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Aktuell Nahost

Muslimbrüder brüskieren den König

Vor Wochen bejubelten sie den Sieg ihrer Glaubensbrüder in Ägypten: Jetzt brachten die Muslimbrüder in Jordanien eine ihrer stärksten Kundgebungen auf die Beine. Die vom Monarchen angesetzten Wahlen boykottieren sie.

Demonstranten aus dem ganzen Land strömten ins Zentrum der jordanischen Hauptstadt Amman mit Transparenten und Parolen: "Höre Abdullah! Unsere Forderungen sind berechtigt". Auch die Islamisten fordern vom König radikale Veränderungen in der Gesellschaft, aber nicht seinen Sturz. Korrespondenten sprachen von einer der größten Protestkundgebungen, seit der so genannte Arabische Frühling auch auf Jordanien übergegriffen hatte.

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Jordanien: König Abdullah unter Druck

Etwa 15.000 Jordanier waren gekommen, um für grundlegende Reformen des politischen Systems zu demonstrieren - am "Freitag zur Rettung der Nation", den die Muslimbrüderschaft ausgerufen hat. Mindestens 2000 Polizisten waren im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern. Vor der Al-Husseini-Moschee hielten die Demonstranten große Spruchbänder in die Höhe, auf dem sie unter anderem ein demokratisches Wahlrecht, Verfassungsänderungen, eine unabhängige Justiz, ein Verfassungsgericht und eine Bekämpfung der Korruption verlangten.

Großdemonstration in Amman (foto: dpa)

Einer der größten oppositionellen Aufmärsche in Jordanien seit Monaten

Wahl-Boykott bekräftigt

Der Führer der Muslimbrüder, Scheich Hamman Said, erklärte vor seinen Anhängern, die Zugeständnisse des Monarchen Abdullah II. gingen nicht weit genug. Unter dem herrschenden politischen System sei es auch sinnlos, an den vom König angesetzten, vorgezogenen Parlamentswahlen teilzunehmen.

Die Islamisten kritisieren, das im Juli verabschiedete neue Wahlgesetz diene nur dazu, ihren Einfluss zu reduzieren und die Macht von Stammesvertretern und königstreuen Abgeordneten zu festigen. Die Islamische Aktionsfront (IAF), die vermutlich best organisierte politische Kraft im Land, aber auch andere Gruppierungen der stark zersplitterten Opposition wollen die Wahlen boykottieren.

Ursprünglich sollte am Freitag ebenfalls im Zentrum von Amman eine Kundgebung von bis zu 200.000 Anhängern des Monarchen stattfinden, die aber kurzfristig unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken abgesagt wurde. - Die Neuwahl des Parlaments soll nach den Plänen Abdullahs II. noch vor Jahresende stattfinden.

SC/sti ( rtre, afpe, ape)

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