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Musik

Musikmesse Frankfurt: So klingt Digitalisierung

Ein Digitalpiano, das sich wie ein Flügel spielen lässt? Das gibt es, klingt aber noch nicht so. Die Musikmesse zeigt: Akustische und digitale Instrumente verschmelzen immer mehr. Allen voran bei den Klavierbauern.

Video ansehen 04:49

Video: Tonangeber Bechstein-Klaviere

Wer in diesen Tagen durch Frankfurts Innenstadt geht, wird sich vielleicht wundern, dass an vielen Straßenecken Klaviermusik erklingt. Mal sind es Passanten, die spielen, mal sind es bekannte Künstler. Jeder, der Lust hat, kann sein eigenes Konzert geben. Die sogenannten "Street-Musikplätze" sind Teil der neuen Ausrichtung der Frankfurter Musikmesse, die mit über 2000 Ausstellern aus 60 Ländern zu den wichtigsten Messen der Branche weltweit gehört.

"Wir haben in diesem Jahr jeden Baustein der Messe angefasst, auch mit dem Ziel, mehr Emotionen in die Stadt und auf die Messe zu bringen", sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Frankfurter Messe. Erstmals gibt es auch außerhalb des Messegeländes ein Musikfestival mit Konzerten von Klassik bis Heavymetal und vielen Mitmachaktionen für Besucher - wie die Klaviere in der Innenstadt.

70 Prozent der Deutschen würden gerne Klavier spielen

Drummer Marko Duvnjak sitzt hinter seinem Schlagzeug. Foto:dw

Auch das gehört zum neuen Konzept: Stars wie den Schlagzeuger Marko Duvnjak beim "Drum Camp" hautnah zu erleben

Laut Umfrage gehören Gitarre, Blockflöte und Klavier nach wie vor zu den beliebtesten Instrumenten der Deutschen. Trotz des regen Interesses am Klavier werden in Deutschland aber nicht allzu viele Instrumente neu gekauft. "Deutsche Klaviere sind einfach so gut", sagt Julius Feurich, Betriebsleiter des Klavierbaubetriebs Seiler aus Kitzingen. Rund 80 Jahre halte ein deutsches Markenklavier. Ein günstiges chinesisches Modell zeige schon nach 20 Jahren Ermüdungserscheinungen.

Rund 70 Prozent der Klaviere der Firma Seiler gehen ins Ausland, bei dem Leipziger Klavierbauer Blüthner sind es sogar 90 Prozent. "Im asiatisch-pazifischen Raum leben mehr als eine Milliarde Menschen", erklärt Christian Blüthner-Hässler, der die Leipziger Firma leitet. In Ländern wie China und Idonesien etabliere sich gerade ein Bürgertum, das an hochwertigen Markenklavieren aus Deutschland interessiert sei. Ein Markt der Zukunft.

Das Klavier als Statussymbol

"In Deutschland wird zwar viel Klavier gelernt, aber es ist längst kein Statussymbol mehr", erläutert Julius Feurich die Situation. Das sei in China anders. Dort werde viel in die Erziehung der Kinder investiert und es gehöre zum guten Ton, ein Klavier zu besitzen. "Anfang des 20. Jahrhunderts gab es 800 Klavierhersteller allein in Deutschland. Noch 1914 war die Klavierindustrie hierzulande nach der Chemie die größte", sagt Feurich, der sich in seinen 30 Jahren Berufserfahrung viel mit der Geschichte des Klavierbaus beschäftigt hat.

Portrait Christian Blüthner-Hässler vor einem seiner Werbeplakate, das einen Flügel zeigt. Foto:dw

Das Unternehmen von Christian Blüthner-Hässler produziert auch E-Klaviere

Heute ist Deutschland mit rund 15 Klavierherstellern immer noch Vorreiter. "Kein Land hat so eine starke lebende Klaviertradition wie Deutschland", sagt Christian Blüthner-Hässler, der auch Vorsitzender des Bundesverbands Klavierbau ist. Deutschland sei auch das einzige Land, in dem es eine umfassende professionelle Ausbildung zum Klavierbauer in Meisterbetrieben und in der Berufsschule gebe.

Nur wer mit der Zeit geht, überlebt

Doch nicht alle Firmen schaffen den Sprung auf den globalen Markt. Mit Sorge sieht Christian Blüthner-Hässler, dass ganze Klavierbaubetriebe nach Asien verkauft werden. So ging das Traditionsunternehmen "Schimmel" gerade erst an einen chinesischen Investor. In China schmücke man sich gerne mit den Namen früherer deutscher Firmen, meint Blüthner-Hässler, biete aber längst nicht die Qualität.

Auch das Familienunternehmen Seiler, das seit 1849 bestand, ging 2008 in Insolvenz und wurde von einem koreanischen Konzern übernommen. Der Produktionsstandort blieb allerdings in Deutschland, um die Qualität sicherzustellen. Julius Feurich betont, dass immer noch alles von der Holzverarbeitung bis zur Endfertigung im eigenen Betrieb entstehe. "So ein Klavier ist schließlich wie ein Gesamtkunstwerk. Es muss alles zusammenpassen."

Spaß am Instrument entwickeln

Der Mitarbeiter Wai Heen der Firma Roli spielt auf dem neuen Seaboard Foto:dw

Das neue Seaboard reagiert bereits auf leichte Berührung

Ein Kunstwerk, dem man von außen nicht unbedingt ansieht, was drin steckt. In so manchem Klavier steckt längst kein herkömmliches Klavier mehr, denn auch an den Klavierbauern gehen die Errungenschaften der Elektronik nicht spurlos vorüber. Bei der Musikmesse werden nicht nur Noten und Instrumente verkauft, sondern auch Trends und Neuheiten präsentiert.

In diesem Jahr steht die Digitalisierung im Fokus. "Die akustischen und digitalen Welten wachsen mehr zusammen", sagt Geschäftsführer Detlef Braun. Da gibt es etwa ein Digitalpiano, dass sich wie ein Flügel spielen lässt, weil die Firma Bechstein ihre Anschlagtechnik eingebaut hat. Oder ein Keyboard, das sich "Seaboard" nennt, weil es die Touch-Technologie von mobilen Endgeräten verwendet. Die Tasten werden nicht nur angeschlagen, sondern erzeugen verschiedene Klangeffekte, wenn man etwa nur leicht darüber streicht oder den Finger auf der Taste hin- und herbewegt.

Da juckt es einen geradezu in den Fingern, selbst in die Tasten zu greifen, und genau das ist neben der geschäftlichen Seite erklärtes Ziel der Messe. Man will den Spaß an Instrumenten wecken. Die Musikmesse Frankfurt ist deshalb an allen Tagen nicht nur für Fachbesucher, sonder auch für normales Publikum geöffnet. Vielleicht entdeckt der ein oder andere ja tatsächlich seine alte oder neue Liebe für das Klavier oder ein anderes Instrument.

Die Musikmesse Frankfurt findet vom 7. bis zum 10. April statt.

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