyptische Allianz sei mit 15 Prozent auf dem zweiten Platz gelandet, vor den radikalen Islamisten von Al-Nur mit acht Prozent und der liberalen Wafd mit fünf Prozent. Über die meisten Mandate für Direktkandidaten werde bei der für kommenden Montag geplanten Stichwahl entschieden. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete derweil, auch 70 Prozent der im Ausland lebenden Ägypter hätten die Kandidaten der "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" gewählt.

Der politische Arm der Muslimbrüder

Menschenschlange vor den Wahllokalen in Kairo (Foto: dapd)

Bei der ersten Wahlrunde standen die Ägypter Schlange, um zu wählen

Die "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" ist aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen. Sie will aus Ägypten einen Staat mit stark religiöser Prägung machen, vertritt allerdings im Vergleich zu Al-Nur noch relativ gemäßigte Positionen. In der Ära des im Februar entmachteten Präsidenten Husni Mubarak waren die Muslimbrüder die stärkste Fraktion der Opposition, allerdings waren sie verboten und viele Mitglieder wurden verfolgt und inhaftiert. Aufgrund ihres sozialen Engagements sind sie in der Gesellschaft fest verankert.

Die Parlamentswahl erfolgt nach einem komplexen Abstimmungssystem in mehreren Stufen. Die Bewohner von Kairo und der zweitgrößten ägyptischen Stadt Alexandria sowie in sieben weiteren Provinzen hatten am vergangenen Montag und Dienstag ihre Stimmen abgegeben. In den restlichen 18 Provinzen soll am 14. Dezember und am 3. Januar gewählt werden. Es ist die erste freie Wahl in der Geschichte des Landes und die erste nach dem Sturz Mubaraks. 50 Millionen Ägypter sind aufgerufen, sich zwischen mehr als 6000 Kandidaten und über 400 Parteilisten zu entscheiden. Bis auf die Muslimbrüder gelten viele Bewerber als unbekannt. Zwei Drittel der 498 Mandate werden an Kandidaten von Parteilisten vergeben, die übrigen gehen an Direktkandidaten. Im Juli soll ein neuer Präsident gewählt werden.

Verletzte bei Krawallen auf dem Tahrir-Platz

Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo (Foto: dapd)

Der berühmte Tahrir-Platz in Kairo kommt nicht zur Ruhe

In Kairo wurden unterdessen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Straßenhändlern zahlreiche Menschen verletzt. Augenzeugen zufolge wollten die Protestierenden auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt die Händler von dem Ort vertreiben, wogegen diese sich wehrten. Demnach warfen beide Seiten Steine und Sprengsätze. Das ägyptische Gesundheitsministerium sprach von 79 Verletzten, von denen 29 in Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Am Morgen kehrte wieder Ruhe ein.

Auf dem Tahrir-Platz demonstrieren seit rund zwei Wochen wieder Menschenmassen, die den Rücktritt des regierenden Militärrats fordern. Der Platz ist das Zentrum der ägyptischen Demokratiebewegung. Er war bereits vor dem Sturz von Mubarak am 11. Februar Schauplatz wochenlanger Proteste.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Rolf Breuch

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