1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Muslim: "ISIS wird kurdischen Willen nicht brechen"

Die ISIS-Rebellen bedrohen auch die kurdische Region Rojava im Norden von Syrien. Laut Salih Muslim, dem Co-Vorsitzenden der kurdischen Partei PYD, greifen die Islamisten auch mit im Irak erbeuteten Waffen an.

Deutsche Welle: Die Terrorgruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) hat in letzter Zeit hauptsächlich Ziele im Irak angegriffen. Aber neuerdings gibt es wieder Anschläge auf die Region Rojava im Norden Syriens, wo die Kurden 2013 eine lokale Selbstverwaltung eingeführt haben. Warum kommt es zu diesen Angriffen?

Salih Muslim: Die meisten Angriffe zielen auf Kobane, einen kleinen Ort (Anm. d. Red.: im gleichnamigen Kanton), der von allen Seiten umzingelt ist. Dort gibt es die Grenzübergänge Karkamis und Akcakale zur Türkei. Und Kobane befindet sich genau zwischen diesen Grenzübergängen. Dieser Ort ist auch ein Symbol der kurdischen Identität und Widerstandskraft. ISIS hat Kobane von Anfang an ins Visier genommen. Und die Kämpfer dachten, dass es ein einfaches Ziel werden würde. Aber sie konnten den kurdischen Willen nicht brechen.

Wie groß ist das Ausmaß der Angriffe?

Nur ab und zu gibt es einen oder zwei Tage, an denen es in der Region etwas ruhiger wird. Aber an diesen Tagen bereiten sich die ISIS-Kämpfer auf neue Angriffe vor. Auch in letzter Zeit gab es eine solche Pause. Sie haben neue Waffen sowie neue technische Ausrüstung aus Mossul (Großstadt im Irak, die von den ISIS-Terroristen eingenommen wurde) mitgebracht und die meisten Waffen in der Stadt Rakka an die eigenen Milizen verteilt. Und nachdem sie die Vorbereitungen beendet haben, haben sie Rojava wieder angegriffen.

ISIS bedroht auch die Autonome Region Kurdistan im Nordirak. Gibt es eine Kooperation zwischen den Kurden in Rojava und im Nordirak?

ISIS hat im Irak Kirkuk angegriffen und gegen die kurdischen Peschmerga gekämpft. Auch in Sindschar. Dort haben YPG-Kräfte ("Kurdische Volksverteidigungseinheiten" und der militärische Arm der PYD-Partei) zusammen mit den Peschmerga gekämpft. Dabei handelte es sich um eine Kooperation auf lokaler Ebene und wir würden diese Kooperation gerne auf höhere Instanzen ausweiten. Aber wir haben bisher keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten. Es wäre schön, wenn eine Zusammenarbeit zustande käme.

Aus welchem Grund hat Massud Barsani, Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Ihren Vorschlag nicht angenommen?

Ich glaube, dass er das Ausmaß dieser Gefahr durch ISIS nicht richtig einschätzen konnte. Der "Islamische Staat" hatte erklärt, kein Feind der Kurden zu sein. Es sieht so aus, als würde die Regierung von Barsani das glauben. Aber wenn sie den Charakter von ISIS begriffen hätte oder auf deren Taten in Rojava schauen würde, dann würde sie wahrscheinlich die notwendigen Schritte unternehmen.

Die Autonomieregion Kurdistan im Nordirak unter Barsanis Führung strebt die Unabhängigkeit von der irakischen Zentralregierung an. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

Wenn es demnächst in Kurdistan ein Referendum geben sollte, würden wir das Ergebnis anerkennen. Die Autonomieregion im Nordirak ist eine von insgesamt vier Regionen, in denen mehrheitlich Kurden leben. Selbst wenn sie dort die Unabhängigkeit ausrufen sollten, würde es also nicht bedeuten, dass das für die anderen drei Regionen auch gelten würde. Denn wir in Rojava denken noch nicht daran, einen Nationalstaat zu gründen. Für uns kommt eine solche Möglichkeit nicht in Frage.

Welchen Status wird denn Rojava haben, wenn der Bürgerkrieg in Syrien beendet werden sollte?

Unser Ziel ist die demokratische Autonomie. So wird Rojava ein Teil von Syrien sein und nicht die Unabhängigkeit fordern. In Syrien muss es ein demokratisches System geben. Und unsere demokratische Autonomie wird ein Bestandteil davon sein.

Salih Muslim ist Co-Vorsitzender der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) in Rojava im Norden Syriens, wo die Kurden 2013 eine lokale Selbstverwaltung einführten. Gleichzeitig ist er stellvertretender Koordinator des syrischen Oppositionsblocks "Nationales Koordinationskomitee für Demokratischen Wandel der syrischen Kräfte".

Die Redaktion empfiehlt