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Afrika

Musikkarriere trotz Rollstuhl

Seine Behinderung hat ihm viele Probleme bereitet. Der Kongolese Roger Landu wurde von seiner Familie verstoßen, lebte jahrelang auf der Straße. Doch die Liebe zur Musik gab ihm Kraft - und ein neues Zuhause.

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Die kongolesische Band "Staff Benda Bilili"

Das Leben mit einer körperlichen Behinderung ist überall eine Herausforderung. Doch in einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo gilt das ganz besonders. Hier muss fast die gesamte Bevölkerung täglich ums Überleben kämpfen. Der junge Kongolese Roger Landu hat Kinderlähmung und wurde schon früh von seiner Familie verstoßen. Aufgegeben hat er aber nie. Vor allem das Musikmachen mit seiner Band Staff Benda Bilili gab und gibt ihm immer wieder neue Hoffnung.

Staff Benda Bilili DRC

Staff Benda Bilili beim Proben

Benda Bilili, das heißt so viel wie "schau hinter das Äußere". Genau das erwartet die Band von ihrem Publikum. Denn die meisten der 12 Musiker stützen sich auf Krücken oder sitzen im Rollstuhl wie Roger Landu. Mit seinen 18 Jahren ist er das jüngste Mitglied der Musikgruppe. Sein Rollstuhl ist grün angemalt und hat kleine blitzende Katzenaugen auf der Rückseite. Schon mit 12 Jahren wurde er von seinen Eltern verstoßen. Bevor er sich der Band anschloss, trieb er sich jahrelang auf den Straßen Kinshasas herum. Er schlief im Freien und spielte Mundharmonika, um ein wenig Geld zu verdienen. Stehlen sei für ihn nie in Frage gekommen, sagt Roger, die Musik gab ihm Kraft. Er habe sich immer von den großen Musikern des Landes inspiriert gefühlt und so gut spielen wollen wie sie.

Selbstgemachte Instrumente

Alle Instrumente von Staff Benda Bilili sind traditionell kongolesisch und von den Musikern selbst hergestellt. Rogers Instrument nennt sich Satonage. Es besteht aus einem Stock, einer Tomatendose und einer Saite und ist laut Roger entfernt verwandt mit einer Solo-Gitarre. Schon als er 9 Jahre alt war spielte er auf seiner Satonage. Damals habe ihn seine Mutter deshalb immer ausgeschimpft, erinnert sich der junge Mann, "aber das habe ich einfach ignoriert und meinen Traum vom Musikmachen weiter verfolgt".

Staff Benda Bilili

Die Band auf Tournee - hier bei einem Konzert in Hamburg

Und das hat sich gelohnt, denn mit seiner Band hat Roger inzwischen das erste Album aufgenommen. Ermöglicht hat das Vincent Kenis, ein belgischer Musikproduzent. Er war von Anfang an begeistert von Staff Benda Bilili: "Die Musik ist so eingängig und gleichzeitig einzigartig wegen der ausgefallenen Instrumente. Die Satonge zum Beispiel macht einen richtig rockigen Sound. Die Leute lieben den Klang des Instrumentes."

Ein Lied gegen Polio

Trotz des musikalischen Erfolgs ist das Leben von Roger und den anderen Bandmitgliedern noch immer schwierig. Viele Jobs können sie wegen ihrer Behinderung nicht annehmen. Deshalb tingeln sie jeden Abend durch die Bars der Hauptstadt und verdienen so ein wenig Geld. Krankenversichert sind sie alle nicht und auch andere Sozialleistungen für behinderte Menschen gibt es im Kongo nicht.

23.11.2009 DW-TV Global 3000 STAFF BENDA

Das Ziel der Band: mit Musik eine Botschaft vermitteln

Um Menschen mit ähnlichem Schicksal Mut zu machen und um andere über Kinderlähmung aufzuklären, hat die Band einen eigenen Song über die Infektionskrankheit geschrieben. Im Kongo galt Polio nach umfangreichen Impfkampagnen als fast ausgerottet, bis sich letztes Jahr die Fälle wieder mehrten. Das Polio-Lied von Staff Benda Bilili soll Eltern ermutigen, ihre Kinder impfen zu lassen.

Respekt durch Musik

Für Roger ist es wichtig, anderen Menschen seine Behinderung verständlicher zu machen und gegen die Diskriminierung behinderter Menschen anzukämpfen. Mittlerweile ist er nicht nur in seiner Band eine geachtete Person. Durch sein musikalisches Talent hat er sich bei vielen Menschen Respekt verschaffen können. Und auch mit seiner Familie hat er inzwischen Frieden geschlossen. Sein Zukunftstraum: „Ich möchte mein eigenes Zuhause haben. Ich möchte mein ganzes Leben der Musik widmen. Und vielleicht bekomme ich ja eines Tages dafür sogar weltweite Anerkennung.“

Autor: Saleh Mwanamilongo/ Josephat Charo

Redaktion: Stefanie Duckstein / Carolin Hebig