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Kultur

Musikfest statt Sommerloch

Volle Säle und ein junges Publikum, das sich begeistern lässt: Berlin ist zwei Wochen lang Hauptstadt für den klassischen Nachwuchs aus ganz Europa.

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Großer Saal im Konzerthaus Berlin

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt, eines der bekanntesten Gebäude Berlins, stand früher im August einfach leer. Nur Touristengruppen wurden durch das von der DDR in schnuckelig-goldigem Pseudo-Klassizismus wiederaufgebaute Schauspielhaus geführt. Diesen Sommer strömten allein in der ersten August-Woche bereits mehr als 10.000 Besucher in die oft hervorragenden Konzerte junger Orchester und Solisten aus 13 Nationen.

Der Grund: "young.euro.classic", das Festival der besten Jugendorchester Europas, macht aus dem musikalischen Berliner Sommerloch bereits zum dritten Mal einen Höhepunkt der ganzen Kultur-Saison.

Türkei musikalisch in Europa angekommen

Die Organisatoren des Festivals wollen besonders auch auf das Europa außerhalb der Europäischen Union aufmerksam machen: Einen Schwerpunkt des Programms bildet Osteuropa. Eröffnet wurde das Festival diesmal von einem türkischen Ensemble. Zum ersten Mal trat das Orchester des Staatskonservatoriums Ankara in Berlin auf. Die Organisatoren wollen "beweisen, dass die Idee Europa gerade in der Musik ihr stärkstes Medium besitzt und politische Schwierigkeiten mit spielerischer Leichtigkeit überwindet.", so Willi Steul, der Vorsitzende des privaten "Freundeskreis europäischer Jugendorchester". Berlin ist nicht nur die größte türkische Stadt außerhalb der Türkei, es war auch der aus Berlin vor den Nazis in die Türkei geflohene deutsche Komponist Paul Hindemith, der in den 1930er Jahren das klassisch-europäische Musikleben in Ankara aufbaute.

Die Idee

young.euro.classic - Europäischer Musik Sommer Berlin 2002

Das Konzept des Festivals ist so einfach wie erfolgreich: Die besten europäischen Jungendorchester werden eingeladen, die Konzertprogramme beinhalten immer ein großes Werk der klassischen Moderne, Stücke national bekannter Komponisten des jeweiligen Heimatlandes und eine Uraufführung oder zumindest das Werk eines noch lebenden Komponisten. Dadurch sind in den zwei Augustwochen in Berlin so viele hierzulande noch nie gehörte klassische Kompositionen zu entdecken, wie sonst kaum in einer ganzen Saison. Zehn Uraufführungen und sieben deutsche Erstaufführungen sind es diesmal. Eine Publikumsjury vergibt am Ende den mit 5000 Euro dotierten "Europäischen Komponistenpreis" der Stadt Berlin an die beste Neukomposition.

Karten zum Kinopreis

Auch das Preissystem ist denkbar einfach und trägt zum großen Erfolge nicht unwesentlich bei: Bei 8,50 Euro auf allen Plätzen strömt ein für klassische Konzertabende ungewöhnlich junges und begeisterungsfähiges Publikum ins Konzerthaus. Bekannte Persönlichkeiten aus Politik und öffentlichem Leben in Deutschland präsentieren als Paten jeden Abend "ihr" Orchester.

Einflussreiche Freunde

Fünf Freunde trafen sich beim Wein ... so legendenhaft schlicht hat die Erfolgsgeschichte des Festivals vor drei Jahren begonnen. Die Berliner Unternehmensberaterin Gabriele Minz übernahm die Leitung, geplant war zunächst ein einmaliger "Europäischer Musik Sommer" im Jahr 2000. Da die fünf Freunde wiederum viele einflussreiche Freunde haben, ist die Liste der Schirmherren, Freunde und Berater mittlerweile eindrucksvoll: Der Präsident des Europäischen Parlaments, Pat Cox, der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, viele andere internationale Größen der Klassik-Branche und vor allem auch hohe und einflussreiche Vertreter der öffenlich-rechtlichen Medien in Deutschland. Jedes Jahr beginnt die Sponsorensuche aufs Neue, größte und beständigste Unterstützer sind die Europäische Kommission und der Automobilkonzern BMW.

Ein beeindruckender Höhepunkt des diesjährigen Festivals war der Abend der Litauischen Musikakademie. Der kleine baltische Staat Litauen ist musikalisch gesehen eine Großmacht. Welch fabelhafte Talente dort heranwachsen, bewies dieses Orchester von 14- bis 27-Jährigen, die auf einem Niveau musizieren, das dem internationaler Spitzenorchester in nichts nachsteht.

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