1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Musikfernsehen reloaded

MTV und Co waren gestern. Die 90er sind eben vorbei. Heute ist Internet. Hier will Tape.tv dem Musikvideo wieder eine Heimat geben. Taugt das was?

Logo von Tape.tv (Foto: Andreas Main)

Tape.tv sitzt in einem alten Fabrikgebäude, etwa fünf Kilometer entfernt von den Epizentren der Berliner Szene. Teure Mieten kann sich das junge Unternehmen noch nicht leisten. Immerhin läuft es aber schon so gut, dass 25 Mitarbeiter regelmäßig ihr Geld bekommen sollen und sie sich auf zwei Etagen breit gemacht haben. Alle sehen sehr jung, sehr cool und sehr nach Metropole aus.

Logo des Unternehmens Tape.tv (Foto: Andreas Main)

Die neue Heimat des Musikfernsehens: tape.tv aus der Fabrik

Rund um den Sitz des Unternehmens in Berlin-Weißensee ticken die Uhren noch normal und nicht im Berlin-Hype. Hier heißen die Läden noch "Frisierstube Bianka“ und "Bistro-2000-V-Cafe“. Viele Geschäfte und Kneipen sind verrammelt. Tape.tv ist dort, wo es in Berlin noch nicht, aber vielleicht demnächst mal brummt.

Videos nach Geschmack und Laune

Das Konzept ist einfach: Rechner an, ab ins Netz, www.tape.tv wählen. Auf der Plattform kann man sich dann entspannt durch Musikvideos wühlen oder einfach nur zurücklehnen, sehen und hören. Die Webseite spielt ein Musikvideo nach dem anderen, aktuelle Hits, aber auch Klassiker und das ganz ohne nervige Moderatoren. Wer will, und das ist entscheidend, kann mit wenigen Mausklicks die Musikauswahl personalisieren. Dann läuft eben mehr Indie oder mehr Hip-Hop – ganz nach Belieben.

2010 soll noch mehr möglich sein. Nach einem Jahr steht jetzt der erste Relaunch an. Danach soll es noch mehr Community, mehr Individualisierung und mehr Möglichkeiten geben, ein eigenes Profil zu entwickeln. "Wir wollen einfach ein noch besseres Tape.tv bauen. Es soll schlauer werden, quasi ein Gedächtnis haben“, sagt Conrad Fritzsch, der Geschäftsführer. Der Regisseur und Werbemann ist 40 Jahre alt und hat das Unternehmen zusammen mit Stephanie Renner gegründet. Vor einem Jahr saßen sie noch zu zweit in leeren Hallen, jetzt werden es ständig mehr Mitarbeiter. "Ich glaub, ich hab noch nie so viel gearbeitet“, sagt er, "aber auch noch nie mit so vielen guten Leuten zusammen.“

Kostenlos, einfach, individuell

Tape.tv expandiert massiv, will aber einfach bleiben. Die Internet-Plattform möchte die Nutzer nicht überfordern; die gemütliche Logik des guten alten Fernsehens und die Intelligenz des Internets sollen eins werden. Tape.tv hat drei Zielgruppen: Musikhörer, Musikkenner, Musikexperten. "Manchmal bin ich nur Musikhörer, etwa im Auto“, erklärt Fritzsch, "am Rechner bin ich plötzlich Musik-Experte, weil ich was wissen will und anfange zu recherchieren. Für jene, die in die Tiefe gehen wollen, kann Tape.tv zu einer Offenbarung werden.“ Die Plattform bietet mittlerweile fast 20.000 Musik-Videos, beschenkt einen mit Künstlern, die in 08/15-Radios niemals gespielt werden und die in Deutschland nur wenige kennen.

Conrad Fritzsch, Geschäftsführer von Tape.tv (Foto: Andreas Main)

Ein Conrad, ein Video und das Internet - fertig ist tape.tv

Kein Nutzer muss für die Videos zahlen. Bis jetzt finanziert sich das Unternehmen durch private Investoren, Werbung sieht man kaum auf den Seiten. Conrad Fritzsch glaubt fest an sein Unternehmenskonzept. Tape.tv sei wie ein guter alter Plattenladen. "Nach dem dritten Mal, wenn ich dort CDs oder Platten gekauft hatte, dann wussten die, was ich mag. Nur dann konnten sie mir neue Künstler ans Herz legen.“ Bei Tape.tv sei das genauso. Man gebe einen Teil seiner Persönlichkeit preis, in dem man dem Tape.tv-Team sage, welche Musik man mag. "Dann können wir ein guter Freund sein, der sich mit Musik auskennt und berät.“

Autor: Andreas Main

Redaktion: Marlis Schaum

WWW-Links